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Bürgerinitiativen rufen zum Ostermarsch gegen Fracking auf

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Jochen Richert (l.) und Kathrin Otte machen am 15. April in Rotenburg gegen Fracking mobil.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Zum zweiten Mal rufen die Bürgerinitiativen gegen Fracking in diesem Jahr zum Ostermarsch gegen die umstrittene Erdgasförderung auf.

Den Weg durch halb Rotenburg nutzen sie, „um ihre Sorgen und Nöte zu verbreiten“, sagt Jochen Richert, einer der Initiatoren. Im Vergleich zum Vorjahr ist etwas Bewegung in ihre Sache gekommen.

Initiator Richert: „Exxon lässt die Leute alleine“

Richert hat es eilig. Mit dem Motorradhelm unter dem Arm und in Lederjacke steht er da. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen Gastbohren im Landkreis Rotenburg war bis kurz vor dem Pressegespräch am Donnerstag noch in Hemsbünde, wo der Erörterungstermin des Erdgasunternehmens „ExxonMobil“ zur in Bellen geplanten Reststoffbehandlungsanlage gerade in seinen dritten Tag gestartet ist. Kurz darauf trifft Kathrin Otte vom Gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkranke (Genuk), ein wenig außer Atem. Auch sie war in Hemsbünde, beide wollen im Anschluss wieder zurück.

Dass in Sachen Fracking der Gesprächsbedarf bei Bürgern und Initiativen noch nicht gedeckt ist, zeigt nicht nur der Erörterungstermin in der Samtgemeinde Bothel. Richert, Otte und ihre Mitstreiter wollen weiter ihrem Ärger Luft machen: „Exxon lässt die Leute alleine“, sagt Richert. Kritische Fragen würde das Unternehmen abblocken. Antworten zu Störfällen auf seinen Anlagen oder zu zukünftigen Projekten würde es nicht geben – und wenn, dann sehr widerwillig. „Die Wut kocht in den Leuten“, fährt er fort. Insbesondere sei es das Gefühl, etwas ausgeliefert zu sein, dass man nicht beeinflussen könne.

400 Teilnehmer am Ostermarsch erwartet

Der nächste Termin steht schon fest. Für den 15. April rufen die Bürgerinitiativen zum Rotenburger Ostermarsch auf. Es ist nach 2016 der zweite. Nicht nur aus dem Landkreis kommen die Demonstranten, sagt Richert, aus ganz Niedersachsen – beispielsweise dem Wendland und den Landkreisen Verden und Heidekreis – hätten sich Bürgerinitiativen angekündigt. Richert rechnet mit mehr als 400 Menschen.

Start ist dabei um 11 Uhr auf den Parkplatz der Berufsbildenden Schulen in Rotenburg. Dann geht es über die Verdener Straße, Gerberstraße in Richtung Innenstadt bis hin zum Neuen Markt, wo dann die Kundgebung stattfindet. Grit Leymann wird über die Situation in Bellen sprechen, die Grünen-Landtagsabgeordnete Miriam Staudte aus dem Landkreis Lüneburg soll sich zur politischen Lage in Sachen Fracking äußern, der Rotenburger Kinderarzt Dr. Christoph Dembowski hat Gesundheit als Thema, kündigt Richert an. Auch Hartmut Leefers (CDU), der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Erdgas- und Erdölförderung des Rotenburger Kreistags, hält eine Rede.

Wandel bei den Behörden sichtbar

Erhöhte Krebszahlen, Erdbeben, Quecksilberbelastungen im Boden und mehr: Vieles bringen die Bürgerinitiativen mit Fracking in Verbindung. Bestätigt ist davon nichts. „Wir haben null Erklärungen“, sagt Otte. Was sie aber sehen, seien „durchaus viele Störfälle“ auf den Anlagen, dessen Aufklärung ihrer Auffassung weder das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) noch vom Betreiber zufriedenstellend ausfällt. „Wir haben keine Daten und können uns auch nicht auf die von Exxon verlassen.“ Jetzt gelte es zu versuchen, die Nachweise zu bekommen, die Zusammenhänge zu klären – von einer unabhängigen Stelle. Aus Sicht der Bürgerinitiativen gibt es in dieser Sache immerhin Fortschritte. Otte hat Anfang März an einem epidemiologischen Fachgespräch vom niedersächsischen Gesundheitsministerium teilgenommen.

Als Experten nahmen dabei Leiter diverser Universitätsabteilungen, weitere Wissenschaftler sowie Staatssekretär Jörg Röhmann (SPD) teil. Die von den Wissenschaftlern entwickelten, möglichen Studienansätze werden derzeit von der Fachabteilung des Ministeriums ausgewertet und auf einen umsetzbaren Ansatz hin abgestimmt. „Das ist ein großer Schritt“, sagt Otte. Es zeige, dass sich etwas bei den Behörden in der Sache verändere.

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