Rotenburger Imkerverein zieht positives Fazit der Saison

Süß und gesund

Jungimker Simon Kuschkewitz mit einem Wabenrähmchen.
+
Jungimker Simon Kuschkewitz mit einem Wabenrähmchen.

Rotenburg – Die Biene, ein kleines Insekt, für Menschen und Natur von unverzichtbarer Bedeutung: Sie bestäubt Pflanzen, sie trägt wesentlich zur Ernährung bei und sorgt mit dafür, dass die ökologische Balance so gut wie möglich gewahrt bleibt. Albert Einstein soll diesen Satz geprägt haben: „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben: keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.” Bei Elli Döbler klingt das ähnlich. Die pensionierte Berufsschullehrerin aus Groß Deepen, seit vier Jahren Vorsitzende des Imkervereins Rotenburg, sagt: „Wenn es keine Bienen gäbe, würde es beispielsweise keine Blumen, kein Obst, kein Gemüse, keine Linden und kein Saatgut geben. Die Bienenbestäubung ist für sehr viele Pflanzen überlebenswichtig.”

Treffpunkt mit der 69-Jährigen ist das Gelände des Rotenburger Heimathauses – am strohgedeckten Honigspeicher aus dem Jahr 1789, den Döblers Vater Friedrich Meyer vor 66 Jahren dem Heimatbund gestiftet hatte. Jetzt dient der Speicher als Magazin für die klassischen Imkergeräte wie die Honigschleuder oder den Rauchapparat und wird außerdem von den 164 Mitgliedern des Vereins als Werkstatt und Informationsraum genutzt. Imker im Alter von 16 bis 90 Jahren und Mitglieder der Biologischen Schutzgemeinschaft nutzen die Räume auf dem Heimathausgelände.

Die weitaus größte Zahl der Imker sind heute Hobbyimker. Im Bereich des Rotenburger Imkervereins gibt es noch ganze drei Berufsimker. Mehr konnten aufgrund der südamerikanischen und asiatischen Konkurrenz nicht überleben. Eine Entwicklung, die überall in Deutschland ähnlich ist. Es wächst hingegen die Zahl der Jungimker und hier besonders die der jungen Frauen.

Zum Vorstand des Rotenburger Vereins gehört Björn Lässig aus Wensebrock, der den Arbeitskreis Jungimker und Paten leitet. Seit einem Jahr ist Simon Kuschkewitz aus Westerwalsede, 32-jähriger Hauptkommissar der Polizei Rotenburg, dabei. Er ist Besitzer von drei Bienenvölkern und begeistert von seiner Freizeitleidenschaft: „Ein komplexes und sehr interessantes Hobby. Um mit den Bienen fachgerecht umgehen zu können, um sich das nötige theoretische und praktische Wissen anzueignen, ist die Teilnahme an dem siebenmonatigen Kurs mit Referenten des Vereins sehr wichtig.” Der Imkerverein Rotenburg, im 19. Jahrhundert gegründet, ist der größte von insgesamt sieben im Wümme-Kreis. Um bei Zahlen zu bleiben: Der Kreisimkerverein Rotenburg zählt rund 600 Mitglieder und ist der Zweitgrößte im Landesverband Hannoverscher Imker.

Horst Poggensee (67) aus Helvesiek, Ingenieur im Ruhestand und zweiter Vorsitzender des Kreisimkervereins, freut sich über die sehr gute Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch unter den Vereinen. Er gibt jedoch zu bedenken: „Ich warne davor, Bienen im Internet zu kaufen. Diese Tiere haben oft Krankheiten. Wichtig ist, dass die Bienen ein vom Veterinäramt ausgestelltes Gesundheitszeugnis haben.” Sorge bereite ihm die zunehmend ausgeräumte Landschaft. Die abnehmende Zahl der Wildbienen sei eine Folge des sinkenden Nahrungsangebots.

Elli Döbler zu der diesjährigen Honigernte: „Sie war gut bis sehr gut. Im Vergleich dazu war es im Jahr zuvor zu trocken. Wir waren zufrieden mit der Obstblütenernte im Alten Land, der Sommertracht und der Heidetracht. Aufgrund der günstigen Wetterbedingungen hatten die Bienen kaum trachtlose Zeiten, also Zeitabschnitte, in denen die Bienen so gut wie kein Nektar gefunden haben.”

Bienen werden heute nur selten in den aus Stroh geflochtenen Körben gehalten, sondern in Magazin-Beuten aus Holz, deren Wabenrähmchen eine schonende Honigernte ermöglichen. Die Bienen bereiten sich zur Zeit auf den Winter vor. Da ihr Honig als Wintervorrat weitgehend von den Imkern geerntet wurde, bekommen sie jetzt als Ersatz in der Regel Zucker oder Zuckersirup beziehungsweise Pollen, die nicht beim Schleudern entnommen wurden. Versehen mit dem Etikett „Echter Deutscher Honig” wird das süße und gesunde Lebensmittel in den Geschäften angeboten. Aber auch das darf nicht vergessen werden: Honig zählt zu den meistgefälschten Lebensmitteln weltweit. Wahre „Weltmeister” sitzen in China, Süd- und Mittelamerika.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

Die heilende Kraft der Aloe vera

Die heilende Kraft der Aloe vera

Stadt der Gegensätze - In Mumbai ist das kein Klischee

Stadt der Gegensätze - In Mumbai ist das kein Klischee

Mit «Weltklasse-Torhüter»: Bayern macht Achtelfinale klar

Mit «Weltklasse-Torhüter»: Bayern macht Achtelfinale klar

Meistgelesene Artikel

Landkreis Rotenburg lässt Quarantäne sichern: Security rund um die Uhr im Einsatz

Landkreis Rotenburg lässt Quarantäne sichern: Security rund um die Uhr im Einsatz

Landkreis Rotenburg lässt Quarantäne sichern: Security rund um die Uhr im Einsatz
Mehrere Corona-Fälle in Großfamilie: Landkreis lässt Quarantäne sichern

Mehrere Corona-Fälle in Großfamilie: Landkreis lässt Quarantäne sichern

Mehrere Corona-Fälle in Großfamilie: Landkreis lässt Quarantäne sichern

Kommentare