Tausende sind beim Rotenburger Straßenzirkusfestival „La Strada“ auf den Beinen

Die Kreisstadt steht Kopf

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Die Gruppe Blaumeier zog mit ihrer Schweinebande die Blicke auf sich.

Rotenburg - Von Lars Warnecke. Allerorts ist Lachen zu hören. Applaus schallt durch die Straßen, die Sonne scheint, Menschen sitzen gut gelaunt in Cafés, flanieren durch die Stadt. Nein, das ist keine Szene aus einem Urlaubsort irgendwo am Mittelmeer, sondern aus dem sommerlichen Rotenburg.

Das siebte Straßenzirkusfestival „La Strada unterwegs“ brachte am Wochenende mediterranes Flair in die Innenstadt.Zwei Tage lang öffneten sich auf dem Pferdemarkt und Kirchhof, am Heimathaus und in der Fußgängerzone die imaginären Vorhänge – und das wie immer umsonst und draußen.

„Die stellen Dinge an, die nicht jeder kann und sind sehr lustig“, bringt es die elfjährige Melina auf den Punkt. Die – das sind mehr als ein Dutzend Gaukler, Artisten und Komiker, die mit knapp 50 Auftritten die Rotenburger City in eine Kleinkunst-Arena verwandelten, und bei weitem nicht nur die junge Rotenburgerin zum Staunen und Lachen brachten. So zählten die Veranstalter – neben der Stadt und der Kulturinitiative Rotenburg (Kir) gehört ebenso die Agentur Zweifellos dazu – auch in diesem Jahr wieder Tausende Besucher.

Manch einer, der nur kurz etwas in der Innenstadt zu erledigen hatte, blieb fasziniert stehen. Andere steuerten ganz gezielt die Pflasterbühnen an, um sich das Festival nicht entgehen zu lassen. Vor allem die Kinder bekamen einfach nicht genug.

Ebenso Sonja Holsten aus Rotenburg. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten ist sie schon das dritte Mal beim Kleinkunstfestival dabei und sie beobachtet fasziniert, „wie die Artisten auf das Publikum zugehen“. Manfred Bavendiek aus Verden findet es toll, „dass die City auf diese Weise belebt wird und die Künstler ein Forum bekommen“. Das, sagt er, sei eine Win-Win-Situation.

Und die Akteure? Die kamen dieses Mal aus Deutschland, der Schweiz, Spanien, Nord-Irland, Belgien, Italien, den Niederlanden und sogar aus Australien. Zu bieten hatten die zwölf Acts Einzigartiges – mal lustig, mal spannend und auch berührend. Am Ende jeder Vorstellung ging immer ganz klassisch der Hut herum.

Besonders beliebt waren jene Künstler, die auf Tuchfühlung mit den Zuschauern gehen, sie quasi in ihre Shows einbeziehen. So wie Adrian Schvarzstein. Der aus Barcelona stammende Stand-up-Comedian schlüpfte auf dem Pferdemarkt in die Rolle von Juan, der die Tänzerin seiner Träume sucht. Der kleine Mann fordert das Publikum zum Tanz auf – nicht wissend, welch ein Desaster am Ende der Show direkt vor den Zuschauern stattfinden wird. „Die Rotenburger sind toll, fühlen sich schnell in die Show ein“, meint er. „Die Deutschen haben in der Welt den Ruf, reserviert zu sein.“ Die Menschen in der Wümme-Stadt entsprächen allerdings so gar nicht diesem Bild. Im Gegenteil. „Sie sind sehr freundlich und zugänglich.“

Kollege Jan Peyls, der mit seinen beiden Mitstreitern unter dem Namen „CIE 0032“ das Publikum auf dem Kirchhof mit clownesken Jonglagekünsten beeindruckte, sieht das ähnlich: „Wir Künstler merken, dass die Leute herkommen, um uns Straßenkünstler zu sehen und nicht, um im Vorbeigehen mal kurz zuzuschauen“, erzählt der Belgier beim Mittagessen im Gemeindehaus.

Dort werden die Künstler verpflegt und von einigen der insgesamt rund hundert freiwilligen Helfern, die zum Gelingen des Festivals beitragen, betreut. Michal Strauß ist zum ersten Mal im Team dabei: „Ich war bisher Zuschauer, dieses Jahr wollte ich mithelfen.“ Das bedeute aber nicht, auf die Shows zu verzichten. Die Ottersbergerin: „Ich bin ganz nah bei den Künstlern, ich baue auf und ab, rede mit ihnen, und in den Pausen habe ich genug Zeit zum Gucken.“

Dass eine Veranstaltung wie „La Strada“ gute Planung erfordert, wissen Kathrin Bahr und Julia von Wild nur zu gut: „Bereits ein Dreivierteljahr vor dem Fest beginnen wir mit der Organisation“, sagen die beiden künstlerischen Leiterinnen von „La Strada“. Ihre Bilanz, wie auch die aller anderen Verantwortlichen, fällt durchweg positiv aus: „Das Wetter spielte mit, das Publikum kam in Scharen, die Künstler fühlten sich wohl – was will man noch mehr?“

La Strada am Freitagabend

La Strada in Rotenburg am Samstag

La Strada in Rotenburg am Samstagabend

La Strada in Rotenburg am Sonntag

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