Finanzielle Rücklagen erschöpft

Tierheim Mulmshorn verhängt Aufnahmestopp

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Im Rotenburger Tierheim herrscht Katerstimmung.

Mulmshorn - Von Matthias Röhrs. Das Rotenburger Tierheim in Mulmshorn hat einen Aufnahmestopp ausgesprochen. Wie der Tierschutzverein für den Landkreis Rotenburg am Donnerstag mitteilte, wird er ab sofort keine Fundtiere mehr annehmen. Er braucht Geld, schon seit Jahren greife man auf Rücklagen zurück, um die Kosten zu decken, heißt es. Dieser Topf sei mittlerweile ausgeschöpft. Schuld haben laut der Vereinsvorsitzenden Regina Buchhop die Kommunen.

Dem Verein droht eigener Aussage nach die Zahlungsunfähigkeit. Bis zu 150.000 Euro pro Jahr nimmt er sich aus seinen Rücklagen. Geld, das aus Spenden kommt und eigentlich für den Tierschutz bestimmt ist, nicht aber für die Aufnahme, so Buchhop. Das Geld hierfür müssten die Kommunen zahlen, da der Tierschutzverein die „Fundsachenbetreuung Tier“ vertraglich für sie übernommen hat. Für sechs Monate nach der Aufnahme müssen die Gemeinden für Futter, Betrieb, Tierärzte und Personal aufkommen, sie zahlen aber laut Buchhop nur für 30 Tage. „Sie reißen uns seit Jahren ins Minus.“

Der Tierschutzverein geht in die Offensive. In einem Facebook-Posting hat er mit der Ankündigung des „absoluten Aufnahmestopps“ seine Kontostände offengelegt: Rund 5 300 Euro liegen demzufolge noch auf dem Hauptkonto, auf dem Nebenkonto gibt es knapp 5 000 Euro an Spendengeldern, zudem musste der Verein das sogenannte Bausteine-Konto beleihen. Dieses Geld muss er allerdings bald wieder zurückzahlen, da die dort liegenden Spenden an den geplanten Tierheimneubau gebunden sind. Zudem gibt es alle halbe Jahre 30 000 Euro von einem Immobilienfonds, das nächste Mal am 1. Juli, danach am 1. Januar 2018. Wenn es überhaupt noch soweit kommt: „Mit den Kontoständen halten wir nicht durch“, sagt Buchhop. Sie glaubt nicht, Stand jetzt bis zum Jahresende bestehen zu können. Eineinhalb bis dreitausend Euro muss der Verein monatlich für die Tiere aufbringen, dazu 90 000 Euro jährlich an Personalkosten, außerdem die Nebenkosten. Bis auf die Futtervorräte, so der Verein bei Facebook, sind die Betriebskosten zurzeit nicht mehr gedeckt.

Regina Buchhop

Mit dem Aufnahmestopp setzt der Tierschutzverein die Kommunen unter Druck, „endlich ihrer Pflicht nachzukommen“, wie es Buchhop ausdrückt. Nun sind es die Fundbüros, die die Tiere aufnehmen müssen – theoretisch. „Solange, bis sich die Gemeinden zur Zahlung entschließen“, so die Vorsitzende, die ein Ende des Aufnahmestopps damit offenlässt. „Das ist keine Erpressung, aber wo sollen wir sonst das Geld hernehmen?“ Mindestens rückwirkend zum 1. Januar 2017 möchten sie und der Verein das ihm ihrer Meinung nach zustehende Geld bekommen. Mit acht Hunden und 60 Katzen – überwiegend Fundtiere – sei das Heim an seine Grenzen gelangt, Kapazitäten für Tierschutzarbeit gebe es keine mehr.

Im Rotenburger Rathaus verweist man indes auf einen Beschluss, den der Stadtrat im vergangenen Jahr gefasst hat. Demzufolge hat er die Zahlungen zum 1. Januar 2017 für Fundtiere von 30 auf 182 Tage ausgeweitet, so Ordnungsamtsleiter Frank Rütter – pro Tag 13 Euro für Hunde, elf für Katzen. Ein Problem sei allerdings die langsame quartalsweise Abrechnung seitens des Vereins. Die jüngste erfolgte demnach zum 31. Dezember vergangenen Jahres, das Geld für die ersten drei Monate 2017 sei noch nicht eingefordert worden. „Acht- bis neuntausend Euro liegen hier gerade brach“, sagt Rütter, „das würde das Problem zwar nicht lösen, aber zumindest lindern.“

Seit Jahrzehnten muss „gebettelt“ werden

Schon seit Jahrzehnten, so Buchhop, würde der Verein schon bei den Kommunen im Südkreis Rotenburg um seine Mittel „betteln“ müssen. Gesprächsansätze seien immer wieder im Sande verlaufen. Mit dem ehemaligen Rotenburger Bürgermeister Detlef Eichinger (parteilos) sei man bereits auf einem guten Weg gewesen, sein Nachfolger Andreas Weber (SPD) habe aber mehr Transparenz in der Buchführung des Vereins gefordert. Nachdem der Verein diese „weiter aufgeschlüsselt“ habe, „ruhe der See“. Rütter weist das zurück: Regelmäßig würde es Gespräche zwischen allen Beteiligten geben.

Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel (parteilos), verweist auf verschiedene Perspektiven in der Sache. „Wir zahlen, was vereinbart ist“, sagt er, das habe damals der Tierschutz auch als ausreichend erachtet. Dementsprechend ist er erstaunt über den Aufnahmestopp. Dabei glaubt er, dass die Kommunen durchaus bereit seien, mehr Geld zur Verfügung stellen, wenn dies nachweislich erforderlich ist. Dafür brauche es allerdings verlässliche Zahlen, Kalkulation und vor allem eine Absprache mit allen Gemeinden.

Erstaunt war man laut Rütter auch in der Kreisstadt, wenn auch mehr über die Art und Weise der überraschenden Ankündigung in einem sozialen Netzwerk. „Man hat uns das vor die Füße geworfen“, sagt er. Er will nun klären, ob mit der Ankündigung eine einseitige Kündigung des Vertrages einher geht. Grundsätzlich sei man gesprächsbereit, angesichts des Aufnahmestopps müsse man sich anderweitig umgucken.

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