Ein Stück näher an Hamburg

Kommunen unterzeichnen Finanzierungsvereinbarung für HVV-Beitritt

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Die Unterschriften unter der kommunalen Finanzierungsvereinbarung zum HVV-Beitritt sind trocken, Ende 2019 kann es losgehen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Nach jahrelangen Verhandlungen haben die Unterschriften den ersten Vertrag besiegelt. Die sieben Samt- und Einheitsgemeinden im Landkreis, die zum Fahrplanwechsel 2019 den Tarif des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) einführen, haben am Freitag mit Landrat Hermann Luttmann (CDU) eine Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet. „Zumindest für den Schienenverkehr ist es jetzt eingetütet“, freute sich der Verwaltungschef bei der Zusammenkunft im Kreishaus.

Es war ein jahrelanges, zähes Ringen. Im Landtagswahlkampf 2012 hatte der spätere Wirtschafts- und heutige Umweltminister Olaf Lies (SPD) damit geworben, dass der Verkehrsverbund vergrößert und so die ländlichen Regionen näher an die Metropole heranrücken könnten. Der Landkreis unternahm daraufhin erste zaghafte Versuche, das zu realisieren, doch die Kosten wurden damals als viel zu hoch angesehen. Das Land wollte sich nur mit einer Anschubfinanzierung beteiligen, Rotenburg hätte alleine verhandeln müssen. Nun aber hat sich die Konstellation verändert. Gemeinsam mit den Nachbarkreisen Cuxhaven, Heidekreis und Uelzen wurde der Beitritt forciert, Niedersachsen und Hamburg machten Zugeständnisse. „Der Druck aus den Kommunen war hoch“, sagt Landrat Luttmann. Eigentlich sei der Schienenverkehr die Aufgabe des Landes, da der Wille aber da war, zahle man nur einen gewissen „politischen Preis“. Luttmann: „Da gucken wir nicht auf den letzten Euro.“ Insgesamt habe man aber ein gutes Ergebnis erzielt, und mit dem Regierungswechsel von Rot-Grün zu Rot-Schwarz in Hannover habe man im vergangenen Jahr beim neuen Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) noch kleinere Zugeständnisse herausholen können.

Die Verwaltungsspitzen der Stadt Bremervörde, der Samtgemeinde Geestequelle, der Samtgemeinde Fintel, der Gemeinde Scheeßel, der Stadt Rotenburg, der Samtgemeinde Sottrum und der Stadt Visselhövede sowie der Landrat haben nun das unterzeichnet, was regionale Grundlage für den endgültigen Vertrag sein wird, der im Januar von den Landkreisen sowie dem Land Niedersachsen, der Freien und Hansestadt Hamburg, der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) sowie dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV) unterzeichnet wird. Dass daran noch gerüttelt wird, glaubt Luttmann nicht: „Der Punkt ist erreicht, wo es nicht mehr scheitert.“

Die Kosten für die Tariferweiterung im Landkreis betragen nach Abzug des Hamburger Anteils anfangs rund 1,1 Millionen Euro pro Jahr, von denen das Land Niedersachsen 450 .000 Euro übernehmen will. Den Rest teilen sich die Gemeinden und der Landkreis zu gleichen Teilen. Die einmaligen Einführungskosten von 112.000 Euro übernimmt der Landkreis. In dieser aktuellen Rechnung ist es gegenüber vorherigen Modellen noch etwas günstiger für die Region geworden. Angerechnet werde aber sowieso erst nach der genauen Anzahl der Fahrgäste, und da bleibt abzuwarten, wie sich die Pendlerströme entwickeln. Bisher gilt der HVV-Tarif erst ab Tostedt, ob nun die Bahnhöfe im Landkreis häufiger zum Einstieg genutzt werden, wird sich zeigen. Im Sommer hatte die Kreisverwaltung den kommunalen Zuschussbedarf für Rotenburg auf rund 76 .000 Euro beziffert. Für Scheeßel standen gut 90 .000 Euro in Aussicht, für Lauenbrück 53 .000 Euro, für Sottrum 8 .100 Euro und für Visselhövede knapp 400 Euro. Im Nordkreis war Bremervörde mit gut 90 .000 Euro ausgewiesen, und Geeste-quelle mit 14.000 Euro. Erster Kreisrat Torsten Lühring nennt das jetzt eine vorsichtige Planung: „Insgesamt wird wohl weniger zu zahlen sein.“

Mit der erwarteten endgültigen Vertragsunterzeichnung kann dann zum Fahrplanwechsel 2019 auf allen Bahnhöfen im Landkreis mit Zeitkarten zum HVV-Tarif gefahren werden. Einzelkarten gelten darüber hinaus auf allen Bahnhöfen bis zum geplanten Tarifring F. Dies betrifft Hesedorf, Bremervörde, Oerel und Heinschenwalde auf der Nordstrecke sowie Lauenbrück und Scheeßel im Süden. Rotenburg, Sottrum und Visselhövede gehören hingegen bereits zum Bremer VBN-Tarif. Trotzdem kann man auch hier zukünftig mit HVV-Zeitkarten Richtung Hamburg fahren. „Wir haben die Lücke zwischen VBN und HVV geschlossen“, so Landrat Luttmann. Die Auswirkungen für die einzelnen Pendler fallen unterschiedlich aus. Die meisten profitieren, in einigen wenigen Fällen kann es allerdings auch teurer werden. Richtig lohnen wird es sich laut Luttmann für diejenigen, die nicht nur zum Hamburger Hauptbahnhof fahren, sondern anschließend auch noch mit U-Bahn, S-Bahn oder Bus weiter müssen.

„Wir sind froh, dass wir mit allen Beteiligten eine Einigung gefunden haben und es endlich losgehen kann.“, zeigt sich Landrat Luttmann nach der kommunalen Vereinbarung zufrieden. „Die Verhandlungen waren sehr komplex und zeitintensiv“, ergänzt Erster Kreisrat Lühring. „Am Ende aber haben sich alle Beteiligten zu einem gemeinsamen Vorgehen entschlossen, sodass die Bürger bald die ersten HVV-Fahrkarten lösen können.“

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