Till Petersen verarbeitet den Schrecken von Auschwitz fotografisch

„Das ist zu wichtig“

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Eine der Aufnahmen aus Auschwitz, die in der Ausstellung zu sehen sind.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Zwei Eichenschüler verarbeiten die Schrecken von Auschwitz in der Rotenburger Cohn-Scheune auf ihre Weise. Die eine, Iris Kamil, begibt sich textlich auf die Spuren ihrer familiären Vergangenheit, der andere, Till Petersen, fotografiert. Vor der am Mittwoch kommender Woche beginnenden Ausstellung, 71 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers, haben wir mit dem 17-jährigen Schüler gesprochen.

Mit welcher Intention sind Sie an den Besuch in Auschwitz herangegangen – hatten Sie von Anfang an vor, eine Dokumentation zu erstellen?

Till Petersen: Vorher habe ich gedacht: Eine Studienfahrt nach Krakau und Auschwitz: Da komme ich wohl als Schüler nicht so schnell wieder hin. Und weil es mein Hobby ist, habe ich halt meine Kamera mitgenommen. Während des Besuchs hat sich herausgestellt, dass das Fotografieren für mich eine Art der Verarbeitung war; eine Weisen, sich das alles dort besser vorzustellen.

Lenkt der Blick durch die Linse nicht eher von Inhalten ab?

Petersen: Wir hatten eine Führung, bei der uns viel erzählt wurde. Und ich kenne Filmaufnahmen, Reportagen. Für mich hat der Blick durch die Kamera es einfacher gemacht, mir vorzustellen, was da Schreckliches passiert ist. Weil es mein eigener Blick ist, den ich in meinen Bildern festgehalten habe. Später beim Sichten der Bilder sind mir noch einmal Dinge aufgefallen, die mir während des Besuchs entgangen waren. Man konnte sich im Nachhinein nochmal besser damit befassen, und es war ein Stück weit einfacher, damit klar zu kommen.

Ihre Bilder zeigen vor allem leere Flächen, Fluchten, viele Totalen – haben Sie sich bewusst Schwerpunkte gesetzt?

Petersen: Ich wollte den Blickwinkel festhalten, wie ich ihn in dem Moment hatte. Deshalb habe ich auch ausschließlich mit einer 50er-Festbrennweite gearbeitet, die dem menschlichen Blick ja am ehesten entspricht. Deshalb habe ich mich auf Totalaufnahmen beschränkt.

Gab es auch Aufnahmen, die sich für Sie aus Pietät verboten haben, wo Sie eine Schere im Kopf hatten?

Petersen: Von den Haaren hab ich keine Fotos gemacht – das war zu heftig, weil das ja direkt menschliche Überreste sind. Ein weiterer kritischer Punkt waren auch die Koffer, weil da Name, Geburtsdatum und Herkunftsort drauf standen.

Bei der Bearbeitung haben Sie sich für Schwarz-Weiß entschieden – warum?

Petersen: Wir waren an einem wunderschönen Herbst da, der Himmel war kein Stück bedeckt und es lagen überall eingefärbte Blätter rum. Schon in dem Moment habe ich mir gedacht: Das passt einfach nicht zusammen, die wunderschönen Herbstfarben und dieser Ort. Das war ein starker Kontrast, den man da hatte. In der Nachbearbeitung ist mir aufgefallen, dass die Farben vom wesentlichen Thema ablenken.

Was würden Sie sich wünschen, was die Zuschauer Ihrer Bilder mitnehmen?

Petersen: Den Eindruck, begreiflich zu machen, was Auschwitz für eine Dimension hat. Das darzustellen, war auch eins meiner Ziele.

Wie wichtig ist für Sie, dass die Bilder den Rahmen der Schule verlassen?

Petersen: Man bekommt von dem Thema sonst nicht so viel mit – ich wusste, bevor ich mich mit der Cohn-Scheune beschäftigt habe, wusste ich gar nicht, dass wir hier ein jüdisches Museum haben. Das Thema ist zu wichtig, um in Vergessenheit zu geraten. Und es ist mir wichtig zu zeigen, dass auch in der dritten Generation das Interesse am Gedenken besteht.

Die fotografische und textliche Spurensuche ist bis Mitte Februar jeweils mittwochs und sonntags zwischen 14 und 18 Uhr zu sehen; am 27. Januar werden die beiden jungen Künstler ab 16 Uhr für Fragen zur Verfügung stehen.

Zur Person

Eichenschüler Till Petersen fotografiert seit 2010, zunächst mit einer Bridgekamera. Später jobbte er, um sich seine erste Vollformatkamera kaufen zu können. Mit der dokumentierte er auch die Stufenfahrt einiger Geschichts-Leistungskurse im Oktober nach Auschwitz. Neben Schulkonzerten und Festivals wie dem Oakfield hat der 17-Jährige aus Kalbe bei Sittensen seinen Schwerpunkt auf Landschaftsfotografie gelegt.

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