Zahl der Fahrraddiebstähle in Rotenburg sinkt

Trotz großer Erfolge: Ablehnung für Speichenkommissar 2.0

Kriminaloberkommissar Karsten Wittke fährt auf seinem Fahrrad.
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Da er so oft es geht selbst mit dem Fahrrad unterwegs ist, weiß Kriminaloberkommissar Karsten Wittke auch, wie wichtig der Schutz des Drahtesels ist.

Ein Konzept zur Bekämpfung des Fahrraddiebstahls in Verbindung mit der Datenbank Speichenkommissar brachte unter anderem in Rotenburg große Erfolge. Letzterer wurde jedoch 2017 abgeschaltet. Ein „Speichenkommissar 2.0“ wird bisher abgelehnt.

Rotenburg – Das Wetter wird stetig besser und mit dem Frühlingsbeginn steigen die Menschen wieder vermehrt auf das Fahrrad um. Gerade im Lauf des vergangenen Jahres mehr als sonst – Corona macht es möglich. „Es ist ein großer Boom gerade“, sagt auch der Rotenburger Kriminaloberkommissar Karsten Wittke. Das freut den Polizisten, der selber viel auf dem Fahrrad unterwegs ist. Es kann aber zugleich die Gefahr bergen, dass es zu mehr Fahrraddiebstählen kommt. Die sind dank eines ausgeklügelten Konzeptes und dem Einsatz des Speichenkommissars in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, zugleich ist die Aufklärungsquote gestiegen. Doch mit der Einstellung der digitalen Datenbank ist die Zahl der Registrierungen rückläufig – und das erschwert die Arbeit der Ermittler.

Ende 2017 war der Speichenkommissar eingestellt worden. „Leider“, sagt Wittke. Die Bürger waren aktiv eingebunden, „online, modern, das war ein völliges Novum“. Sie konnten sich registrieren und ihre Daten selbst verwalten. Was wiederum der Polizei Arbeitszeit einsparte, die für andere Aufgaben genutzt werden konnte. Vorher wurde alles händisch eingegeben, „mit hohem Zeitaufwand und einer Fehlerquote“. Aktuell ist eine Registrierung zwar möglich, allerdings per Ausfüllen eines Formulars, welches dann an die Polizeiinspektion weitergeleitet wird. Die Daten des Speichenkommissars lägen weiter vor, sie seien ins polizeiliche System übernommen worden, beruhigt der Kommissar. Aber bei Änderungen müssen sich Besitzer bei der Polizei melden. Sie haben keinen eigenen Zugang mehr.

Wittke ist gerade auf die Entwicklung in der Stadt Rotenburg „besonders stolz“: Nachhaltig ist die Zahl der Diebstähle von mehr als 400 Anfang der 2000er-Jahre seit der Erstellung und Einführung eines Rahmenkonzepts zur Bekämpfung des Fahrraddiebstahls durch die 2009 gegründete „Arbeitsgruppe Sattel“ auf unter 150 gesunken. 2020 waren es 133 Diebstähle, der niedrigste Stand seit 2000. Typische Orte für Diebe seien vor allem der Bahnhof, aber auch die Gerberstraße mit den Schulen sowie am Diakonieklinikum, am Ronolulu und südlich der Harburger Straße. Obwohl es am Bahnhof seit dem Umbau besser geworden sei.

Eine wichtige Säule des Konzepts sind die Fahrradfahrer, die ihr Zweirad registrieren. „Je mehr mitmachen, desto schwieriger ist es für die Täter“, sagt Wittke, der seit zehn Jahren mit einer Kollegin von einer anderen Polizeiinspektion Themenverantwortlicher bei der Polizeidirektion Lüneburg ist. „Wir waren schnell sehr erfolgreich“, erinnert er sich an die Anfänge zurück. Das Konzept, in Rotenburg entwickelt, fand denn auch Anklang in Lüneburg und wurde nahezu 1:1 übernommen.

Ob die Pandemie im vergangenen Jahr Auswirkungen hatte und es deshalb zu weniger Diebstählen gekommen ist, kann Wittke nicht beurteilen. Da aber viele im Homeschooling oder Homeoffice waren und entsprechend weniger unterwegs, sei es eine Möglichkeit. Doch auch Zuhause kommt es zu Diebstählen. Wittke erinnert sich an einen Fall, als sie bei einer Kontrolle ein Fahrrad als gestohlen ermittelten, dessen Besitzer noch nicht wusste, dass es weg ist – alles dank der Registrierung beim Speichenkommissar.

Auch eben diese regelmäßigen Kontrollen, sowohl spontane, als auch geplante größere Aktionen, haben ihren Anteil am Erfolg. Und mit selbigem wuchsen die Wertschätzung und das Interesse der Kollegen für diesen Bereich des Jobs. Doch mit der Einstellung des Speichenkommissars, dem „Motor des Konzepts“, wie Wittke es nennt, habe sich einiges verändert. 8 022 Fahrräder sind aktuell für Rotenburg registriert, der Kommissar bemerkt einen deutlichen Rückgang seit der Abschaltung. Zu umständlich könnte es für viele sein, ist eine Vermutung. Monatlich seien es derzeit unter 20 neue Registrierungen, und wenn, vorwiegend E-Bikes.

Doch die Software konnte nicht erneuert werden. Eine Arbeitsgruppe wollte dann den Weg für einen „Speichenkommissar 2.0“ ebnen. „Wir waren guter Hoffnung, zeitnah eine neue Software entwickeln zu lassen, aber das hat nicht geklappt.“ Die Genehmigung für eine Ausschreibung steht bis heute aus. Lüneburg sei dafür nicht zuständig. Auch ein direktes Gespräch mit dem niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius brachte Wittke nicht weiter, dieser habe abgelehnt. „Das liegt in Hannover, seitdem: Still ruht der See. Aber wir sind Servicedienstleister für Sicherheit, da gehört so etwas dazu.“

Also habe man sich in der Arbeitsgruppe erneut zusammengesetzt, über andere Lösungen nachgedacht. Eine Idee ist es, über die erneuerte Online-Wache eine Online-Registrierung zu ermöglichen. Das ist nun beantragt worden. Das wäre zwar nicht direkt wie der Speichenkommissar, aber eine sinnvollere Lösung als das jetzige Formular, so Wittke. „Es ist eine abgespeckte Version.“

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