Angeklagte gibt Erklärung ab

Totschlag-Prozess: Mutter gesteht Tat

Die Angeklagte hält sich am Tisch sitzen die Hand vor die Augen.
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Die Mutter wollte sich die Bilder ihres toten Kindes nicht ansehen. Wie schon in der ersten Verhandlung, hielt sie sich zwischenzeitlich die Augen zu.

Am zweiten Verhandlungstag im Totschlag-Prozess gibt es eine Erklärung der Mutter. Sie gesteht die Tat und wirkt gefasster als beim Prozessauftakt.

  • 41-jährige Angeklagte gesteht, ihren Sohn getötet zu haben.
  • Chefarzt: Bilder der Verletzungen passen nicht zu den Schilderungen der Eltern.
  • Angeklagte hatte Angst vor dem Jugendamt.

Rotenburg/Verden – Eine 41 Jahre alte Angeklagte aus Rotenburg hat am Landgericht Verden gestanden, ihren vierjährigen Sohn am 5. November 2020 getötet zu haben. Sie habe befürchtet, dass das Jugendamt ihr das Kind wegnehmen würde. Deshalb sei sie mit dem Jungen aus der Rotenburger Kinderklinik geflüchtet. „Auf einmal stand ich vor der Brücke und dann war mein Sohn nicht mehr auf meinem Arm“, heißt es in einer Erklärung der wegen Totschlags angeklagten Frau.

Wenige Tage vor der Tat habe sie ihrem Sohn „Verbrennungen“ mit heißem Wasser zugefügt. Jedoch versehentlich. Der Junge habe sich in die Hose gemacht und sie ihn abduschen wollen. Dabei habe sie nicht auf die Einstellung der Mischbatterie geachtet und am Anfang die Temperatur nicht bemerkt, schildert die von der Verteidigerin Daniela Post verlesene Einlassung.

Zunächst hätten sie und ihr Mann die Verletzungen mit Creme behandelt. Erst einen oder zwei Tage später seien sie mit dem Jungen in die Klinik gefahren. Die Polizei soll später festgestellt haben, dass das Wasser in der Wohnung mit 73,4 Grad aus dem Hahn kommt.

„Die Bilder der Verletzungen passten aber nicht zu den Schilderungen der Eltern“, sagte der als Zeuge geladene Chefarzt der Kinderklinik. So seien die Füße unverletzt gewesen. „Unsere Einschätzung ging in Richtung Eintauchverletzung“, berichtete der Mediziner. Am Tattag habe er dem Vater des Jungen gesagt, dass das Jugendamt informiert werde. Nachmittags um circa 16 Uhr habe er nochmals mit dem Vater telefoniert. Dieser habe ihm berichtet, dass seine Frau sehr traurig sei und sich erst beruhigen müsse.

Die Bilder der Verletzungen passten aber nicht zu den Schilderungen der Eltern

Chefarzt der Kinderklinik

Laut dem Chefarzt wurden die Angeklagte, die er bis dahin als „liebevoll“ im Umgang mit ihrem Sohn erlebt habe, und der Junge zuletzt um 17.45 Uhr in der Klinik gesehen. Um 18.15 Uhr sei deren Verschwinden bemerkt worden. Grund war laut der Angeklagten die Angst vor dem Jugendamt.

„Ich habe das Jugendamt nicht als Hilfe, sondern als eine Bedrohung angesehen. Sie waren für mich diejenigen, die mir meine Tochter weggenommen haben“, heißt es in der schriftlichen Einlassung. Als die Tochter eineinhalb Jahre alt war, der Junge war noch nicht geboren, habe ihr Ehemann behauptet, dass sie ihre Tochter gewürgt habe. Dies habe sie nicht getan, sei aber nach dem Vorwurf in die Psychiatrie gekommen. Die Tochter sei für zehn Tage vom Jugendamt in Obhut genommen worden.

Hochemotional schildert die von der Verteidigerin verfasste Einlassung, was in der Angeklagten am Tattag vor sich ging. Sie habe nicht mit ansehen wollen, wie das Jugendamt ihren Sohn mitnimmt. „Ich sagte mir permanent, dass ich ohne ihn nicht leben könne und auch, dass er ohne mich nicht leben kann.“

Über eine Feuertreppe habe sie die Klinik verlassen. Und dann habe sie vor der Brücke gestanden. „Der Moment, in dem ich meinen Sohn über das Geländer warf, existiert für mich nicht. Ich kann mich daran überhaupt nicht erinnern“, behauptet die Angeklagte. Dann habe sie versucht, sich selbst das Leben zu nehmen. Falsch sei der in der Anklage erhobene Vorwurf, dass sie ihren Sohn getötet habe, damit er nicht im christlichen Glauben aufwachse. „Das war nie mein Gedanke.“

An diesem zweiten Verhandlungstag wirkte die 41-Jährige deutlich gefasster als beim Prozessauftakt. Als eine Rechtsmedizinerin über die Obduktionsergebnisse berichtete, wurden Bilder des toten Jungen gezeigt. Nicht wie sonst üblich am Richtertisch, sondern Corona-bedingt auf einer Leinwand. Die Angeklagte wandte sich ab und hielt sich eine Hand vor die Augen. Als Todesursache wurde Ertrinken festgestellt. Der Leichnam des Jungen war noch am selben Abend gegen Mitternacht gefunden worden.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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