Gerd König will direkt am Flugplatz Flächen ankaufen

Technologiepark im Anflug

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Gerd König (l.) will investieren, Achim Figgen freut das.

Rotenburg - Der Flugplatz ist ein wichtiger Teil der Rotenburger Infrastruktur. Das sagt Gerd König. Und er ist sich sicher: „Wenn wir ihn erhalten wollen, dann müssen wir etwas anstellen.“ Genau das hat der 54-jährige Bremer vor.

Problem: Das 84 Hektar große Areal selbst bietet keine großartigen Möglichkeiten zur weiteren Ansiedlung flugaffiner Unternehmen – dafür aber das angrenzende Gewerbegebiet Hohenesch. Mit eben dieser Absicht im Kopf hat König genau dort ein Auge auf ein 14.000 Quadratmeter großes Grundstück am südwestlichen Zipfel des Flugplatzes geworfen. Er will es kaufen und darauf den „Technologiepark Flugplatz Rotenburg“ entstehen lassen. Der Verkauf sollte eigentlich am Donnerstagabend Thema im Rotenburger Stadtrat sein. Am vergangenen Mittwoch allerdings hat der Verwaltungsausschuss entschieden, ihn noch einmal von der Tagesordnung zu nehmen. Die Fraktionen sehen noch Informationsbedarf – der soll in einer vertraulichen, interfraktionellen Sitzung innerhalb der kommenden drei Wochen gedeckt werden. Die Ratssitzung fällt daher aus – weitere Themen waren nämlich nicht vorgesehen.

Das Konzept, das dem Vorhaben von Gerd König zugrunde liegt, hält die Stadt unter Verschluss. Der Initiator spricht losgelöst davon dennoch mit der Kreiszeitung über sein Vorhaben. Und er beteuert: „Es geht nicht darum, die Zahl der Flugbewegungen zu erhöhen, sondern mir geht es um eine qualitative Verbesserung.“ Seit 1983 ist der Bremer Berufspilot Mitglied im MSC Rotenburg. Er ist hier als Fluglehrer und Prüfer in der Vereinsflugschule tätig. König: „Seit ich kriechen konnte, wollte ich fliegen. Das Fliegen ist meine Welt, das Fliegen ist mein Leben.“

Mit am Tisch nimmt Achim Figgen Platz. Der Geschäftsführer der Flugplatz GmbH – eine hundertprozentige Tochter der Stadtwerke Rotenburg – begrüßt die Idee und das Vorhaben Königs: „Das Projekt kann helfen, die Wertigkeit des Flugplatzes zu sichern und zu stabilisieren.“ Figgen und König haben im Vorfeld oft schon über die Möglichkeiten gesprochen, einen Technologiepark am Flugplatz entstehen zu lassen, und beide halten es für ganz wichtig, den Plan in Zusammenarbeit mit der Stadt Rotenburg zu realisieren. Schon seit längerer Zeit gebe es Gespräche darüber.

Was steckt hinter dem Technologiepark? Es geht um die Ansiedlung luftfahrtaffiner Gewerbe, die hierfür einen unmittelbaren Zugang zum Flugplatz benötigen. Zum „luftfahrtaffinen“ Gewerbe gehören Unternehmen aus den Bereichen Entwicklung, Produktion, Instandhaltung, Aus- und Umrüstung und Vertrieb von Luftfahrzeugen beziehungsweise von Luft- und Raumfahrtkomponenten sowie auch Forschungs- und Testeinrichtungen aus der Luft- und Raumfahrt. König ist mit mehreren Investoren in Verhandlungen, die sich dort ansiedeln möchten.

Da es bezüglich der Umsetzung der einzelnen Projekte unterschiedliche Vorstellungen bezüglich der Größe, des Zeitfensters für die Umsetzung, Kauf oder Miete gibt und die einzelnen Flächen dann gemeinschaftlich erschlossen werden sollen, soll für die Organisation und Entwicklung eine Gesellschaft gegründet werden, die die Flächen ankauft, intern erschließt und später eventuell weiterverkauft oder vermietet. „Es geht um eine Kommanditgesellschaft“, sagt der Investor. Diese vermarkte das Grundstück und betreibe die Gemeinschaftsflächen. Problem: Die vom Rat der Stadt für das Gewerbegebiet beschlossenen Verkaufsbedingungen sehen vor, dass die Grundstücke innerhalb eines Zeitraumes von drei Jahren bebaut werden müssen, eigengewerblich genutzt und nicht unbebaut weiterverkauft werden dürfen. Für König ist aber eine andere Reihenfolge in der Entwicklung erforderlich. Er benötigt einen längeren Zeitraum für die Realisierung des Projektes, die Möglichkeit der Weiterveräußerung von unbebauten Flächen sowie auch eine Vermietung von Hallenflächen unter Umständen auch zeitlich begrenzt an nicht luftfahrtaffine Betriebe. Darüber hinaus möchte er die westlich angrenzenden Flächen für eine Erweiterung des „Technologieparks“ reservieren. Dies sei aus Sicht der Stadt auch grundsätzlich zu befürworten, sollte aber zeitlich begrenzt werden, weil die Stadt leider nur noch über wenige freie Restflächen im Gewerbegebiet verfüge. „Wir brauchen zunächst die Infrastruktur, die die Betriebe anlockt“, sagt König. Insofern sei Vertrauen ihm gegenüber eine Voraussetzung, denn er könne jetzt noch nicht sagen, wer genau dabei und wie groß dann der jeweilige Bedarf ist. Interessenten habe er schon mehrere, so König. Hinsichtlich der Reservefläche benötige er eine Zusage für die Dauer von drei bis fünf Jahren. Er selbst plant eine Art Mehrzweckhalle für Vorhaben und Projekte, für die sich auf dem Flugplatz keine geeignete Struktur findet.

„Herr Dr. König braucht für sein Vorhaben eine gewisse Planungssicherheit, die wollen wir ihm geben“, versichert Bürgermeister Andreas Weber (SPD). Der Bürgermeister: „Wir haben immer gesagt, dass wir Reservierungen von Expansionsflächen vornehmen für unsere größten unternehmerischen Player in der Stadt. Solange hier keine anderen Interessenten sind, können wir dieses auch zusichern.“ Mit Blick auf die qualitative Aufwertung unterstreicht Weber, dass man dem Flugplatz eine Entwicklungschance geben müsse. „Hierbei geht es um eine qualitative Aufwertung und gleichzeitig Reduzierung von Fluglärm. Ich arbeite seit fünf Jahren intensiv daran, dass der Flugplatz eine gute Geschäftsleitung hat und in einem geschäftlich sicheren Fahrwasser ist. Denn der Flugplatz ist ein wichtiger Standortfaktor für Rotenburg, den wir unbedingt erhalten und qualitativ aufwerten müssen.“ Das sei in den Jahren vor der Übernahme durch die Stadtwerke in der gewünschten Form nicht der Fall gewesen.

„Jetzt geht es mit der Infrastruktur wieder bergauf, sodass vor Ort unter den Betreibern und Nutzern eine gute Stimmung ist, die wir vorher vermisst haben“, sagt Weber. Und: Zwischen dem Projektplaner und der Stadt gebe es keine inhaltlichen Differenzen. Da aber noch Erörterungsbedarf in der Politik vorhanden sei, „werden wir noch eine interfraktionelle Sitzung durchführen, bevor über die Verkaufsbedingungen endgültig im Rat entschieden wird“.

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