Rotenburg: Experten „entmilitarisieren“ die Transall

Auch Sicherheit spielt eine Rolle

Techniker Sven Sinnemann sitzt im Cockpit.
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Sven Sinnemann baut die Computereinheit aus.

Rotenburg – Jeder Handgriff sitzt bei Thomas Ohm, Martin Haase und Sven Sinnemann. Die drei Techniker vom Lufttransportgeschwader in Hohn brauchen gerade einmal zwei Tage, um die Transall zu entmilitarisieren, die seit Dienstag ihren letzten Standort auf dem Flugplatz in Rotenburg gefunden hat und künftig als Ausstellungsstück dient.

Es gibt sie, diese schönen Zufälle, die einfach nur für Freude sorgen. Während Thomas Ohm, Martin Haase und Sven Sinnemann damit beschäftigt sind, die letzten militärisch relevanten Teile sowie potenziell gefährlichen, technischen Geräte aus der Transall zu bauen, gibt es Besuch von oben. Die Besatzung einer anderen Transall meldet sich per Funk und fragt an, ob sie über die Schwester in der Kreisstadt fliegen darf. Darf sie. Am Boden ruht ein paar Minuten die Arbeit, die Techniker und Flugplatzmitarbeiter winken.

Transall der Bundeswehr in Rotenburg

Es ist eine Pause, die man sich gönnt, denn die restlichen Arbeiten vor der endgültigen Übergabe dieser 50 Jahre alten Maschine liegen im Zeitplan. Ziel ist es, die Transall zu entmilitarisieren. Da geht es um besonders geschützte Bauteile, um die Wiederverwertung, um Bauteile mit besonderen Gefahrenstoffen, um Zündboxen und um Feuerlöscher – also auch um Sicherheit. Aber auch in der Röhre sind technische Systeme sowie gefährliche Werkzeuge und die Sanitätspakete zu sichern. Aus dem Cockpit entfernt Sven Sinnemann die Computereinheit. Neun Transall sind in Deutschland noch im militärischen Einsatz – „da kann das ein oder andere noch gebraucht werden“, sagt Thomas Ohm. Die Rede ist von schwarzen Boxen, Steuereinheiten und der Navigation dienenden Kreiseln.

Achim Figgen freut sich über die Transall.

Für Sinnemann und seine Kollegen – sie sind schon seit vielen Jahren in der technischen Betreuung dieses Transportflugzeugs im Einsatz – ist es eine Freude, dass diese Maschine nicht in der Schrottpresse landet. „Das tut dann weh“, so Martin Haase.

Die Transall ist zunächst rundherum mit breiten, roten Abspannbändern gesichert worden – diese sind an Betonklötzen befestigt, die an übergroße Lego-Steine erinnern. „Der Wind kann ein Problem sein, die Maschine sich drehen, wenn er zu stark ist“, betont Flugplatz-Geschäftsführer Achim Figgen. So gesichert, wartet sie nun auf ihren endgültigen Standort auf der grünen Wiese. Figgen: „Wir müssen jetzt noch die Fundamente bauen.“

Die Röhre ist fast leer.

Jetzt aber geht es erst einmal um die letzten Handgriffe vor der Übergabe. Im Cockpit hinterlässt die ausgebaute Computereinheit zwei größere Löcher – per 3-D-Drucker will Figgen diese Bauteile nachbilden und wieder einsetzen lassen. Und auch die Heckklappe der Maschine wird sich wieder öffnen lassen, obwohl das dafür eigentlich erforderliche Betriebssystem nun nicht mehr funktioniert. Figgen hat eine Art Pumpe dafür einbauen lassen. So schnell geht das.

213 dieser Maschinen sind gebaut worden. Neben dem Kommandanten und seinem Co-Piloten gehören ein Bordtechniker, ein Navigator, der Ladungsmeister sowie von Fall zu Fall ein Wart zur Besatzung. Sie alle haben ihre festen Plätze. Das maximale, zulässige Gesamtgewicht der Transall – inklusive Treibstoff und Ladung – liegt bei 49 Tonnen. Ein Schwergewicht also.

Thomas Ohm entfernt in der linken Fahrwerksgondel einen Feuerlöscher und den Zünder dafür.

Während Thomas Ohm noch am Ausbau des vermeintlich kleinen und mit Halon befüllten Feuerlöschers schraubt, schließt sein Kollege Martin Haase schon mal die Klappe, hinter der sich der Gasturbinengenerator befindet. „Dort musste auch noch ein Bauteil entnommen werden“, sagt Haase, „das ist aber schon erledigt.“ Zündboxen befinden sich auch in den beiden Triebwerken, dazu ein Typenschild, das ebenfalls nicht drin bleiben darf. „Es gibt eine Reihe von Bauteilen, auf denen haben die Amerikaner die hoheitliche Hand drauf“, sagt Ohm schmunzelnd.

Transall besucht Transall.

Für den heutigen Freitag planen die drei Techniker ihre Abreise zurück ins schleswig-holsteinische Hohn. Ihr Job hier ist erledigt. Jetzt sind die Rotenburger an der Reihe, um das Museumsstück herzurichten.

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