Der Stratege

Eike Holsten will für die CDU in den Landtag

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Wenn Eike Holsten zurzeit ein Spiel aus dem Regal greift, dann nur eines, bei dem die beiden Kinder mit von der Partie sein können. Denn momentan kommt die Familie etwas zu kurz.

Rotenburg - Von Guido Menker. Es gibt Dinge, die lassen sich nicht planen. Eike Holsten spielt damit auf den November vergangenen Jahres an. Mechthild Ross-Luttmann hatte erklärt, dass sie nach 15 Jahren nicht noch einmal für die CDU antreten wolle und damit definitiv nach Ablauf der Legislaturperiode den Landtag verlassen möchte. „Solche Gelegenheiten tun sich nicht oft auf“, sagt Holsten.

Das Zeitfenster für eigene Überlegungen war begrenzt – am Ende hat er sich entschieden, parteiintern seinen Hut in den Ring zu werfen. Die erste Hürde hat er genommen: Am 15. Oktober steht nun sein Name als CDU-Direktkandidat auf dem Stimmzettel.

Abendfüllende Spiele mit den drei Brüdern

Eike Holsten möchte bei dieser Landtagswahl das schaffen, was seiner Chefin Kathrin Rösel bei der Bundestagswahl am 24. September nicht gelungen ist: das Direktmandat holen. „Ihre Voraussetzungen waren völlig anders“, sagt der 34-Jährige bei einem Cappuccino am Esstisch in seinem neuen Eigenheim, das er mit seiner Frau Katrin und den beiden Kindern vor einem Jahr bezogen hat. Und doch: Eigentlich muss der junge Politiker nur schaffen, was Kathrin Rösel gelungen ist: „Im Altkreis hatte sie die Nase vorn.“

An der Wand hinter dem Esstisch, gleich neben dem großen Fenster, das einen Blick ins Grüne eröffnet, wird dem Besucher deutlich: Eike Holsten muss ein Faible für Strategie und Taktik haben. In dem Regal türmen sich haufenweise Gesellschaftsspiele. „Aber seitdem meine Kandidatur feststeht, komme ich gar nicht mehr dazu.“ Eigentlich trifft er sich gerne mit seinen drei Brüdern, um abendfüllende Spiele auf den Tisch zu packen. Das muss warten. Jetzt dreht sich alles um den Wahlkampf. „Leider auf Kosten des Familienlebens“, sagt Holsten.

Ross-Luttmann unterstützt Holsten im Wahlkampf

Es klingelt. Ein Paketbote bringt die Prospekte im quadratischen Format, die Holsten für seine Hausbesuche benötigt, die in diesen Tagen anstehen. Dazu Info-Stände und die Herbstgespräche in den sechs Städten und Gemeinden des Altkreises. Volles Programm also. Der Terminkalender ist gut gefüllt. Aber auch als Neubewerber weiß er um seine Favoritenrolle. Und ganz bewusst weist er darauf hin, dass es um die Nachfolge von Mechthild Ross-Luttmann geht. Sie hilft ihm im Wahlkampf – so, wie auch viele andere Parteifreunde. Doch er sei Einzelkämpfer, sagt er. Er könne noch nicht auf Mitarbeiter zurückgreifen, wie er einer war. Erst acht Jahre lang für Reinhard Grindel, danach ein Jahr für Kathrin Rösel. Jetzt ist er im unbezahlten Urlaub.

In Bremen hatte Holsten, der gebürtig aus Zeven kommt und in Tarmstedt aufgewachsen ist, nach dem Abitur 2002 Politikwissenschaften studiert. Und als seine Frau ihr Referendariat an der Stadtschule in Rotenburg begann, zogen die beiden an die Wümme. Eike Holsten begann als studentischer Mitarbeiter im Büro des Bundestagsabgeordneten Reinhard Grindel, es folgte ein Praktikumsjahr in Berlin bei der Adenauer-Stiftung sowie im Adenauer-Haus. Das war 2006. Zwei Jahre später hatte er bei Grindel einen festen Job. „Ich weiß also, was auf mich zukommt“, sagt er. Dabei weiß er auch, dass er von Reinhard Grindel viel gelernt habe und einiges von ihm auf ihn abgefärbt hat. „Manchmal, wenn ich mich frage, wie ich gerade reagiere, weiß ich genau, woher das kommt“, erklärt Holsten schmunzelnd. „Dann muss ich manchmal auch etwas lachen.“ Mit Grindel stehe er auch heute noch in Kontakt, sie schreiben sich, manchmal treffen sie sich auch. „Er war früh eingeweiht, als es um meine Kandidatur ging. Ich schätze seinen Rat.“ Was den Vergleich mit dem heutigen DFB-Präsidenten angeht, sagt Holsten: „Es ist doch normal, in gelernte Strukturen zu verfallen, weil die einem auch Sicherheit geben – das mache ich nicht bewusst.“ Die Loyalität Grindel gegenüber sei aber ungebrochen. „Ich kann nichts Schlechtes daran finden, aber ich habe auch meinen eigenen Stiefel.“

Dabei spielt Strategie eine durchaus große Rolle. Die sorge für eine Struktur. Aber das gehe nicht immer. Strategie hätte die Möglichkeit für eine eigene Kandidatur niemals so eröffnen können.

Wahlkampf auf Kosten der Familie

Hinter dem Wahlkampf, der draußen stattfindet, steckt viel Arbeit, die Holsten zu Hause erledigt. Auf Kosten der Familie. Aber so viel Zeit muss sein: Morgens startet die junge Familie gemeinsam in den Tag, und abends ist der Papa ebenfalls für seine Frau und die Kinder da. Zumindest zum Abendbrot und zum Zubettgehen der Kleinen.

Holsten hatte als Student recht klare Vorstellungen: Entweder wollte er im politischen Apparat arbeiten oder in die Öffentlichkeitsarbeit gehen. Beides hat er gemacht – jetzt strebt er selbst ein politisches Mandat an. Die aktuellen Themen liegen für ihn dabei klar auf der Hand: Bildung, ÖPNV mit der besseren HVV-Anbindung, die Ärzteversorgung auf dem Land, eine bessere Breitband-Anbindung sowie Sicherheit.

Im Rotenburger Stadtrat sowie im Kreistag möchte er zunächst weitermachen, und als Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes plant er, zumindest die aktuelle Amtszeit durchzuziehen. Wichtig ist ihm auch die ehrenamtliche Vorstandsarbeit im Verein Naturkindergarten. Viel mehr geht da nicht. Vor allem in Wahlkampfzeiten. Und aus dem Regal mit den vielen Spielen kommen daher – wenn überhaupt – derzeit nur die zum Zuge, bei denen die beiden Kinder mitmachen können. Die drei Brüder müssen sich noch eine Weile gedulden.

Der Überblick

Alle Kandidaten aus dem Wahlkreis Rotenburg und die Ergebnisse am Wahlabend finden Sie im Überblick bei uns.

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