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Stürme haben geringe Auswirkungen auf Wümme-Flussbett

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Eine Fischtreppe an der Wiedau.
Versandet und von Rinnsalen durchbrochen: Bilder wie diese von der Rahmung der Fischtreppe an der Wiedau mögen dem Laien Sorgen bereiten. Doch Experten zufolge haben die Stürme und Fluten von vor einigen Wochen kaum Schaden an der Wümme angerichtet. © Schultz

Die Stürme von vor einigen Wochen haben keine tieferen Auswirkungen auf die Wümme und ihre Nebenflüsse. Die Aufräumarbeiten können aber andauern.

Rotenburg – „Ylenia“ bedeutet auf Altgriechisch die Schöne oder die Strahlende. Der gleichnamige Sturm hat die Menschen im Landkreis Rotenburg jedoch nicht zum Strahlen gebracht – das Gegenteil ist der Fall. Die Wümme trat vor einem Monat über die Ufer und die Folgen waren gravierend. Die Überschwemmungen sorgten dafür, dass die Nödenwiesen vor dem Kreishaus in Rotenburg zeitweise nicht mehr passierbar waren.

Felder wurden zu Seen und Wiesen zu Teichen. Rotenburg kennt diese Fluten. Und doch bringt ein Sturm wie der überstandene noch andere Begleiterscheinungen mit sich. Vor diesem Hintergrund hat die Kreiszeitung bei zuständigen Stellen sowie Experten nachgefragt, wie sich „Ylenia“, „Zeynep“ und „Antonia“ auf das Flussbett der Wümme ausgewirkt hat.

Die Veränderungen an der Sohlgleite beziehungsweise Fischtreppe an der Wiedau im Stadtgebiet werfen beispielsweise die Frage auf, ob diese den Sturm unbeschadet überstanden hat. Ralf Gerken, Experte für Gewässerschutz, kann bei der Sichtung von Fotos „keine dramatische Beschädigung der Fischtreppe erkennen“. Der wissenschaftliche Mitarbeiter beim Anglerverband Niedersachsen sieht keinen größeren Grund zur Sorge: „So etwas passiert ab und zu einmal bei starkem Hochwasser.“

Eine wirkliche Gefahr hätte lediglich dann bestanden, wenn Bäume in die Sohlgleite gespült worden wären. Doch von einer solchen Unterspülung könne nicht die Rede sein. Gerken räumt allerdings ein, dass er nur eine Ferndiagnose erstellen könne: „Anhand eines Fotos kann ich das nicht abschließend beurteilen.“

Roland Meyer, Vorsitzender des Nabu Rotenburg, stellt derweil heraus, dass eine Überschwemmung in ökologischer Hinsicht auch positive Seiten haben könne: „Umgestürzte Bäume erhöhen die Strukturvielfalt des Flusses.“ Stürme und Hochwasser seien zudem natürliche Ereignisse, mit deren Folgen die Natur über kurz oder lang fertig werde.

Das eigentliche Problem bestehe in der Regulierung der Flüsse. Für die Wasserwirtschaft sei wichtig, dass die Gewässer schnell abflossen – und das schade der Natur. So werde beispielsweise die Fortpflanzung von Fischen erschwert: „Durch die hohe Fließgeschwindigkeit erhöht sich durch Erosion die Sandfracht. Wenn sich der Sand setzt, verstopfen zum Beispiel Lücken in Kiesbänken“, sagt Meyer.

Lasse Störmer, Geschäftsführer des Kreisverbandes der Wasser- und Bodenverbände im Gebiet der Wümme, bestätigt, dass bei hohen Fließgeschwindigkeiten Sand mittransportiert werde. „Bei großen Abflussereignissen wird viel Sediment umgelagert“, erklärt er. Trete die Wümme über die Ufer, dann verlangsame sich die Fließgeschwindigkeit und das Sediment setze sich im Ausuferungsbereich ab.

Störmer hat sich in einer mit dem Landkreis Rotenburg zusammen herausgegebenen Pressemitteilung über die Auswirkungen des Sturmes „Ylenia“ geäußert. Besondere Veränderungen am Flussbett der Wümme habe er nicht ausmachen können. Zwar seien sowohl Erosion als auch Sedimentation aufgetreten – das aber im normalen Rahmen. Das Hochwasser vor einem Monat stelle diesbezüglich keine Abweichung von der Norm dar.

Allerdings habe „Ylenia“ zahlreiche Bäume in die Wümme gefegt, so Störmer. Die Entfernung des Holzes aus dem Fluss könne einige Zeit in Anspruch nehmen, da die Unterhaltungsverbände Obere und Mittlere Wümme für 800 Kilometer Gewässer zuständig seien. „Wir sind derzeit dabei, die Bäume wieder zu entnehmen, sofern diese ein Abflusshindernis darstellen oder in absehbarer Zeit zu einem Hindernis werden können“, erläutert Störmer das Vorgehen.

Was die Fischtreppe betrifft, hat er gute Nachrichten. So habe es keine Schäden an der Sohlgleite gegeben. Das liege daran, dass „die Standsicherheit hier durch Spundwände gewährleistet“ sei. Ein weiterer wichtiger Faktor in den Augen Störmers: „Bei der Berechnung der Gleiten wurden wasserwirtschaftliche Extremereignisse berücksichtigt.“ Da Sturm „Ylenia“ jedoch kein Extremereignis dargestellt habe, sei die Fischtreppe nicht in Gefahr gewesen.

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