Präventionsexperte gibt Tipps

„Tag des Einbruchschutzes“: Es gibt was gegen ungebetene Gäste

Mit einer simplen Karte wecken Thomas Teuber und seine Kollegen im Streifendienst die Aufmerksamkeit der Menschen für Einbruchschutz.
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Mit einer simplen Karte wecken Thomas Teuber und seine Kollegen im Streifendienst die Aufmerksamkeit der Menschen für Einbruchschutz.

Einbrecher werden mit Beginn der dunklen Jahreszeit wieder besonders aktiv. Aber es gibt Mittel und Wege, sich bestmöglich gegen ihren ungebetenen Besuch zu schützen.

Rotenburg – Die Tage sind kürzer, es wird früher dunkel. Und im Gegensatz zum vergangenen Jahr sind die Menschen tagsüber wieder unterwegs, die Häuser und Wohnungen am Abend leer und unbeleuchtet – ideale Bedingungen für Einbrecher. Doch man kann die eigene Sicherheit mit verschiedenen Mitteln erhöhen, weiß Präventionsexperte Thomas Teuber von der Polizeiinspektion Rotenburg und macht zum „Tag des Einbruchschutzes“ am 31. Oktober auf das Thema aufmerksam.

Dabei gehen die Einbruchszahlen sowohl im Landkreis Rotenburg als auch in der niedersachsenweiten Statistik nach einer Welle zwischen den Jahren 2013 bis 2016 derzeit wieder runter – eine Welle, die laut Teuber immer wieder vorkommt und verschiedene Ursachen haben kann. Wenn aber die Zahlen runtergehen, sinkt auch die Aufmerksamkeit der Menschen. „Es wäre schöner, wenn das Thema kontinuierlich Bedeutung hätte, ohne in Hysterie auszuarten“, erklärt der Polizeihauptkommissar.

Während beispielsweise Betrugsdelikte stetig ansteigen, geht die Zahl der Einbrüche zurück. „Wir haben uns als Gesellschaft verändert“, sagt Teuber. Will heißen: Die Digitalisierung hat ihren Anteil daran, dass die Art der Straftaten sich ändert. Vieles wird online abgewickelt. die Täter steigen ein. Ein Einbruch hingegen erfordert Präsenz. Und genau die hat zur Folge, dass die Betroffenen oftmals traumatisiert sind. Die Täter dringen in ihr vermeintlich sicheres Zuhause ein. Dann stellen sich Fragen: Was haben sie angefasst? Wo waren sie überall? Das Gefühl der Sicherheit verschwindet.

Bei einem Hoch der Einbruchsdelikte 2014/2015 hat die niedersächsische Polizei die Bekämpfung ganz oben angestellt. Ein guter Schritt, findet Teuber. Die Maßnahmen, die im Zuge dessen begründet worden sind, haben heute noch Bestand. So gibt es beispielsweise ein eigenes Sachgebiet Wohnungseinbruch im Landkreis. „Die Mitarbeiter sind sehr gut vernetzt, erkennen Serien schnell“, so Teuber.

Polizei übernimmt „Patenschaften“

Das hat Auswirkungen. Der Polizist spricht von einer „relativ guten Aufklärungsquote“, die mit 31 Prozent 2020 höher liegt als die landesweite mit unter 20 Prozent. Das, gibt Teuber zu, hat auch mit Glück zu tun. Aber eben auch mit der guten Vernetzung. „Das Gros läuft über überörtliche Gruppierungen oder organisierte Banden.“ Die Täter entwenden in aller Regel eher Schmuck und Bargeld als größere Gegenstände. Gerade in den Wintermonaten führt die Polizei verstärkt Kontrollen in Wohngebieten durch.

Rotenburg hat sich dazu eigene Besonderheiten einfallen lassen. Zum einen gibt es „Patenschaften“: gleiche Kollegen einer Schicht fahren in das gleiche Wohngebiet. So kennen sie sich dort bestens aus, erkennen eher, wenn dort jemand ist, der dort vielleicht nicht sein sollte. Außerdem gibt es ein Präventionsprojekt: Die Streifen achten in der dunklen Jahreszeit gezielt auf Wohnobjekte, die unbewohnt aussehen. Sie klingeln und wenn niemand öffnet, hinterlassen sie einen Zettel und Flyer im Briefkasten. „Geben Sie Einbrechern keine Chance!“ ist dort unter anderem zu lesen und eine Kontaktinfo. Teuber rät auch dazu, bei verdächtigen Fahrzeugen oder Personen die Polizei zu verständigen. Er kennt die Skrupel. „Aber wenn da nichts dran ist, ist das nicht weiter schlimm. Viele melden sich erst, wenn es zu spät ist.“

Und es gibt Möglichkeiten, die eigenen vier Wände so sicher wie möglich zu gestalten. Teuber bietet dazu Beratungen für Privatleute und Gewerbetreibende an. So sollten Wohngebäude, wenn es dunkel wird, nicht verlassen wirken. Dabei ist zu beobachten, dass in Einfamilienhäuser eher eingebrochen wird als in Wohnungen ab dem ersten Stock. Lichter helfen, zum Beispiel per Zeitschaltuhr. Dabei ist es wichtig, nicht nur ein Licht in einem Fenster zu haben, sondern Beleuchtung an mehreren Stellen. Auch Außenbeleuchtung mit Bewegungssensor ist eine gute Möglichkeit, Einbrecher abzuschrecken. Sicherheitseinrichtungen sollten nicht versteckt, sondern bewusst gezeigt werden.

Beratung

Wer sich zum Einbruchschutz beraten lassen möchte, kann sich per E-Mail an Teuber wenden: praevention@pi-row.polizei.niedersachsen.de.

Viele lassen ihre Außenjalousien nicht herunter, doch auch die seien eine gute Abschreckung, weiß der Polizist. „Täter haben dann Probleme, einzudringen.“ Und: Fenster bei Abwesenheit nicht auf Kipp lassen, Türen immer abschließen und niemals einen Ersatzschlüssel draußen deponieren. Wohnungen haben andere Besonderheiten: Hat die Wohnungstür ein vernünftiges Zylinderschloss? Oder könnte man sie in Absprache mit seinem Vermieter aufrüsten?

Mechanische oder elektronische Sicherungen – am besten in Kombination – sorgen für hohe Sicherheit: einbruchhemmende Verriegelungen an Fenstern und Türen machen es Einbrechern schwer, ebenso Alarmanlagen. Letztere verhindert zwar keinen Einbruch, aber sie signalisiert ihn, sagt Teuber. Die Chance, die Täter zu schnappen ist größer, und sie verschwinden schneller.

Dennoch finden Einbrecher manchmal Wege, wie Teuber zuletzt bei einer Familie festgestellt hat, die sich viele Gedanken um Sicherheit gemacht hat – und trotzdem fanden die Täter ein Fenster ohne Zusatzverriegelung. Und was Teuber und seine Kollegen umtreibt: Smarthomes. Diese bieten nämlich oft ein falsches Gefühl der Sicherheit. „Ein großer Schwachpunkt ist die Stromversorgung – die Täter schalten die Sicherungen aus, und alle Signale sind weg“, so Teuber. Gerade selbst eingebaute Smarthome-Lösungen bieten oft viele Fallstricke.

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