Ein „Jammerlappen“ ist es nicht mehr

Über den Umgang mit Zeugnissen im Laufe der Zeit

Ausschnitt eines Zeugnisses
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Das waren noch Zeiten: die Zeugnis-Fußnote des Autors und obligatorische Unterschrift des Vaters.

Rotenburg – Es war einmal vor vielen, vielen Jahren, da hießen die Schulzeugnisse bei denen, die sie bekamen, „Jammerlappen“. Die Bezeichnung war eindeutig, bei manchen war der Jammer – besonders zum Schluss des Schuljahres – groß. Manche böse Überraschung gab es da, manchen strengen Verweis vom Klassenlehrer oder den Eltern, „Kopf“- oder „Fußnoten“, die eher zum Jammern Anlass gaben als zur Freude.

Wer es zum Beispiel bis in die letzte Klasse der Realschule oder in die Oberstufe des Gymnasiums geschafft hatte, konnte nicht selten feststellen, dass mehr als ein Drittel der Klasse zu den Wiederholern gehörte. Sitzenbleiber. War schon fast ein Schimpfwort und meistens unangenehm. Fünfte und sechste Klassen waren dabei oft besonders heikel, weil sich mitunter herausstellte, dass die nach der Grundschule gewählte Schulform doch nicht die richtige war. Heute ist alles ziemlich anders – wie am Mittwoch zur Zeugnisübergabe festgestellt werden durfte.

Vor dem Rotenburger Ratsgymnasium stellt sich eine Schar Sechstklässler zum Foto auf. Sie sind begeistert, als ein Zeitungsmensch des Weges kommt. Der kann sie gleich mal ablichten. Ihre Wege werden sich nach diesem Schuljahr trennen – Latein oder Französisch, musischer oder naturwissenschaftlicher Zweig. Es wird neu „gemischt“. Ob sie die Zeugnisse fürchten? Allgemeines Kopfschütteln. Die Noten sind sowieso nahezu alle bekannt. Schlimmer sind – wenn schon – die jährlich stattfindenden „Elterngespräche“, bemerken Jan und Lias. An der IGS ist „Sitzenbleiben“ sogar bis hin zur achten Klasse ein Fremdwort, wie Ursula Krause, die stellvertretende Schulleiterin, betont. Man könne selbstverständlich freiwillig eine Klasse wiederholen, aber gezwungen dazu werde niemand. „Weniger Angst“ hätten die Schüler heutzutage.

Sabine Feller von der Evangelischen Lebensberatungsstelle in Rotenburg stellt dann auch fest, dass es in diesen Tagen nicht etwa mehr Anfragen von schulgefrusteten Eltern oder Kindern gebe. Allerdings seien dafür auch mehr die in vielen Regionen „Zeugnis-Sorgen-Telefone“ da.

Melanie Friedrich aus Rotenburg hat vier Kinder zwischen fünf und 20 Jahren. Abgesehen von ihren eigenen Zeugniserfahrungen sieht sie zur Zeit das Problem nicht so sehr in den Zensuren, sondern mehr in den Unterrichtsausfällen aufgrund der Pandemie. Mit dem Homeschooling seien längst nicht alle Kinder fertig geworden. Ganz abgesehen davon, dass in einer Familie mit vier Kindern nun mal nicht für alle ein PC, Drucker oder Laptop zur Verfügung stünde. Und ohne Frage wirke sich der Unterrichtsausfall auch negativ auf Zeugnisse aus. Ihre Kollegin Kristin Gehring (45) aus Rotenburg erinnert sich an Bemerkungen, wo ihr zeugnismäßig bescheinigt wurde, dass sie selbst „oft zu vorlaut“ sei und „Bemerkungen der Lehrer nicht immer erst genommen“ würden. So was dürfte heute eher selten sein.

Die zwölfjährige Romina, die ebenfalls die sechste Klasse des Ratsgymnasiums beendet, meint: „Manche haben wohl auch Angst“, sie aber wisse schon „von mindestens vier Zweien“. Das lässt einen ruhiger auf das Zeugnis blicken. „Jammerlappen“ ist nicht mehr.

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