Rotenburg in Corona-Warnstufe 2

Testzentren in der Region haben kaum noch Kapazitäten

Mitarbeiter im Testzentrum
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Wer derzeit nach einem Termin in einem Testzentrum sucht, geht meistens leer aus. Und nun folgen auch noch die „2G+“-Regeln mit Testpflichten für Geimpfte.

Ab Mittwoch gilt auch im Landkreis Rotenburg die zweite Corona-Warnstufe. In den meisten öffentlichen Bereichen müssen nun auch Geimpfte und Genesene negative Coronatests vorweisen. Aber so einfach ist das gar nicht: Die Kapazitäten der Testzentren vor Ort sind ausgeschöpft.

Rotenburg – Geimpft oder genesen reicht nicht mehr aus. Wer ab Mittwoch im Landkreis zum Friseur will, muss negativ getestet sein. Wer ins Restaurant will, muss neben dem Genesenen- oder Impfzertifikat eine Bescheinigung über einen Schnelltest haben. „2G+“ wird zum Standard für viele Bereiche öffentlichen Lebens zumindest für Erwachsene, bis hin zur Kabine auf dem Sportplatz. Also: Testen lassen, bevor man irgendwo hin will.

Aber so einfach ist das nicht. Schon mit der „erweiterten 3G-Regel“ seit Anfang November und der ersten Warnstufe seit der vergangenen Woche in ganz Niedersachsen sind die Testpflichten insbesondere für Ungeimpfte verstärkt worden. Nun gilt das für alle, unabhängig vom Impfstatus. Da jedoch viele Apotheken ihre Test-Kapazitäten zuletzt wieder heruntergefahren haben und kommerzielle Anbieter spätestens mit dem vorübergehenden Ende der kostenlosen Bürgertests im Sommer abgezogen sind, gibt es aktuell kaum Termine. „Wir schaffen es nicht, es ist zu viel“, sagt Ulrike Borgas von der Alten Apotheke in Rotenburg. „Es sprengt alle Dimensionen.“

Zwei weitere Testzentren in Rotenburg

Ihr Kollege René Große stimmt umgehend zu. Schon in der vergangenen Woche habe sein Testzentrum in der Rotenburger Fußgängerzone das Vierfache an Kunden verbucht. War es lange ruhig, sind die Schlangen vor dem Eingang wieder lang. Große weiß um die Notwendigkeit, wieder mehr Testmöglichkeiten anzubieten: „Wir rüsten massiv auf.“ Das zuletzt ungenutzte Testzentrum im Rathaus werde genau wie das an der Verdener Straße im Laufe dieser Woche wieder öffnen. Notwendig sei es aber, dass die Tests über das Onlineformular gebucht werden: „Was leider gar nicht geht, sind die unangemeldeten Spontanbesuche. Die können wir bei dem Andrang zurzeit nicht mehr abbilden.“ Wer derzeit versucht, die Apotheker telefonisch für eine Terminvereinbarung zu erreichen, hängt meist in Warteschleifen. In Scheeßel heißt es am Montag auf Nachfrage bei Hans-Erik Meyer von der Beeke-Apotheke: keine Zeit für Auskünfte. Über das eigene Onlineportal des gemeinschaftlich betriebenen Testzentrums an der Harburger Straße sind allerdings für die kommenden Tage noch einige wenige Termine frei.

2G+ kommt: Rotenburg weiter über 100

Vermutlich flächendeckend gilt im gesamten Land Niedersachsen ab Mittwoch die zweite Corona-Warnstufe. Eine Woche, nachdem landesweit Warnstufe 1 ausgerufen worden ist, greifen damit noch deutlich strengere Regeln für Ungeimpfte, aber auch Genesene und Geimpfte müssen in vielen öffentlichen Bereichen zusätzlich negative Testergebnisse vorlegen. Da die Apotheken und Testzentren in der Region kaum Kapazitäten haben oder diese erst wieder ausbauen müssen, gleichen die Regelungen in gewisser Weise einem Lockdown. Die maßgebliche Hospitalisierungsinzidenz hat in Niedersachsen am Montag den fünften Tag in Folge im Bereich der Warnstufe 2 gelegen. Da der Landkreis zudem seit längerer Zeit konstant über einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 Corona-Neuinfektionen bezogen auf 100.000 Einwohner liegt, greift hier die nächste Stufe automatisch ab Mittwoch. Übers Wochenende hat das Gesundheitsamt im Landkreis 38 neue Coronafälle gezählt. Damit gab es am Montag 429 Infizierte, von denen sich fünf in stationärer Behandlung befanden. Das Robert-Koch-Institut meldete zwei Covid-Patienten, die derzeit im Landkreis Rotenburg auf einer Intensivstation behandelt werden. Regional gesehen gibt es aktuell mit 70 in Sottrum die meisten Fälle. In Rotenburg waren es am Montag 69. Kreisweit befanden sich 153 Kontaktpersonen in Quarantäne.

Nicht anders in Sottrum. „Wir werden überrannt, gerade Mittwoch und Donnerstag in der vergangenen Woche war das so“, sagt Annette Katenkamp von der St.-Georg-Apotheke, die dort das Testzentrum betreibt. „Unsere Kapazitäten reichen hinten und vorne nicht. Wir sind an sich ausgebucht.“ Nach dem großen Ansturm in der vergangenen Woche habe es sich jetzt zumindest einigermaßen eingependelt – dank der erhöhten Testkapazitäten in Rotenburg, vermutet Katenkamp.

