Streit um Deutungshoheit

Eine eigene Oberstufe für die IGS scheint weiterhin in weiter Ferne. Foto: Krüger

Was haben die Gespräche zwischen den Rotenburger Schulen zur geplanten IGS-Oberstufe ergeben? Details nennen die Verantwortlichen vor der erneuten Ratsabstimmung noch nicht. Aber die Meinungen, ob der Austausch erfolgreich war, gehen weit auseinander.

VON MICHAEL KRÜGER

Rotenburg – Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) hat am Freitagvormittag viel zu schreiben. Er formuliert den Ratsantrag für die Fraktionen, der am 28. November aus seiner und der Sicht der Befürworter dazu führen soll, dass die Integrierte Gesamtschule (IGS) zum Schuljahr 20/21 eine eigene gymnasiale Oberstufe bekommt. Es ist die zweite Abstimmung dieser Art, im vergangenen Jahr war sie gescheitert. Im August hatte sich die Politik darauf verständigt, intensive Kooperationsgespräche zwischen Ratsgymnasium und Berufsbildenden Schulen mit der IGS abzuwarten. Ist eine dritte Oberstufe in Rotenburg sinnvoll?

Vier Gespräche hat es gegeben, stellt Weber klar. Er ist überrascht, dass Erster Kreisrat Torsten Lühring am Donnerstag im Kreistag-Schulausschuss als Vertreter des Kreises – Schulträger von Ratsgymnasium und BBS – mitgeteilt hatte, dass die Gespräche zwar gut verlaufen seien, aber: „Es ist nicht zu einer Einigung gekommen.“ Weber kritisiert das. „Ich finde es sehr bedauerlich, dass Herr Lühring nicht abgestimmt und verkürzt die Presse über Inhalte unserer Kooperationsgespräche informiert hat, wobei gegebenenfalls der Eindruck beim Betrachter entstehen mag, dass eine Kooperation gescheitert sei. Das ist nicht der Fall“, so der Bürgermeister als Vertreter der Stadt, der Schulträgerin der IGS. Auf Nachfrage nennt Weber zwar keine Details der Gespräche, in die auch externe Moderatoren eingebunden gewesen waren, untermauert aber, dass „viele Dinge aufgelöst“ worden seien, die bislang zu Konflikten geführt hätten in der Debatte. Das gegenseitige Verständnis sei gesteigert worden. „Alle Teilnehmer waren sich darüber aber einig, dass die Treffen von großer Bedeutung im gegenseitigen Kennenlernen und Verstehen der Positionen der anderen gewesen sind.“ Weber weiter: „Wichtige Erkenntnisse sind für alle Teilnehmer gewonnen worden, die eine Bewertung der Vor- und Nachteile eines Zwei oder Drei-Oberstufenkonzeptes leichter ermöglichen.“ Die Öffentlichkeit sollte seiner Meinung nach informiert werden, sobald die Ratsfraktionen als Auftraggeber der Gespräche in der kommenden Woche unterrichtet worden sind. Am grundsätzlichen Antrag, die IGS-Oberstufe einzurichten, werde nicht gerüttelt.

Lühring sieht seinerseits keine Fehler in seinem Vorgehen. Eine Vereinbarung, die Öffentlichkeit noch nicht zu informieren, kenne er nicht: „Wir haben alle unsere eigenen Gremien und sind verpflichtet, dort über alle wichtigen Angelegenheiten zu informieren.“ Am Donnerstag habe der Schulausschuss des Landkreises getagt, „deshalb habe ich dort in der gebotenen Kürze informiert. Die Kreistagsabgeordneten haben auch einen Informationsanspruch.“

Weber betont inhaltlich, dass alle drei Schulen Bereitschaft signalisiert hätten, Kooperationen einzugehen, und zwar egal, wie der Stadtrat entscheidet – „zum Wohle aller Schüler“.

Info: Der Weg zur Entscheidung

Am 28. Oktober entscheidet der Rotenburger Stadtrat erneut, ob bei der Landesschulbehörde ein Antrag zur Errichtung einer eigenen gymnasialen Oberstufe für die Integrierte Gesamtschule (IGS) eingereicht wird. Im Oktober 2018 war der erste Antrag in geheimer Wahl durchgefallen. IGS-Schulvorstand und auch die Gesamtkonferenz hatten am 7. März gleichlautende Beschlüsse gefasst und formal die Stadt Rotenburg als Schulträgerin erneut gebeten, die Einrichtung einer Oberstufe bei der Landesschulbehörde zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu beantragen. Die Abstimmung im Stadtrat im August wurde dann kurzfristig einstimmig vertagt, um zunächst verbindlichere Kooperationsgespräche mit dem Ratsgymnasium und den Berfufsbildenden Schulen abzuwarten. Um diese geht es dann auch im Schulausschuss des Rates am 26. November sowie im nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss am 27. November. Um zum Schuljahr 20/21 mit einem ersten elften Jahrgang starten zu können, müsste der Antrag bei der Landesschulbehörde bis Dezember vorliegen. Die entscheidet dann noch formal.

Kommentar von Michael Krüger

Der fromme Wunsch nach Sachlichkeit

Das Thema IGS-Oberstufe bleibt ein Wespennest. Auch wir haben uns von allen Seiten schon alle Vorwürfe anhören müssen – je nachdem, wen man nun zu Wort kommen lässt, schlägt man sich in den Augen der Meckerköppe auf die Seite der Befürworter oder Gegner. Das ist natürlich Blödsinn. Aber eine sachliche Debatte ist in der Frage offensichtlich kaum noch möglich. 

Michael Krüger

Am 28. November fällt die erneute Entscheidung, ob die Gesamtschule eine eigene Oberstufe bekommen soll. Bürgermeister Weber zeigt sich empört überrascht, dass der im Kreishaus für Schulen zuständige Dezernent, der Erste Kreisrat Torsten Lühring, öffentlich im Kreis-Schulausschuss mit Aussagen zu den Gesprächen hinter verschlossenen Türen vorprescht.  Wir waren zugegebenermaßen auch überrascht. Dabei gab es für die Heimlichtuerei gar keinen Grund. Es ist verständlich, dass der Bürgermeister, der vom Stadtrat den Auftrag erhalten hat, Kooperationsgespräche der Schulen zu moderieren, zunächst diesen, dann die Öffentlichkeit informieren will. Dass nun Lühring (CDU) Weber (SPD) in gewisser Weise mit seinen Aussagen brüskiert, macht das Dilemma der politischen Fronten klar: Der Wunsch, dass Argumente mehr zählen als Ideologien bei der IGS-Entscheidung, wird unerfüllt bleiben.

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