„Jazz & Literatur“ holt in der dritten Auflage gleich zwei Autoren nach Rotenburg

Tatort Heimathaus

Mit versierten Soli, Dixieland-Evergreens und eigenen Stücken mit deutschen Texten ist das Trio „Nat King Thomas“ eine gern gesehene Größe bei „Jazz & Literatur“. Fotos: Heyne

Rotenburg – Der Sonntagabend wird erst durch den Münster-Tatort im Fernsehen skurril, schräg und rabenschwarz? Weit gefehlt. Das können die 80 Gäste im Rotenburger Heimathaus bestätigen, die das heimische Sofa verlassen hatten, um in der dritten Auflage „Jazz & Literatur“ der Kulturinitiative Rotenburg (Kir) eine geballte Mischung aus Livemusik und Literatur zu erleben.

Seit der ersten Auflage eine gesetzte Größe ist das „Nat King Thomas Trio“, dem Kir-Vorstand Uwe Goldschmidt eine Auftrittsplattform hatte bieten wollen. „Die sind einfach gut und haben sich bewährt“, so die einfache Erklärung von Organisatorin Linda Falkenberg, die für die Auswahl der Autoren verantwortlich zeichnet. Gleich zwei „Eigengewächse“ aus dem eigenen Verlag gaben am Sonntagabend Einblicke in ihre jüngsten Werke, aber auch in ihre Seelen.

Da ist Elke Marion Weiß, die gepflegte, ältere Dame mit dem schüchternen Lächeln. Harmlos? Mitnichten. Ihre Kurzgeschichten aus dem jüngsten Werk „Seiltänze“ gehen nicht selten rabenschwarz aus: Ingrid Noll lässt grüßen. Immerhin: Sie hat die Besucher vor ihrer ersten Geschichte, dem unrühmlichen Ende eines Magiers aus einem Zwergenzirkus samt ungehorsamer Schlange auf dem Vordach einer Grundschule, gewarnt: Schräg gehe es mitunter zu, „und manchmal an der Realität vorbei“. Diese Prämisse zieht sich durch die Geschichten, vom sturztrunkenen Dachdecker beim Orkan in „Zu schwer für Weltraumschrott“ bis zum Aufstand der Hundebesitzer gegen den neuen Kontaktbeamten.

Ungleich autobiografischer, wenngleich nicht minder amüsant geht es bei Ian Watson zu. Zwischen Belfast und Bremen, Sherlock und Sportschau, Guardian und Süddeutscher Zeitung zeigt der emeritierte Dozent der Bremer Uni, dass das vermeintliche Spannungsfeld zwischen zwei Kulturen keines sein muss: „Es heißt immer 50:50 – ich sage: zweimal 100!“, so das „wandelnde Migranten-Medley“. In seinem autobiografisch geprägten „Eine Fußballmigration“ demonstriert der heimliche Werder-Ultra, wie beides zusammenhängt – und malt in seinen Gedichten wunderbare Wortkonstrukte.

Das kommt an. Günther Köhnke in der ersten Reihe, dieses Mal mit Freunden hier und Besucher der ersten Stunde, lobt: „Gleich zwei Autoren, das eröffnet noch mal mehr Nuancen – und die Band ist sowieso spitze.“

Da haben die Dritten im Bunde, das Trio „Nat King Thomas“, mit handwerklich soliden Jazzklassikern zumeist aus dem Dixieland-Genre eine leicht-beschwingte Grundlage geschaffen. Auch hier sind unerwartete Perlen zu hören. Etwa der Radiohit „Je veux“ von Zaz in einer entschleunigten Version. Das gefällt so gut, dass es in der Zugabe erneut eingefordert wird: „Macht noch mal das Französische!“ Doch es ist ja nicht so, als hätte das Trio um Sänger und Trompeter Thomas Krakowczyk aus Königsmoor nicht genügend eigenes Material. So kommt das Publikum in „Wieder auf der Straße“ auch in den Genuss der ein oder anderen Eigenkomposition mit deutschen Texten und viel Herzblut und Groove.  hey

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