Trend E-Book: Rotenburger Stadtbibliothek bietet 20000 Titel an

„Wer sich nicht verändert, verschwindet“

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Ob digital oder analog – das Angebot, das Leiterin Christine Braun und ihr Team der Stadtbibliothek bereit halten, ist sehr umfangreich.

Rotenburg - Von Maximilian Schuppe. Die Buch- und Lesekultur verändert sich rapide. Das E-Book, ein elektronisches Buch, das auf verschiedenen Lesegeräten, Computern, Tablets und Smartphones gelesen werden kann, erfreut sich einer immer größer werdenden Popularität. Ein Trend, der auch an der Rotenburger Stadtbibliothek nicht vorbei geht.

Bücherei-Leiterin Christine Braun nimmt die Veränderungen in den Lesegewohnheiten der Bevölkerung mit großem Interesse wahr. In der Entwicklung des E-Books sei vor allem auffällig, dass die E-Book-Nutzer keineswegs nur junge Leute seien, sagt Braun. Vor allem die Generation 50+ erfreue sich an einem barrierefreien Lesen, bei dem sogar die Schriftgröße variiert werden könne.

Die Erwachsenen sind es auch, die den größten Anteil an Ausleihen in der Stadtbibliothek einnehmen. Trotzdem verzeichnet die Stadtbibliothek keinen Mangel an Kindern und Jugendlichen, betont die Leiterin. „Es gilt in der Kindheit den Samen zu pflanzen, denn ohne Bibliothek und Leseerfahrung ist es schwer, die Jugendlichen zu einem späteren Zeitpunkt vom Lesen zu überzeugen.“ Denn hat sich bei jungen Menschen und auch den Erwachsenen, erst einmal ein Hunger nach Geschichten entwickelt, macht sich Braun keine Sorgen mehr, woher die Personen ihren Lesestoff ziehen.

Sorgen tut sie sich nur um die, die das Lesen gar nicht interessiert: Durch das Verschlossensein gegenüber Literatur bleibe vor allem der bildende Lerneffekt aus und auch die ihrer Ansicht nach ganz entscheidende Herzensbildung, das Erfahren und Ausleben von Gefühlen während des Lesens. Der Hunger nach Geschichten sei es letztlich nämlich, der sich immer eine neue Art zu lesen sucht und auch durch E-Book, Tablets und Computer das Lesen zeitgemäßer und vielfältiger macht.

Insofern hat sich auch die Stadtbibliothek an die Veränderungen in der Buch- und Lesekultur angepasst, um auch in den kommenden Jahren weiterhin konstant gute Ausleihzahlen verzeichnen zu können. Neben dem klassischen Buch kann man heute auch E-Books in der Stadtbibliothek ausleihen.

Hierzu reicht ein gültiger Mitgliedsausweis aus, den ein Erwachsener für 20 Euro im Jahr erwerben kann. Im Gegenzug erhält das Mitglied Zugriff auf die Internetseite nbib24.de und kann sich dort ein gewünschtes E-Book für drei Wochen downloaden. Der dort verfügbare Bestand von 20000 Büchern lässt das Herz von so manch einem Vielleser höher schlagen, und es lässt sich sicherlich auch für den, der weniger liest, etwas finden.

Die Stadtbibliothek hat sich daher, um ihren Mitgliedern die größtmögliche Auswahl zu bieten, einem Verbund von Bibliotheken angeschlossen. Aus eigener Hand hätte man ein solches Netzwerk nicht finanzieren können, erläutert Braun die Beweggründe. Den E-Book Reader selbst kann man auch in der Stadtbibliothek ausleihen. Die Nutzung eines solchen Lesegerätes ist relativ selbsterklärend, versucht die Leiterin der Stadtbibliothek Ängste vor der Neuerung zu beseitigen. Wer dennoch den Umgang mit einem E-Book-Reader erlernen möchte, kann selbstverständlich auch einen Kurs buchen. Es werden ab Herbst wieder Anfänger- und Fortgeschrittenenseminare angeboten.

Seit die Ausleihe von E-Books möglich ist, beschreitet die Stadtbibliothek einen neuen Weg der Lesekultur. Mit vielen Fortbildungen und einem hohen finanziellen Aufwand versucht man sich bestens vorzubereiten, um der Bevölkerung weiterhin eine gute Anlaufstelle zu bieten, Lesestoff zu beziehen. Denn meistens sind es Vielleser, dessen Anteil in der Bevölkerung nach wie vor bei knapp 25 Prozent liegt, die auch zum E-Book greifen. Und diese gilt es, an einem Punkt, an dem die Weichen für die Zukunft der Lesekultur gestellt werden, nicht zu verlieren, betont die Leiterin der Stadtbibliothek.

Sie selbst hat sich nicht nur mit der Stadtbibliothek, sondern auch privat den Veränderungen angepasst und greift neben dem klassischen Buch auch des Öfteren zum E-Book oder dem Computer. Denn, so prognostiziert sie, wird der, der sich nicht verändert, über kurz oder lang vom Buchmarkt verschwinden. Für eine vereinfachte Ausleihe der E-Books nimmt sie die Verlage in die Pflicht und hofft auf bessere Rechte für Bibliotheken, E-Books zur Verfügung zu stellen.

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