Menschen mit Behinderung stellen Fragen

Inklusiver Test für Rotenburger Bürgermeisterkandidaten

Martin Schwarz-Lübben, Maren Bowe-Bömeke, Mariska Jaletzky und Ole Asmussen.
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Unterstützen Menschen mit Behinderung bei der Kommunalwahl: Martin Schwarz-Lübben (v.l.), Maren Bowe-Bömeke, Mariska Jaletzky und Ole Asmussen.

Auch Menschen mit Behinderungen dürfen wählen. Ein Gemeinschaftsprojekt hilft in Rotenburg dabei, sich entscheiden zu können.

Rotenburg – Viele Bewohner der Rotenburger Werke und der Lebenshilfe Rotenburg fragen sich: Wer macht am 12. September das Rennen bei der Wahl zum neuen Bürgermeister der Stadt Rotenburg? Wird es CDU-Kandidat Frank Holle oder Polizeichef Torsten Oestmann, der zwar von den Grünen, Volt und der SPD unterstützt wird, aber selbst keiner Partei angehört?

Damit den Menschen mit Behinderung die Entscheidung leichter fällt, wem sie mit einem Kreuz ihre Stimme geben, haben sich das Beratungszentrum der Rotenburger Werke, das Café Kubus der Gesellschaft für soziale Hilfen (Geso) und die Offenen Hilfen der Lebenshilfe Rotenburg-Verden zusammengetan.

„Es gibt politisch Interessierte und Politik-Muffel“

Sie haben beiden Politikern die Möglichkeit gegeben, Rede und Antwort zu stehen. Die Menschen in den Einrichtungen hatten Gelegenheit, die Frage zu stellen, die ihnen auf den Nägeln brennen. Mariska Jaletzky und Martin Schwarz-Lübben (Offene Hilfen der Lebenshilfe), Maren Bowe-Bömeke (Café Kubus der Geso) und Ole Asmussen vom Beratungszentrum der Rotenburger Werke sammelten die eingereichten Fragen und leiteten diese an die beiden Kandidaten weiter.

Die Bewohner wollten unter anderem wissen, warum Torsten Oestmann und Frank Holle Bürgermeister werden wollen, was sie sich im Falle eines Wahlsieges für die ersten 100 Tage im Amt vorgenommen haben und was sie im Freizeitbereich für Menschen mit Handicap verbessern wollen. „Die Menschen in den Rotenburger Werken verhalten sich in politischen Zeiten genauso wie die gesamte Bevölkerung: Es gibt politisch Interessierte und Politik-Muffel“, berichtet Sprecher Henrik Pröhl. Dazu gebe es jene, die weder bereit noch in der Lage sind, das Thema überhaupt zu erfassen.

Kanal 11 bietet Hilfe

Aufgabe des Betreuungspersonals in den Wohngemeinschaften könne die Vermittlung des Themas sein, doch dies funktioniere nur dann, wenn dafür die nötige Zeit zur Verfügung steht. „Es gibt Wohngemeinschaften, in denen Mitarbeitende Aufklärung leisten und ihre Bewohner zum Wahlbüro begleiten“, sagt Friedhelm Sager, Geschäftsfeldleiter Wohnen. „Dort sind Wahlhelfer, die beim Ankreuzen unterstützen.“

Zum Glück gebe es aber auch den Fernsehsender Kanal 11, der seit vielen Jahren jede Wahl und ihre Kandidaten sehr genau verfolgt und beobachtet. Ob Landrats- oder Bürgermeister-Kandidaten, alle gaben und geben sich die Klinke des Studios am Grünen Tor in die Hand, waren und sind beliebte Gäste. „Wir klären auf und zeigen den Menschen, die hinter den Kandidaten zu sehen sind“, sagt Hilmer Drögemüller, Miterfinder von Kanal 11. Die Live-Situation lasse es zu, dass Zuschauer direkt im Studio anrufen können, um selber Fragen zu stellen.

Wählen ist ein demokratisches Grundrecht, das jedem Menschen, ob behindert oder nicht, im Rahmen einer inklusiven Gesellschaft zusteht.

Ordnungsamtsleiter Thorsten Schiemann

Neu ist zudem das Fernseh-Format „Sag bloß!?“ der Rotenburger Werke, das auch über Youtube und Facebook zu empfangen ist. „Auch diese Sendung wird sich dem Thema Wahlen widmen“, kündigt Henrik Pröhl an. Sie werde aufzeigen, wie Wahlen funktionieren und was jeder Wahlberechtigte tun muss. Fast alle Bewohner der Werke können wählen gehen, nicht alle seien jedoch in der Lage, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. „Viele haben einen sehr hohen Assistenzbedarf oder sind anderweitig nicht in der Lage, sich der Thematik zu widmen“, erklärt Friedhelm Sager.

Ordnungsamtsleiter Thorsten Schiemann klärt auf: „Wählen ist ein demokratisches Grundrecht, das jedem Menschen, ob behindert oder nicht, im Rahmen einer inklusiven Gesellschaft zusteht.“

Neben den Sendungen gibt es bei den Werken auch „Cabito“, den Computer-Bildschirm mit Touchscreen in mehreren Häusern. „Er bietet allen Menschen, die nicht lesen können, einen großen Pool an Infos. Neben dem täglichen Mittagsmenü und der Wettervorhersage kann auch Wissenswertes über Nachrichten und Wahlen jederzeit abgerufen werden“, so Pröhl.

Die Menschen der Rotenburger Werke seien also auf Politik vorbereitet, es sei jedoch an vielen Stellen auch eine Frage von Motivation und Machbarkeit.

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