Wie hoch darf ein Altenheim sein?

Streit um Neubauten des Kalandshof-Quartiers

Blick entlang der B215
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Entlang der Verdener Straße/B215 soll das neue Kalandshof-Quartier entstehen. Bewohner der gegenüberliegenden Straßenseite befürchten größere Belastungen. Sind die Straßenbäume hoch genug, um Sicht- und Lärmschutz zu bieten? Auch darüber gehen die Meinungen auseinander.

Wie hoch darf ein Altenheim sein? Die Pläne der Rotenburger Werke gefallen nicht jedem. Aber die politische Mehrheit unterstützt sie.

Rotenburg – Am grundsätzlichen Projekt hegt niemand Zweifel. Das betonte Bürgermeister Andreas Weber (SPD) mehrfach, als es im Ausschuss für Planung und Hochbau des Rotenburger Stadtrats um den nächsten Schritt des Bebauungsplans 124 ging: die Entwicklung eines Wohn- und Geschäftsquartiers auf dem Kalandshof der Rotenburger Werke. Weber hatte im vergangenen Monat zu einer Anliegerversammlung geladen, und auch während der Sitzung am Dienstagabend war von den künftigen Nachbarn Kritik zu hören: zu laut, zu groß, zu viel Verkehr. Muss an den Plänen nachgebessert werden?

Es ist das größte Konversionsprojekt der Kreisstadt für die kommenden Jahre. Im Juli hatten die Werke mit Norbert Behrens, Geschäftsführer der Planungsgemeinschaft Nord (PGN), das Vorhaben nach eineinhalb Jahren intensiver Planung erstmals öffentlich vorgestellt. Zwischen der bisherigen Einfahrt des Kalandshofes an der Verdener Straße/Bundesstraße 215 und der Gärtnerei am Glummweg soll auf rund sechs Hektar bislang ungenutzter oder zugewucherter Fläche ein komplett neues Quartier entstehen: neue Gebäude für Werke-Bewohner, ein Seniorenheim mit angeschlossenen Altenwohnungen, mehrere Häuser für Miet- oder Eigentumswohnungen, ein Haus mit günstigen Appartements für junge Leute. Von mindestens 130 Plätzen im Seniorenheim und rund 150 weiteren Wohnungen spricht Behrens. Dazu soll der Lidl von der Brauerstraße hierhin ziehen, „dm“ kommt zurück in die Kreisstadt, die Fahrradwerkstatt der Werke zieht ein. Ein Café ist im Gespräch.

Weber hält Kritik für nachvollziehbar

Alles wunderbar. Aber: Kritiker bemängeln nach der ersten Auslegung der Pläne die zu massiven Gebäudefronten und mögliche Lärmbelästigungen durch erhöhten Verkehr. Eine Schalldämpfung, so ist es nun vorgesehen, kann auch durch offenporige Steine der Neubauten erreicht werden. Mehr Verkehr gebe es auf der Bundesstraße nur in verträglichem Maße, so Stadtplaner Clemens Bumann, zudem würden ja auch Einkaufswege Richtung Stadtzentrum verkürzt.

Einige Punkte der Kritik hatte Weber als „nachvollziehbar“ bezeichnet und vor allem fürs dominante Gebäude der geplanten Altenpflege-Einrichtung an der jetzigen Kalandshof-Zufahrt eine geringere Höhe ins Spiel gebracht: 15,50 Meter statt 18,50, damit ein Stockwerk weniger. Anwohner hatten von „Nebelkerzen“ gesprochen, die die bisherige städtische Planung werfe – weil sie viel verschleiere, wenig klare Vorgaben mache und den Investoren daher mehr oder weniger freie Hand lasse.

Stadtplaner hält an Plänen fest

Stadtplaner Bumann sieht das anders. Auch als der Bürgermeister, der dieses Thema mit dem Ausscheiden aus dem Amt Ende des Monats allerdings nur noch von politischer Seite – dann als Ratsmitglied – weiter begleiten wird. „Es ist ein Angebotsplan“, so Bumann. Das sei in Rotenburg bewährt, und Investoren halten sich im Gegenzug an das, was sie versprechen. Die Eckpfeiler seien für das Kalandshof-Quartier festgelegt. Bumann: „Es ist sinnvoll, die Planung so umzusetzen, wie sie mal aufgestellt wurde.“ Reduziere man das Gebäude des Altenheims um eine Etage auf nur noch drei plus Dachgeschoss, könnten weniger Menschen einziehen. „Um solch ein Haus wirtschaftlich betreiben zu können, braucht man 150 Bewohner.“ Oder, anders ausgedrückt: „Es geht um die Qualität der Pflege.“ Weber hatte eine Dreigeschossigkeit als „umfeldverträglicher bezeichnet“ und betont: „Ich möchte davor warnen, eine Viergeschossigkeit plus Dachgeschoss zu genehmigen.“

Die Ausschuss-Mehrheit aus CDU und FDP will das aber sehrwohl. Sie hat die Begrenzung im Ausschuss wieder herausnehmen lassen, kommende Woche tagt der Verwaltungsausschuss dazu und für die notwendige zweite Auslegung der Planunterlagen. CDU-Sprecherin Franziska Kettenburg betonte, die höheren Gebäude entlang der Bundesstraße am Ortseingang und rund 50 Meter von den Nachbarn auf der gegenüberliegenden Straßenseite entfernt seien auch unter dem Aspekt der Ressourcenschonung zu verstehen. „Es ist auch Umweltschutz, möglichst viele Menschen in einem Gebäude wohnen zu lassen.“ Insgesamt ergäbe die Planung ein „stimmiges Bild“. Rotenburg müsse diesen Schritt in die Zukunft für alternative Quartiersmodelle gehen: „Wo, wenn nicht hier, sollte man das umsetzen?“

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