Torsten Agena hat den Atlantik in beide Richtungen überquert / 12406 Seemeilen zurückgelegt

Wale umrundeten das Boot

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Triumphaler Einlauf in Bremerhaven.

Kirchwalsede - Von Ulf Buschmann. Torsten Agena ist wohl das, was der gemeine Zeitgenosse einen wasser- oder segelverrückten Menschen nennt. Dabei ist der 49-Jährige Lehrer aus dem beschaulichen Kirchwalsede erst spät zu seiner Leidenschaft gekommen: vor einigen Jahren bei einer Klassenfahrt ans beziehungsweise auf dem niederländischen Ijsselmeer. Kaum von dort zurück, machte Torsten Agena seinen Sportbootführerschein und weitere Zertifikate, segelte erst ein bisschen auf der Nordsee – und startete im vergangenen Jahr zu einer Atlantiküberquerung in drei Teilen. Inzwischen ist er zurück. Hinter ihm liegen 12406 Seemeilen.

Mit seiner 11,50 Meter langen Segelyacht vom Typ Konsul 37 sind Torsten Agena und sein Sohn Jonas im Sommer 2014 zu ihrer ersten Etappe aufgebrochen – es ging vom Ijsselmeer nach Poole in England. Und zwar mit einem längeren Zwangsaufenthalt, weil die Überfahrt durch den englischen Kanal doch ziemlich ruppig gewesen war. Nach dem Beheben der Schäden machten sich Vater und Sohn auf nach Madeira. Von dort aus ging es weiter nach Gran Canaria.

Ist das Vorstag weg, geht es auf dem Atlantik nur mit Fußgängergeschwingkeit voran.

Dort ließen sie ihr Boot bis zum 4. Februar zurück und legten erst dann zur großen Atlantiküberquerung nach Barbados ab. „Wir sind (...) bei strömendem Regen gesund und glücklich auf Barbados angekommen. Die Fahrt verlief ohne größere Probleme, dauerte aber mit 28 Tagen ein Woche länger als geplant. Lebensmittel und Trinkwasser hatten wir auch dafür ausreichend an Bord, nur das Obst war nach drei Wochen aufgebraucht“, schreibt Torsten Agena in seinem Tagebuch. Genau 3491 Seemeilen legten die Atlantiksegler zurück. Außer zahlreicher Delfine, die sich um das Boot getummelt hätten, sei im ersten Teil der Fahrt nicht viel geschehen. Dafür ging es im zweiten Teil umso heftiger zu, denn endlich zogen die lang ersehnten Passatwinde auf. Torsten Agena schreibt, dass er und sein Sohn „aber sogleich in eine ausgeprägte Starkwindphase“ gerieten. Die Segler sprechen von „Easterly Wave“. Und: „Diese dauern normalerweise, und so war es später auch, vielleicht einen Tag. Unsere erste dauerte leider sechs Tage und Nächte an. Dementsprechend bauten sich hohe Wellenberge von bis zu sechs Metern auf, die uns ganz schön Respekt einflößten.“

Auch jetzt noch schildert der Wassersportler die Situation sehr anschaulich mit entsprechenden Handbewegungen. „Wenn ich meinen Plotter nicht gehabt hätte, würde es mir sicherlich keiner glauben, dass wir in der Spitze 17,4 Knoten drauf hatten. Das ist schon ganz ordentlich, wenn man bedenkt, dass wir üblicherweise mit 5,5 Knoten fahren“, schüttelt Torsten Agena noch immer etwas ungläubig den Kopf.

Auf Barbados kamen die Deutschen am 4. März an. Von dort aus segelten sie nach St. Lucia, Martinique, Domenica, Guadeloupe und nach Antigua. Ab Guadeloupe stieß Torsten Agenas Ehefrau zu den beiden Seglern. Gerade einmal eine Woche hatte die Familie auf der Insel. Doch das sei entschieden zu wenig, weiß Torsten Agena heute: „Es war viel Erleben, viel Abenteuer und wenig Erholung.“

Torsten Agena mit seinen Flagen: Die französische Trikolore steht für die beiden Inseln Guadeloupe und Martinique, die rechte für Dominica.

