Auf Streife

60 Minuten: Unterwegs mit der Rotenburger Polizei

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Exakt um 15 Uhr wird der Mitarbeiter von der Besatzung des Streifenwagens vor der Redaktion abgeholt.

Einmal gemeinsam mit der Polizei mit eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn in einem Streifenwagen schnell zum Einsatz fahren – wer hat als Kind nicht schon einmal davon geträumt? Polizeikommissarin Alena Röhrs und Polizeioberkommissar Christopher Freißmann von der Rotenburger Polizeiinspektion gewähren der Kreiszeitung 60 Minuten lang einen Einblick in eine Tag-Schicht im Polizeiauto.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein.  Die beiden Beamten gabeln den RK-Mitarbeiter im Stadtzentrum Rotenburgs direkt vor dem Postgebäude auf. Stellt sich die Frage: „Hinten links oder rechts?“ Für ihn ist der „Deliquentensitz“ hinten rechts direkt hinter dem Beifahrer freigehalten worden. Links von ihm sitzt eine junge Dame, die ein Schülerpraktikum macht und mit den beiden Polizisten schon länger unterwegs ist.

„Uns ist soeben von der Leitstelle Lüneburg eine Verkehrsunfallflucht am Ellernweg in Rotenburg gemeldet worden. Da müssen wir sofort hin. Die Geschädigte wartet an ihrem Fahrzeug auf uns“, sagt Freißmann beim Einsteigen. Also ab in den Wagen, den Gurt anlegen – und schon gibt die Fahrerin Röhrs Gas, biegt in die Nödenstraße ein und fährt weiter Richtung Mühlenende.

Alena Röhrs notiert die Fakten zur Unfallflucht. Fotos: go

„Wir starten den Streifendienst während unserer Schicht in der Regel, ohne zu wissen, was auf uns zukommt“, klärt der Gesetzeshüter den Gast im Auto auf. Bereits nach rund fünf Minuten ist der Ellernweg erreicht. Dort steht eine ältere Dame neben ihrem VW Golf. Aufgeregt schildert sie der Polizei den Vorfall und zeigt auf die Fahrertür. Beruhigend auf die Geschädigte einwirkend, nimmt die Polizeikommissarin den Sachverhalt auf, während Freißmann damit beginnt, die beschädigten Stellen an der linken Autotür zu untersuchen und zu vermessen. Mit einer Rasierklinge schabt er Farbreste ab, die sowohl vom Verursacher als auch von der Grundierung des Golfs stammen könnten – da ist er sich nicht ganz sicher. Auch der Seitenspiegel ist beschädigt. Die genaue Zeit, wann es passiert ist, kann die Frau nicht nennen.

„Der Funkverkehr ist digitalisiert“

Nach der kompletten Aufnahme der Verkehrsunfallflucht meldet Röhrs der Einsatzleitstelle Lüneburg, dass die Streife wieder für Einsätze zur Verfügung steht. „Der Funkverkehr ist digitalisiert“, erklärt Röhrs, als sie mit dem Streifenwagen gegen 15.20 Uhr erneut Richtung Innenstadt fährt. Dabei haben die Gesetzeshüter immer die Augen offen, um Auffälligkeiten im Straßenverkehr sofort verfolgen zu können. Als ob sie die Gedanken des Gastes lesen könnten, sagt Freißmann plötzlich: „Manchmal hat man den richtigen Riecher, wenn etwas nicht stimmt, aber viele Sachen sind offensichtlich. So zum Beispiel wenn eine Ladung nicht gesichert ist.“ Dann ein Stopp der Polizisten auf dem Parkplatz zwischen dem Penny-Markt und Kik. Von dort aus beobachten sie den fließenden Verkehr Richtung Mühlenkreisel. „Hier kann man hervorragend sehen, ob jemand angeschnallt ist oder während der Fahrt ein Handy am Ohr hat“, erklärt Röhrs.

Zur Streife gehört nicht nur das Fahren

Einige ihrer Kollegen setzten sich vor Beginn der Streifenfahrt Schwerpunkte für Kontrollen, so zum Beispiel motorisierte Zweiräder oder Lastkraftwagen, bemerkt Freißmann „Zumeist aber warten wir während der Fahrt darauf, dass wir zu einem Einsatz gerufen werden.“ Der VW-Passat Kombi ist eines von mehreren Fahrzeugen, die Tag und Nacht in Rotenburg im Schichtdienst unterwegs sind, um, wenn es nötig ist, zu helfen sowie für Recht und Ordnung zu sorgen, klärt Freißmann auf. „Ist eigentlich festgelegt, wer das Fahrzeug lenkt?“ Die Frage kommt auf, während die Fahrt erneut Richtung Innenstadt geht. „Da sprechen wir uns problemlos ab.“

„Während unserer Dienstzeit fahren wir zwischendurch zur Wache, um schriftliche Dinge zu erledigen. Zur Streife gehört nicht nur das Fahren, sondern auch das Protokollieren der Einsätze“, beschreibt Röhrs ihre Tätigkeiten neben der Streifenfahrt. Oft würden sie mehr als die Hälfte der Arbeitszeit am Computer verbringen, erzählen die beiden. „Im konkreten Fall am Ellernweg müssen wir nachher eine Strafanzeige wegen Verkehrsunfallflucht dokumentieren und danach an den Ermittlungsdienst weiterleiten“, so Freißmann. Nun ist die Straße am Sande erreicht, und die Fahrt geht weiter zum Bahnhof. „Wird man eigentlich zum Streifendienst eingeteilt?“ Freißmann: „Nein, das kann jeder für sich selbst entscheiden, ob er lieber Streifen- oder Ermittlungsdienst macht.“

Christopher Freißmann bei der Schadensanalyse.

Sehr viele Frauen haben sich übrigens für den Polizeidienst entschieden. Das ist reichlich bekannt. Was hat sie bewogen, zur Polizei zu gehen? Röhrs: „Viele Leute denken, wir Frauen seien körperlich unterlegener als Männer. Da haben wir die Zweifler bereits eines Besseren belehrt. Zudem gibt es Situationen, die Frauen besser als Männer erledigen können“, sagt sie und nennt das Stichwort Empathie. Inzwischen ist der Bahnhof erreicht. Allein die mehrmalige Präsenz dort halte unter anderem die Fahrraddiebe fern, kommt prompt eine plausible Erklärung von Röhrs für den Schwenker in den Bahnhofsbereich.

Kontrolle verläuft sehr ruhig

Auf der Rückfahrt zur Redaktion halten die Polizisten den Fahrer eines kleinen Lieferwagens zur allgemeinen Verkehrskontrolle an. Die Kontrolle verläuft sehr ruhig und im freundlichen Ton. Bis auf den Fahrzeugschein hat der Fahrer alles Geforderte dabei. Röhrs verwarnt den Fahrer mündlich und der wiederum verspricht, fortan immer daran zu denken, vor der Fahrt zu kontrollieren, ob er alle Papiere dabei hat. Dann geht es schon zurück zur Redaktion der Rotenburger Kreiszeitung, und die Beamten machen alleine weiter.

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