Rotenburg braucht keinen Pressesprecher

Bürgermeister Andreas Weber (SPD). - Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Rotenburgs Nachbarstadt Verden sucht zurzeit einen Mitarbeiter, der sich künftig um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern soll. Vier Kernpunkte dieser Aufgabe sind in der Ausschreibung umrissen: Es gehe um die kontinuierliche Beobachtung der sozialen Medien auf relevante Themen, außerdem darum, durch „zutreffende Informationen in den sozialen Medien die reale Lage in der Stadt“ darzustellen und „Falschdarstellungen mit Fakten“ zu widerlegen.

Aufbau und Umsetzung einer digitalen Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerinformation für die Stadt Verden sowie die Unterstützung der Stadtverwaltung für eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit runden den Job ab. 

Da stellt sich die Frage, ob Rotenburg – zwar etwas kleiner als Verden – auch darüber nachdenkt, einen Pressesprecher einzustellen: „Nein“, sagt Bürgermeister Andreas Weber (SPD). Und: Die Stadt werde vorerst auch keinen eigenen Auftritt in den sozialen Medien an den Start bringen.

„Ich kenne die Lage in Verden nicht“, sagt Weber. Es sei aber durchaus richtig, soziale Medien wie Facebook und Twitter zu beobachten. „Deshalb bin ich selbst dort auch sehr viel unterwegs“, erklärt er auf Anfrage der Kreiszeitung. Ihm gehe es darum, nachvollziehen zu können, was dort passiert und wie über ganz bestimmte Themen diskutiert wird. 

Und wenn es aus seiner Sicht erforderlich ist, könne er auch intervenieren – über sein eigenes Profil, aus dem allerdings klar hervorgeht, dass er in Rotenburg Bürgermeister ist. Als solcher meldet er sich dann auch immer wieder an unterschiedlichen Stellen des Netzwerkes zu Wort.

Die strategische Pressearbeit erledigt der Chef selbst

Weber unterscheidet zwischen der strategischen und der operativen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Der strategische Teil sei Chefsache im Rathaus. Weber lädt regelmäßig zu Pressegesprächen ein und weiß, dass die Beiträge zu einem recht großen Teil auch über die sozialen Medien zur jeweiligen Homepage verlinkt werden. Er selbst allerdings entscheidet, wann und womit die Stadt an die Öffentlichkeit herantritt. Der operative Teil der Pressearbeit liege derweil bei den Amtsleitern sowie bei Sachbearbeitern im Rathaus.

„Sie können zielsicher rassistische Hetze und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit entlarven und als Vertreter der Stadt mit Fakten und Informationen überzeugen.“ Unter anderem damit umreißt die Stadt Verden das gewünschte Profil ihres künftigen Mitarbeiters in der Öffentlichkeitsarbeit. Denn: „Der Rat der Stadt Verden hat Maßnahmen für mehr Sicherheit in der Stadt beschlossen. Dazu soll auch die Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere in den sozialen Medien verstärkt werden“, heißt es in der Ausschreibung. 

Ohne das Verdener Vorgehen bewerten zu wollen, sagt Weber, dass er einen solchen Schritt für Rotenburg nicht als erforderlich betrachtet. „Es gibt in Rotenburg viele Menschen, die bei derart negativen Beiträgen mit ihren Botschaften gegensteuern.“ Und er selbst orientiere sich täglich über die aktuelle Beitragslage bei Facebook, reagiere zudem an Stellen, wo er es für erforderlich hält. Das sei, sagt Weber, auch ein Teil seiner Aufgabe.

Gegenzusteuern sei bisher immer gut gelungen, sagt Weber

Auch dann, wenn es um die Flüchtlingsthemen in Rotenburg geht, sei es bislang immer gelungen, erfolgreich gegenzusteuern. Gehe es um das Sicherheitsgefühl in einer Stadt, dann spielten nicht nur Zahlen aus der Kriminalstatistik – beispielsweise bezogen auf Einbrüche und Gewalttaten – eine Rolle. „Ordnung, Sauberkeit, Farbvandalismus oder auch Radfahrer in der Fußgängerzone“ seien wichtige Aspekte. Die Kriminalitätszahlen in Rotenburg seien aber eben nicht ausufernd hoch, und die Stadt setze viel daran, Rahmenbedingungen zu schaffen, die dem Sicherheitsgefühl guttun.

Was das Thema Flüchtlinge betrifft, sei es immer dann schwierig, wenn einzelne Kriminalitätsfälle für bundesweites Aufsehen sorgten. „Da ist es immer wichtig, auf die objektive Lage zu schauen“, sagt Weber. Mit den Flüchtlingen steige auch die Einwohnerzahl einer Stadt wie Rotenburg. 

Mehr Menschen hätten grundsätzlich mehr Kriminalität zur Folge. Die Quote der Flüchtlinge sei aber eben nicht höher. Gehe es um das Sicherheitsgefühl, sei es gut, wenn eine Stadt wie Rotenburg an ihren integrativen und auch präventiven Maßnahmen festhält. Weber nennt in diesem Zusammenhang die Streetworker, die Arbeitskreise, Sportprojekte und die gesamte Arbeit des Präventionsrates.

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