Electro-Rockband bringt Menschen zusammen

„Transmitter“ im Wichernhaus: Durchdrehen, abgehen, tanzen

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Der energetische Einsatz von Frontmann Jeff Ogle und seinen beiden Mitstreitern wurde von Kanal 11 digital und mit Pappkamera gefilmt.

Rotenburg - Samstagabend, zur besten Feierzeit: Aus dem Haus in der Lindenstraße ertönen druckvolle Drums. Durch die erleuchteten Fenster sind emporgereckte Arme zu sehen, die in Hiphop-Manier bouncen. Man könnte sich in einem angesagten New Yorker oder Londoner Club wähnen – ist aber im Rotenburger Wichernhaus.

Ein ganz normales Konzert? Ja und nein. Der Auftritt von „Transmitter“ aus Hannover, eine tanzbare Mischung aus Hiphop, Dance, Electro und Rock, eint Bewohner der Rotenburger Werke und externe Gäste. Unter den Tanzenden wiegen sich Menschen in Rollstühlen, Frontmann Jeff Ogle gibt mehr „High Five“ als sonst und schüttelt Hände, die sich ihm entgegenstrecken. Im Hintergrund flimmert eine Lichtshow, ein Zuhörer im Rollstuhl schlägt auf das elektronische Drumset – und das mit viel Talent. Ogle macht das Zeichen des Kanal 11 in die Kamera von Hilmer Drögemüller vom Werke-eigenen Filmteam. Die Kamera eines zweiten Filmers ist aus einem Pappkarton gebaut – er ist mindestens genauso ernsthaft bei der Sache.

Seit einigen Jahren holt Organisator Ole Asmussen vom Freizeitbereich gemeinsam mit seinem Team zwei Mal pro Jahr Bands in das Café, darunter so namhafte wie Doctor Krápula aus Kolumbien. „Wir hatten hier schon Punkrock und Metal. Electro ist neu“, erklärt er. Die Auswahl wird gemeinsam im Team getroffen: „Das Klischee, dass alle Heintje wollen, brauchen wir hier nicht.“

Der Organisator der inklusiven Konzerte, Ole Asmussen (r.), und sein Team hatten auch mit der Verpflichtung „Transmitter“ ein gutes Händchen bewiesen.

Und auch die Durchführung ruht auf vielen Schulter: auf Max, der so eifrig Bier- und Colakisten räumt, dass er selbst noch gar nicht zum Tanzen gekommen ist, Thea am Geschirrspüler, Manuel am Tresen. Tim Block, der mit FSK-lerin Julia an der Kasse sitzt und sonst eher Saga, Schlager und a cappella hört und einmal pro Woche selbst Karaoke singt, befindet: „Der Sänger ist super!“

Bands zu bekommen, sei kein Problem, meint Asmussen: „Ich habe noch nie eine Absage bekommen – die sind von der Idee angetan und kommen uns meist finanziell ziemlich entgegen.“ Auch an diesem Abend ist das Trio entspannt. Mo Heidrich hat in früheren Besetzungen schon öfter vor Zuhörern mit Behinderungen gespielt; die Tochter von Ogle sitzt im Rollstuhl: „Den sehe ich schon gar nicht mehr.“ Für beide ist der Abend eigentlich ein „ganz normales Konzert“ – bis auf die Energie: „Die gehen ab von 0 auf 100“, beschreibt Heidrich die „ehrliche Herzlichkeit“ der mehr als 100 Besucher.

Bandauswahl geht auf

Die Bandauswahl von Asmussen und seinem Team ist an diesem Samstagabend wieder einmal aufgegangen: „Am wichtigsten ist, dass es den Menschen Spaß macht. Wir wollen durchdrehen, abgehen, tanzen.“ Das zweite Ziel: Besuchern „von draußen“ eine Kontaktaufnahme zu ermöglichen: „Musik ist das tollste Medium, um Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam zum Feiern zu bringen.“ In den Anfängen, als im Rahmen von „Rotenburg Live“ noch Shuttlebusse hierher fuhren, hätte es noch mehr Berührungsängste gegeben. „Live in Rotenburg“ ist längst tot, die Idee der inklusiven Konzerte lebt weiter. Und sie hat sich etabliert. „An einigen Abenden sind sogar mehr externe Besucher hier als Bewohner“, so Asmussen.

Eineinhalb Stunden und jede Menge Schweiß später: Mo Heidrich an den Tasten lässt die Sirenen zum fetten Beat heulen, Ilka vom Tisch im Hintergrund hat sich eine CD gesichert, ihre Tischnachbarn rufen auf die Frage des Engländers Ogle: „Sprecht ihr Deutsch?“ vergnügt: „Neeeein!“. Als er die Zeilen singt: „It don´t matter at all“ hat er natürlich vollkommen Recht, in diesem glücklichen Moment. 

hey

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