Streit um Chef-Nachfolge spitzt sich zu

Agaplesion Diakonieklinikum: Schmidt kommt nicht

Der Haussegen am Diakonieklinikum Rotenburg hängt derzeit schief. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Michael Krüger. Der massive Protest zeigt Wirkung: Georg Schmidt wird nicht neuer Geschäftsführer des Agaplesion Diakonieklinikums Rotenburg. „Ich habe bereits am vergangenen Freitag nach intensiver Beratung dem Agaplesion-Vorstand mitgeteilt, dass ich vor dem Hintergrund der derzeit laufenden Diskussionen auf Gesellschafterebene die Stelle des Geschäftsführers nicht antreten werde“, bestätigte Schmidt am Donnerstag.

Seit Bekanntwerden des Abschieds vom bisherigen Geschäftsführer Rainer W. Werther vor einigen Wochen hatte sich in Rotenburg massiver Widerstand gegen das Vorgehen des Haupteigentümers der Klinik, des Agaplesion-Aktienkonzerns, geregt. Mitarbeiter und vor allem kirchliche Vertreter des Minderheitsgesellschafters vom Diakonissen-Mutterhaus hatten Agaplesion vorgeworfen, mit ihrer einsamen Entscheidung „sowohl die Unternehmensgrundsätze von Agaplesion als auch die Prinzipien der Diakonie auf das Gröbste verletzt“ zu haben. Offiziell wurde zwar mitgeteilt, Werther wolle sich ab 2017 „beruflich neu orientieren“, doch schnell wurde klar, dass der Klinik-Chef abgesetzt wurde. 

„Brandbrief“ an den Vorstand

Es folgten öffentliche Unterstützungsaktionen mit einem Transparent, mit einem „Brandbrief“ vom Mutterhaus an den Agaplesion-Vorstand sowie mit einem Brief leitender Mitarbeiter und seit Mittwoch mit einem per Hauspost im Diako kursierender, anonymer offener Brief an Schmidt. In diesem wird der designierte Werther-Nachfolger in harschen Tönen als „Königsmörder“, „Abstauber“, „Aufräumer“ und „Noch-Weiter-Einsparer“ bezeichnet. Man sei schockiert über den „Rauswurf“ Werthers – so gehe man nicht mit Menschen um, zumal, „wenn man sich das Christliche auf die Fahnen schreibt“. Der Brief schließt mit der Aufforderung: „Es wäre ein Zeichen von Größe, wenn Sie am Ende merken, dass Ihr Platz woanders ist.“

Schmidt wird nun in Wuppertal bleiben. Dort ist er seit April 2005 Geschäftsführer im Agaplesion Bethesda Krankenhaus. Das neue Schreiben sei ihm bei seiner Entscheidung noch nicht bekannt gewesen. Ob Werther andererseits doch noch in Rotenburg bleiben kann, ist offen: „Wir verständigen uns zurzeit mit den anderen Gesellschaftern über eine gemeinsame Lösung. Sobald diese vorliegt, werden wir sowohl unsere Mitarbeitenden als auch die Öffentlichkeit unterrichten“, so Tino Drenger, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Agaplesion. Offensichtlich hat der Mutterkonzern auch Lehren aus dem Protest gezogen. Drenger: „Die Mitarbeitenden können versichert sein, dass wir ihre Sorgen deutlich wahrnehmen und in die Überlegungen zur Zukunft des Diakonieklinikums einbeziehen.“

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