Tagung der Kreisgemeinschaft Angerburg mit Autorin Tatjana Gräfin Dönhoff

Die Katastrophe auf See

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Autorin Tatjana Gräfin Dönhoff mit Kurt-Werner Sadowski (l.) und Wilhelm Norra, der der Katastrophe auf der „Wilhelm Gustloff“ durch Zufall entging.

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Die 58. Heimatpolitische Tagung der Kreisgemeinschaft Angerburg, Patenkreis des Landkreises Rotenburg, hatte in diesem Jahr einen zentralen Programmpunkt: das Schiff „Wilhelm Gustloff“, das am 30. Januar 1945 untergegangen ist. Mehr als 9000 Menschen ertranken damals in der eiskalten Ostsee. Die Autorin Tatjana Gräfin Dönhoff hat darüber ein Buch mit dem Titel „Die Gustloff“ geschrieben und während der Tagung in der Theodor-Heuss-Schule in Rotenburg daraus gelesen.

30. Januar 1945: Für mehr als 10000 Menschen scheint bei der Evakuierung Ostpreußens am Ende des Zweiten Weltkrieges die „Wilhelm Gustloff“ die Rettung. Das zum Lazarettschiff umfunktionierte, auf 417 Besatzungsmitglieder und 1463 Passagiere ausgelegte ehemalige Kreuzfahrtschiff verlässt völlig überladen den Ostseehafen Gotenhafen. Wenige Stunden später sollte es in Höhe von Stolpmünde zur größten Katastrophe der Seefahrtsgeschichte kommen. Die „Wilhelm Gustloff“ wurde von drei Torpedos des sowjetischen U-Bootes S-13 getroffen. Nur 1252 Menschen werden gerettet.

Die Politologin, Journalistin und Buchautorin Tatjana Gräfin Dönhoff aus Hamburg hat ihre Wurzeln in Ostpreußen und in Westfalen, für das Buch „Die Gustloff“ hat sie rund ein halbes Jahr recherchiert. Ihr Anliegen: größtmögliche historische Genauigkeit durch das Lernen der Militärsprache, Pläne über das Schiff beschaffen, die von der Hapag-Lloyd-Werft zur Verfügung gestellt wurden, Informationen über die Schwesternschiffe sowie die vielen Gespräche mit Überlebenden und Angehörigen.

Im Buch, das auch verfilmt worden ist, beschreibt Dönhoff das Chaos an Bord, nachdem die Torpedos die Bordwand durchschlagen: von verzweifelten Selbstmorden ganzer Familien, wie das Recht des Stärkeren für viele gilt, wie sich das Schiff mit Wasser füllt, die Maschinen nacheinander ausfallen, Rettungsboote unbenutzbar sind, weil sie blockieren, wie eines der Flakgeschütze aus der Verankerung gerissen wird und krachend über das Deck des sinkenden Schiffs rutscht. Gegen 22.15 Uhr, nach einer Stunde, endet der Todeskampf der „Wilhelm Gustloff“ und von mehr als 9000 Menschen. Das Schiff steht unter dem Kommando von vier Kapitänen, die den Untergang überleben und später zu der Katastrophe schweigen. Dönhoff schloss das Buch mit den Worten: „Hier höre ich auf.“

Es wurde aber auch aktuell während der Tagung, für die unter anderem Kurt-Werner Sadowski, der Angerburger Kreisvertreter, nach Rotenburg gekommen war. Landrat Herrmann Luttmann (CDU) nahm zu der Situation der Flüchtlinge und Asylbewerber im Landkreis Rotenburg Stellung. Im Kreis seien es momentan 1600 Menschen. Luttmann: „Es ist kaum möglich, dass Deutschland das Problem alleine löst.“ Und weiter: „Wir müssen in der Krise auch eine Chance sehen.“ Das Haupthindernis bei der Integration sei das Erlernen der deutschen Sprache.

Auch Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) bezog sich auf die Flüchtlingssituation. 390 habe die Stadt aufgenommen, inzwischen seien 60 freiwillig in ihre Heimatländer zurückgereist. Die Stadt plane, über 40 Wohnungen zu schaffen. Der Bürgermeister: „Hilfe zur Selbsthilfe, das ist unser Ziel.“

Hubertus Hilgendorff, Vorsitzender des Stiftungsrates des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg, zu der Situation des Museums in der Salzstadt, seine geplante Erweiterung und dem Archiv in Ellingen (Bayern) Stellung. Dabei entstand der Eindruck, dass sich die Vertriebenenverbände von der Politik oft verlassen fühlen. Hilgendorff: „Werben Sie für uns in der Politik und im Privaten, bevor das Museumsgut ins Ausland verkauft wird.“

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