Faulbrut-Fall lässt Imker aufhorchen

Tückische Bienenpest

Im Nachbarlandkreis ist ein Fall von Faulbrut aufgetreten – auch in Rotenburg ist das ein Thema. Symbolbild: Krüger

Rotenburg - Von Ann-christin Beims. Ein Blick in die Meldungen aus dem Nachbarlandkreis lässt Imker in Rotenburg derzeit aufhorchen: Wie der Weser-Kurier am Donnerstag berichtet hat, ist in einem Bienenstand in Embsen bei Achim ein Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut entdeckt worden. Noch sind sie aber nicht beunruhigt, sagt Elli Döbler, Vorsitzende des Imkervereins Rotenburg. „In unserem Verein im Altkreis ist Ruhe.“ Aber sie weiß auch: Das kommt immer wieder vor.

So ist im Landkreis Rotenburg aktuell in Wistedt ein Fall der auch Bienenpest genannten Seuche bekannt. Im April ist dort laut Verfügung des Landkreises ein Sperrbezirk eingerichtet worden, nachdem in zwei Bienenständen der Ausbruch festgestellt worden war. 2015 kämpften Ahauser Imker mit der tückischen Seuche. „Das kann jedem Imker passieren“, weiß Veterinäramtsleiter Joachim Wiedner. Die Bienen nehmen die Sporen des Bakteriums zum Beispiel durch den Kontakt mit anderen Honigsammlern auf, wenn sie einen infizierten Stock ausräubern. Möglich sind auch leere Honiggläser, die in den Glascontainern landen und an denen sich Bienen bedienen. „Sie laben sich daran, aber der Honig kann Sporen enthalten“, erklärt Wiedner auf Nachfrage. Weil die Tiere räubern, wird bei einem Faulbrutbefall jeder Bienenstock in einem Sperrgebiet von mindestens einem Kilometer geprüft – der Radius, in dem sich eine Biene meist bewegt.

Die Faulbrut ist anzeigepflichtig, bedeutet für den Menschen aber keine Gefahr. „Geschmacklich merkt man davon auch nichts“, versichert Wiedner. Der Krankheitserreger befällt nicht die erwachsenen Tiere, sondern die Larven, wenn sie gefüttert werden. Der Nachwuchs hat keine Überlebenschance. „In den Larven ist beim Öffnen nur eine schleimige, stinkende Masse – das ist eine Seuche, die sich kein Imker wünscht“, erklärt Döbler, die hofft, dass sich die Faulbrut nicht auf den Altkreis ausbreitet. Ein Hinweis dafür kann sein: Bienen verschließen ihre Waben mit einem Wachsdeckel und merken auch selber, dass etwas nicht stimmt. Dann bleibt der Deckel oft geschlossen.

Döbler betont auch, dass in ihrem Verein alle Imker sorgfältig arbeiten würden. Dafür sorgten auch zwölf Bienenseuchensachverständige. Es gebe ein regelmäßiges Monitoring. Besonders Wander-Imker, die ihre Bienen beispielsweise ins Alte Land zur Obstblüte bringen, bräuchten ein Gesundheitszeugnis und müssen regelmäßig Futterkranzproben an das Institut für Bienenkunde in Celle schicken. Döbler warnt ihre Kollegen auch davor, Honig aus dem Internet zu kaufen. „Darin sind oft Faulbrutsporen zu finden.“

Sollte sich ein Bienenvolk anstecken, sei dies „viel Arbeit“, so Döbler. Ausnahmslos alles müsse dann desinfiziert, das Wachs entsorgt werden und vieles mehr. Was mit den Bienen geschieht, hängt vom Zeitpunkt der Entdeckung und ihrem Zustand ab. Ist der Befall geringgradig, kann der Stock mit dem „Kunstschwarmverfahren“ saniert werden. Dabei werden die Bienen in einen neuen Stock umgesetzt und man lässt sie hungern. So scheiden sie nach und nach alle Sporen aus und können danach weitermachen wie zuvor. „Dadurch säubern sie sich“, erklärt Wiedner. „Aber manchmal ist keine Sanierung möglich, dann muss ein Volk abgetötet werden.“

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