Es geht voran

Historischer Torfschuppen im Mega: Umweltbildung zum Anfassen

Der Torfschuppen im Mega
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Der Torfschuppen soll vor Wintereinbruch fertig sein.

Es geht voran im Mitmach- und Erlebnisgarten: Der historische Torfschuppen soll bis zum Wintereinbruch komplett fertiggestellt sein.

Rotenburg – Antje Meyer hält den Spachtel in der Hand und strahlt: „Das macht hier so einen Spaß, großartig ist das.“ Und sie erklärt auch, warum es so viel Spaß macht: „Diese Wand aufzubauen, das ist wie Kuchen backen. Man hat Zutaten, ein Rezept und mischt alles zusammen“ – keine Frage, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Eigentlich ist Meyer im Schuldienst tätig, aber jetzt am Wochenende hilft sie, ein ganz besonderes Projekt des Nabu fertigzustellen: einen historischen und für die Region typischen Torfschuppen.

Einige Meter weiter arbeiten Sabine Jeske und Bernhard Schröder an den Wänden. Die beiden „Urgesteine“ des Nabu sind ebenfalls sichtbar angetan. „Hier sind schon viele Insekten eingezogen“, hat Sabine Jeske beobachtet. Bernhard Schröder ist früher als Zimmerer, Tischler und Architekt unterwegs gewesen. „Diese Torfschuppen gehören hier in die Landschaft, es macht einfach Spaß, das jetzt nochmal zu zeigen“, so der Baufachmann. Alle, die vor Ort aktiv sind, setzen sich indirekt mit der Geschichte der Region auseinander. Und so nebenbei lernen alle auch die ein oder andere handwerkliche Kunstfertigkeit.

Sabine Jeske und Bernhard Schröder bei der Arbeit.

Bei dem gesamten Projekt, das mit vielen ehrenamtlichen Händen aufgebaut wird, geht es um einen neuen und zugleich sehr alten Torfschuppen. Er „wächst“ im Mitmach- und Erlebnisgarten (Mega) am Hartmannshof. „Vor gut einem Jahr haben wir angefangen“, berichtet Nabu-Vorsitzender Roland Meyer. Damals wurde die Baugenehmigung erstellt, schon vorher hatten alle Beteiligten das Projekt vorbereitet. Auch einige Fördergelder wurden akquiriert. Unterstützt wird der Bau durch die Deutsche Postcode-Lotterie, die Stadtwerke Rotenburg, die Stadt Rotenburg, die Rotenburger Werke, weitere Förderer und natürlich durch die Arbeitsleistung sowie durch Eigenmittel des Vereins. „Wir haben schon vor Baubeginn Material gesammelt“, blickt auf die Anfänge der Bauzeit zurück. Der Torfschuppen wird aus Recycling-Material erbaut. Die Ziegelsteine sind durchweg älter als 100 Jahre und nicht maschinell, sondern von Hand hergestellt. Aus insgesamt drei alten Gebäuden wurden sie „gerettet“ und abtransportiert – auch dabei gab es schon eine ganze Reihe von Arbeitseinsätzen für die Helfer.

Für Antje Meyer ist der Aufbau wie Kuchen backen.

Die Dachziegel sind ebenfalls recycelt und handgeformt. „Normalerweise sind die Hohlpfannen rot, durch einen reduzierten Brand wird dem Material Sauerstoff entzogen, und so entsteht die dunkle Färbung“, erklärt Roland Meyer – spätestens an dieser Stelle wird klar, dass man hier sehr viel lernen kann. Es sind viele Kleinigkeiten, die das Haus zu dem machen, was es später sein wird: Zum einen schlicht ein Lager für Werkzeuge und Umweltbildungsmaterialien. Zum anderen ein Stück Kultur und damit ein Stück Heimat – das Gebäude regt an, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Darüber hinaus ist es ein gutes Beispiel, wie sich mit Recycling ein Haus herstellen lässt. Die verwendeten Materialien wurden in Anlehnung an ihr „erstes Leben“ eingesetzt: Die Treppe ist eine Treppe geblieben, die Bodenplatten wurden auf dem Boden verlegt, die Dachpfannen sind Dachpfannen.

Gar nicht historisch: das Werkzeug und die Maschinen.

Nicht zuletzt aber dient das Projekt auch der Auseinandersetzung mit dem Klimaschutz, der Pflege von Biotopen und dem Erhalt der Moore. „Der Schuppen steht hier sehr prominent, die Menschen sehen ihn und kommen mit uns ins Gespräch“, so Meyer. Dabei entsteht immer wieder die Gelegenheit, diese Besucher auch auf die nahen Moore hinzuweisen. „Ein effektiver Klimaschutz ist ohne den Schutz der Moore kaum zu machen. Über diese wirklich wichtigen Zusammenhänge wollen wir informieren“, erläutert der Nabu-Vorsitzende weiter. Noch vor dem Winter soll das Bauprojekt fertiggestellt werden, eine offizielle Einweihung gibt es dann im kommenden Frühjahr. Bewundern darf man das Gebäude allerdings jetzt schon.

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