Dritter Prozesstag gegen Mutter zum Tod von Vierjährigem

Totschlagprozess: Polizistin sagt aus

Blumen und Kerzen als Ausdruck der Trauer stehen nach der Tat im November auf der Amtsbrücke in Rotenburg.
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Blumen und Kerzen als Ausdruck der Trauer stehen nach der Tat im November auf der Amtsbrücke in Rotenburg.

Verden/Rotenburg – Nach einem gemeldeten Suizidversuchs im Bereich des Rotenburger Bahnhofs hatte sich zwei Beamtinnen der Rotenburger Polizei am Abend des 5. November 2020 auf den Weg gemacht. Im Bereich der Aalter Allee stießen sie auf eine Frau in einem „offensichtlich hilflosen Zustand“.

Als sie kurz darauf erkannten, dass es die Frau war, die wenige Stunden zuvor mit ihrem Sohn aus der Rotenburger Kinderklinik verschwunden war, gingen bei ihnen „alle Alarmglocken an“, wie es eine der Polizistinnen am Mittwoch in dem Totschlagprozess am Landgericht Verden formuliert hat.

Die 41 Jahre alte Angeklagte habe keine Jacke und nur einen Schuh getragen. Die Kleidung sei durchnässt gewesen. Sie habe nach Hause gewollt. Mangels Deutschkenntnisse habe sie den Uniformierten mit Handzeichen den Weg gewiesen. An einer Rotenburger Adresse öffnete eine Frau, die mehrfach als Tante bezeichnet wurde. „Nenn-Tante“, stellte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk klar. Von der „Tante“ erfuhren die Polizistinnen, dass die Frau eigentlich mit ihrem Sohn im Krankenhaus seien sollte. Da schrillten die Alarmglocken. Auf Türkisch soll die Angeklagte offenbart haben, dass sie das Kind ins Wasser geworfen habe. Und der Zeugin war klar, „dass es schnell gehen muss“. Die Angeklagte habe sie dann zu der Amtsbrücke geführt und ihnen gezeigt, wo sie zuvor den Vierjährigen in die Wümme geworfen habe.

Die Polizei hat aus unserer Sicht alles richtig gemacht. Es ging darum, dass man das Kind finden musste. Wir müssen das nur prozessual klären.

Vorsitzender Richter Volker Stronczyk

Für die Juristen stellt sich die Frage nach der Verwertbarkeit der Angaben, die die Angeklagte und eine Freundin, die sich als Dolmetscherin angeboten hatte, damals gemacht haben. Beide Frauen waren nicht belehrt worden. „Für mich stand die zeitliche Dringlichkeit im Fokus“, erklärte die Polizistin. „Sie hatten die Hoffnung, das Kind noch leben zu finden?“, fragte der Vorsitzende. Die Zeugin antwortet mit einem klaren „Ja“. Nach ihrer Einschätzung hätte die Angeklagte aufgrund ihres „psychischen Ausnahmezustandes“ die Belehrung gar nicht verstanden. „Wenn sie gar nichts gesagt hätte, dann hätten wir nicht gewusst, wo wir suchen sollen.“ Für den Jungen kam dennoch jede Hilfe zu spät.

Verteidigerin Daniela Post warf der Zeugin „unzulässige Vernehmungsmethoden vor“. Doch der Vorsitzende betonte mehrfach: „Aus Sicht der Kammer ist überhaupt kein Vorwurf zu machen gegenüber der Polizei wegen der unterlassenen Belehrung. Die Polizei hat aus unserer Sicht alles richtig gemacht. Es ging darum, dass man das Kind finden musste. Wir müssen das nur prozessual klären.“ Danach brach er die Sitzung ab, weil es mit 18 Personen in dem 70 Quadratmeter großen Gerichtssaal „ein wenig beengt“ sei in Corona-Zeiten. Die weiteren Zeugen wurden auf kommende Verhandlungstage umgeladen.

Am 20. Mai soll der Prozess fortgesetzt werden.

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