Aktuell ist ihr Test-Team mit sieben Mitarbeitern bestückt, ein Student wird gerade angelernt, auf ihrer Internetseite sucht die Apotheke nach weiteren Helfern. „Fünf Mitarbeiter sind dann noch in den beiden Apotheken – denn die Versorgung der Menschen mit Medikamenten ist ja eigentlich unsere Hauptaufgabe.“ Aus Katenkamps Sicht ärgerlich ist auch, dass manche einfach Termine blocken, „und dann tauchen sie nicht auf“. Sie sieht zwar die „2G+“-Regelung als sinnvoll an, „wir brauchen aber mehr Möglichkeiten zu testen“, macht sie deutlich. „Wir haben ein tolles Test-Team hier, aber wir machen bis zu 120 Testungen pro Tag und schwenken hier schon ein bisschen die weiße Fahne.“ Denn das Problem: „Der Druck auf die Ungeimpften wird größer, aber dieser Druck wird an uns weitergegeben. Ich kann daher nur appellieren, sich solidarisch zu zeigen und sich impfen zu lassen“, betont Katenkamp. „Was spricht denn gegen eine Impfpflicht?“

Viele lassen Termin verfallen

René Große ist in Rotenburg bereits dazu übergegangen, die Buchungsmöglichkeiten auf seinem Portal auf sechs Tage im Voraus zu beschränken. „Einige der Ungeimpften buchen uns sonst mit sechs Terminen jede Woche alles zu. Also lohnt es sich, mehrmals zu schauen, auch wenn mal alles voll ist“, rät er. Ärgerlich sei, dass zehn bis 15 Prozent der gebuchten Termine gar nicht wahrgenommen werden. Dabei gebe es ganz einfach Stornierungsoptionen online. Nur: „Es kostet ja nix.“ Da sei die Bereitschaft für ein paar Klicks doch allzu oft nicht besonders ausgeprägt.

Der Landkreis plant selbst nicht, eigene Testmöglichkeiten zu schaffen. Das betont Sprecherin Christine Huchzermeier. Aber es gibt beim Gesundheitsamt Anfragen für entsprechende Genehmigungen. Relativ kurzfristig werde man diese erteilen können, sagt sie. Darauf hoffen auch die Apotheker selbst, die den Großteil der Testungen neben den Arztpraxen vornehmen. Auch unter Aufsicht am Arbeitsplatz durchgeführte und bescheinigte Negativtestungen können verwendet werden. Die generelle Testpflicht bei Anwendung der „2G+“-Regel gilt nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Diese Ausnahmen sind bis zum 31. Dezember befristet.

Aktuell keine Testzentren in Bothel und Visselhövede

In der Samtgemeinde Bothel gibt es laut Aussage von Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle aktuell keine Testmöglichkeiten. „Wir sind zu nahe an Rotenburg, sodass unsere Einwohner bisher den dortigen Service in Anspruch genommen haben“, sagt Eberle, nicht ohne noch einmal an all seine Mitbürger zu appellieren, sich impfen zu lassen. Auch in Visselhövede ist Fehlanzeige was das Testen angeht. Die beiden Apotheken bieten den Service aktuell nicht an. „Aber wir sind fieberhaft dabei, ein Testzentrum in den nächsten Tagen auf die Beine zu stellen“, so Bürgermeister Ralf Goebel. Der ist „zurzeit in entscheidenden Gesprächen.“ Allerdings müssten die Genehmigungen durch die Behörden oder Apothekerkammern noch eintreffen. „Räumlichkeiten an der Goethestraße haben wir bereits ausgeguckt“, so Goebel.

Apotheker Große sagt, dass „2G+“ im Prinzip „faktisch einem Lockdown“ gleichkomme, auch wenn die Politik das nicht so offen sage: „Damit alles normal weiterlaufen könnte, müssten wir jeden Menschen jeden Tag testen. Bedeutet: 23 000 Rotenburger plus umzu müssten jeden Tag zum Test. Sie können sich vorstellen, das ist, auch mit noch 20 weiteren Teststellen, nicht zu leisten.“

Die Testcenter in der Region

In aller Regel sind es Apotheken, die in der Region zusätzlich zu Praxen Corona-Schnelltests anbieten. Das Angebot wird in den kommenden Tagen aufgrund der „2G+“-Regeln vermutlich deutlich ausgeweitet.

Rotenburg

-Alte Apotheke, Goethestraße 12, 04261/2254, alte-apotheke-row@web.de, Termine hier sind allerdings „langfristig ausgebucht“, wie es heißt;

-Apotheke Große, 04261/4591, Terminbuchungen online über die Seite www.apotheke-grosse.de;

Sottrum

-St. Georg Apotheke, Kirchstraße 8-10, 04264/83230, www.stgeorg-apotheke-sottrum.de;

Scheeßel

-Beeke Apotheke, Harburger Str. 2, 04263/ 985270, www.apotheken-hoch-drei-scheessel.de.

In Bothel, Fintel und Visselhövede gibt es aktuell keine Testzentren. Der Landkreis pflegt eine Übersichtsliste zu Testmöglichkeiten auf www.lk-row.de/corona.

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