„Kurz nach Anfang der dritten Phase (vom 4. März bis 8. Mai, d.A.) zirka 950 Seemeilen vor Barbados verloren wir in der Dunkelheit einen wichtigen Ausrüstungsgegenstand, den Spinnakerbaum. Somit konnten wir entweder das Vorsegel nicht mehr in die richtige Stellung zum Wind bringen oder mussten auf das Großsegel verzichten, damit das Vorsegel gut im Wind stand. Also nur noch ein statt zwei Segel. Dies ging dementsprechend wieder auf die Geschwindigkeit“, schreibt Torsten Agena. Schließlich nahm er am 9. Mai Kurs auf die Heimat. Der führte ihn über die Azoren, wo Torsten Agena zwei weitere Wochen verbrachte. Allerdings war er auf dem Rückweg alleine unterwegs, die Familie hatte sich schon verabschiedet. Die Fachleute sprechen von Einhandsegeln.

„Ich hatte einen Pleiten-, Pech-und Pannenstart: Erst die dritte Bootstankstelle in der zweiten Bucht war in der Lage, mir Diesel zu geben. Nach dem Verlassen der Bucht, zuerst gegen die Atlantikdünung gegenan, um an die Ostseite von Antigua zu kommen, hatte ich einen Tampen in der Schraube, welcher einen Motorausfall bewirkte.

Schon trieb ich ab, der Insel entgegen. Schnell die Segel gesetzt, bekam aber die dringend benötigte Wende nicht hin. (...) Nochmaliger Versuch, den Motor zu starten. Jo, er sprang an. Also wieder gegen die Atlantikdünung ankämpfen. Inzwischen waren acht Stunden vergangen, der Magen knurrte. Endlich hatte ich genügend Höhe erreicht, um die Segel Richtung Nord setzen zu können. Erschöpft ließ ich mich nieder. Nur noch einen Blick nach vorne. Doch was war das? Direkt vor mir zwei Fischernetzbojen. Zu spät um auszuweichen. Knall- und Scharrgeräusche, das Boot halbierte seine Geschwindigkeit, die Küste kam wieder näher“, heißt es in Torsten Agenas Reisebericht.

Doch es ging auf der Fahrt so weiter. 1755 Seemeilen vor Horta, dem Ziel auf den Azoren, verlor Torsten Agena sein Vorstag, das Stahlseil vom Bug zur Mastspitze. Er schreibt: „Somit musste ich den Mast schnellstens provisorisch mit Seilen abspannen (Spifall und Genuafall) und die gesamte Vorsegelanlage herunternehmen. Somit büßte ich knapp 50 Prozent meiner Segelfläche ein.“ Und: „Ein Mastbruch, und somit ein Seenotrettungsfall, drohte ab jetzt die ganze Zeit. Ich konnte als Ersatz nur noch ein Mini-Kuttersegel setzen oder bei achterlichen Winden ein Bilstersegel. Achterliche Winde kamen aber kaum noch. Somit segelte ich 250 Seemeilen Richtung Nord in Fußgängergeschwindigkeit, um aus dem Hoch heraus zu kommen. Danach ging es leidlich. Zum Glück hatte ich genügend Wasser an Bord.“

Entschädigt wurde der Weltenbummler dafür durch die Bekanntschaft mit fliegenden Fischen, vielen Delfinen, unbeschreiblichen Sonnenuntergängen und vor allem den Walen, die ihn auf der Rücktour begleiteten. Zwei Tage lang hätten ihn die Meeressäuger umkreist. Torsten Agena: „Zwei Mal kam einer von ihnen bis auf zirka zehn Meter an mein Boot heran. Ein unglaublich schönes Erlebnis!“

Und was bringt ihm die Segelzukunft? Auf keinen Fall wieder einen derart langen Törn. Vielmehr zieht es Agena wieder aufs Ijsselmeer hinaus – allerdings mit einem größeren Boot. Hintergrund: Er möchte seine Leidenschaft zusammen mit seiner Familie und Freunden genießen. Das alte Boot sei dafür zu klein.

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