Einrichtungen in Rotenburg haben unterschiedliche Schwerpunkte und Konzepte

Trotz Inklusion: Große Nachfrage nach Förderschulangeboten

Rainer Orban, Leiter der heilpädagogischen Kinder- und Jugendheime und Käthe Jans, Rektorin der Bernhard-Röper-Schule, sind mit dem aktuellen Schülerzahlen zufrieden. - Foto: Filipiak

Rotenburg - Von Sophie Filipiak. Inklusion bleibt ein wichtiges Thema in der niedersächsischen Schullandschaft – vor allem bezüglich der Förderschulen. Denn die haben nun eine sinkende Schülerzahl zu verzeichnen. In Rotenburg aber besteht kein Grund zur Sorge. „Unser Angebot ist stark nachgefragt“, äußerte sich Eberhahrd Thamm, Leiter der Lindenschule.

Seine Einrichtung hat den Schwerpunkt Geistige Entwicklung mit einem besonderen Modell. Viele der Schüler gehen an Regelschulen im gesamten Landkreis in Kooperationsklassen. „Unser Personal ist immer mit vor Ort, sodass eine ständige Betreuung gewährleistet ist“, so Thamm. Rund 149 Schüler werden derzeit an der Lindenschule unterrichtet, viele werden von den Rotenburger Werken betreut. Da die Einrichtung im ganzen Landkreis durch die Kooperationsklassen vertreten ist, sieht Thamm einer Zukunft mit konstanten Schülerzahlen entgegen.

Anders hingegen sieht es bei der Bernhard-Röper-Schule am Bahnhof aus. Die Einrichtung ist Teil der heilpädagogischen Kinder- und Jugendheime Rotenburg. Das bedeutet, dass nur Kinder und Jugendliche einen Platz in der Förderschule erhalten, wenn sie entweder in einer stationären Wohn- und Tagesgruppe oder ambulant betreut werden. Dadurch ist eine enge Kooperation zwischen den Pädagogen und den Betreuern der Einrichtung gewährleistet. Morgens bringen diese ihre Schützlinge zur Schule, holen sie wieder ab und machen mit ihnen gemeinsam Hausaufgaben. „Wir haben auch ein Rückmeldesystem entwickelt“, erläutert Schulleiterin Käthe Jans. Die Pädagogen verteilen Fleißpunkte für gutes Verhalten, die den Erziehern auch mitgeteilt werden.

Die Förderschule ist eigentlich zweigeteilt: Zum einem werden dort Kinder und Jugendliche unterrichtet, die in ihrer geistigen Entwicklung stark beeinträchtigt sind. Für diese bietet die Einrichtung sechs jahrgangsübergreifende Klassen an, die jeweils nur aus sechs bis sieben Schüler besteht. Ein Klassenlehrer übernimmt den gesamten Unterricht. „So haben die Kinder immer eine Bezugsperson und müssen sich nicht ständig an neue Lehrer gewöhnen“, erläutert Jans. Selbst die Absolventen bleiben mit der Einrichtung in Verbindung. Die Lehrer werden bei ihrer Arbeit von pädagogischen Mitarbeitern unterstützt. Die Kinder und Jugendliche lernen nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern vor allem alltägliche Dinge, wie das richtige Verhalten im Straßenverkehr oder Fahrradfahren.

Kinder können versäumten Unterrichtsstoff nachholen

Zum anderen helfen die Lehrer und Mitarbeiter an der Bernhard-Röper-Schule Schülern, ihre sozialen und emotionalen Defizite zu überwinden. Viele der Schüler fühlen sich vor allem in großen Gruppen unwohl; sie regieren ängstlich oder – im schlimmsten Fall – auch aggressiv.

In den kleinen Klassenverbänden haben die Pädagogen bessere Möglichkeiten, individuell auf die Bedürfnisse ihrer Schützlinge einzugehen. „Die meisten werden immer selbstbewusster und trauen sich auch mehr zu“, erklärt Jans. Die Kinder erhalten die Möglichkeit, versäumten Unterrichtsstoff aus ihrer Regelschulzeit mit fachkundiger Betreung nachzuholen. Denn das eigentliche Ziel sei es, die Schüler so schnell wie möglich wieder „zurückzuschulen“. Falls das nicht möglich ist, können die Jugendlichen auch dort ihren Abschluss machen, entweder den Abschluss des Bildungsgangs im Förderschwerpunkt Lernen oder den Hauptschulabschluss.

Der Einzugsbereich der Bernhard-Röper-Schule und der heilpädagogischen Kinder- und Jugendheime ist groß. Die rund 75 Schüler stammen aus der Stadt und den Landkreisen Rotenburg, Verden und Osterholz. In den Wohngruppen sind auch Kinder aus Bremen, Hamburg und ganz Niedersachsen untergebracht.

„Die Kombination von Schule und Einrichtung ist schon besonders und für die Jugendämter attraktiv“, so Rainer Orban, Einrichtungsleiter und Psychologe. Rund 80 Prozent der Anfragen stammen von den Behörden. Denn bei einigen Schülern klappt die Inklusion nicht. Wenn die Lehrer nicht weiterwissen, wenden sie sich an die Jugendämter, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

Einige der Schüler sind aber nicht in der Lage, die ganze Zeit dem regulären Unterricht zu folgen – sei es, weil sie einen erhöhten Bewegungsdrang haben oder sich nicht die ganze Zeit konzentrieren können. In einem solchen Fall weichen sie einfach in das „Grüne Klassenzimmer“ aus. Das befindet sich nicht weit vom Schulgelände auf der Kinder- und Jugendfarm auf der anderen Seite des Bahnhofs.

An der frischen Luft, in einem Bauwagen oder einer beheizbaren Hütte unterrichten zwei erfahrene Naturpädagogen. „Wir arbeiten dort auch verschiedene Projekte mit den Klassen aus“, so Jans. Dabei gehe es nicht nur um Naturthemen, sondern manchmal auch um historische, wie die Zeit der Wikinger oder der Indianer. „Die Kinder nehmen das grüne Klassenzimmer sehr positiv auf und sehen die Projekte als Belohnung“, berichtet Jans. In Ausnahmefällen können Schüler – eher praktisch orientiert – komplett auf dem Gelände unterrichtet werden.

In einer Umbruchsphase befindet sich hingegen die Pestalozzi-Schule Rotenburg. Durch die Inklusion entfällt bald die vierte Jahrgangstufe, teilt Konrektorin Uta Voßberg mit. Die Einrichtung ist eine staatliche Förderschule, deren Einzugsgebiet der Südkreis ist. Trotz des Wegfalls einer Klassenstufe gebe es dennoch eine große Nachfrage von Seiten der Eltern. Voßberg ist daher – wie auch ihre Kollegen – zuversichtlich, dass die Förderschulen erhalten bleiben.

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