Strandhouse läutet Jubiläumsjahr mit Kohl-Büfett und Larry Mathews ein

Irischer Seelenöffner mit schnellem Fiddlestrich

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Da staunte selbst der Meister: Nicole Indorf (2.v.r.) legte mit Freundin ein bühnenreife Steppnummer hin.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Was hat Grünkohl satt mit dem irischen Sänger Larry Mathews zu tun? „Ganz einfach – Grüner Kohl, Lieder von der grünen Insel!“, erklärte Strandhouse-Betreiber und -Chef Uli Schorpp die Kombination aus Kohl-Büfett und Konzert. Damit läutete die Party-Location am Rotenburger Weichelsee am Samstagabend zu ihrem 15-jährigen Bestehen das Jubiläumsjahr ein.

Zur Feier des Tages war der irische Singer-Songwriter und Stimmungsgarant Larry Mathews bei seinem nunmehr dritten Besuch in Rotenburg nicht als Duo, sondern mit seiner gesamten Band Blackstone aus dem Südhamburger Raum angereist. Zu Blackstone gehören Ralph Bühr an Gitarre und an der Mandoline und Bernd Haseneder an der Bodhrán, der Cajon und der Percussion. Henning Wulf komplettiert derweil die Band mit seinen sanften Whistles, einer präsenten Uilleann Pipe und seinem Banjo.

Und jeder der drei Blackstones setzte feine Aktzente: Henning Wulf an der Uilleann Pipe – der irischen, mit dem Ellbogen geblasenen Version des Dudelsacks – und sensibel eingesetzten Whistles machte Klassiker wie „Spanish Lady“ zum Hörgenuss. Bernd Haseneder sorgte an Bodrán und Cajon für Abgehrhythmen, und Ralph Bühr ließ zum schottischen Rebellensong „Jacobites“ die Gitarre singen, als hätte er bei Mark Knopfler gelernt.

Im Zentrum steht jedoch, wie sollte es anders sein, Mathews selbst. Mit den irischen Gassenhauern wie „Molly Malone“, „Dirty Ol‘ Town“ oder „Whiskey in the Jar“ (und davon landen an diesem schon einige in der Cola) bringt er das partyfreudige Publikum recht schnell von den Bierbänken auf die kleine Tanzfläche. Bei den instrumentalen traditionellen Tanzstücken, den hypnotischen „Jigs and Reels“ zur wahnwitzig schnellen Fiddle wird so mancher unvermittelt zum Michael Flatley. Nicole Indorf, die mit ihrem Freundeskreis hier die Kohltour enden lässt, legt spontan einen hinreißenden „Riverdance“ aufs Parkett. Ob sie das gelernt hat? Mitnichten, aber die Ausbildung im Stepptanz helfe „und bei dieser Musik lassen sich meine Füße eh nicht mehr kontrollieren“, meint die junge Frau. So muss Mathews denn auch mehrfach das Tempo herunterfahren und eine Ballade nachschalten, wenn sich die Balken im Partyzelt-Anbau wortwörtlich allzu sehr biegen.

„Eigentlich sind wir Psychologen“, meint der Mann mit der charismatischen Stimme bei einer Pause beim Bier am Tresen („Bitte ein Veltins, bloß kein Guinness – wir sind doch in Deutschland hier“). „Bei uns können die Leute einen Abend lang ihre Sorgen vergessen – wir sorgen dafür, dass es ihnen gut geht.“ Deshalb, so seine These, sei die irische Musik bei vielen Deutschen auch so beliebt: „Mal melancholisch, mal lustig und wild: Sie setzt Emotionen frei und öffnet die Seele.“ Und den weit über hundert Zuschauern geht es augenscheinlich gut, mehr als drei Stunden lang.

Doch Mathews kann weit mehr, jenseits des gut gelaunten Klischee-Iren mit dem teuflisch schnellen Fiddle-Strich und dem lustigen Akzent, der die Zuhörer in Begeisterung versetzt, wenn er „Luff“ sagt statt „Love“ . Mathews‘ eigene Stücke sind vielseitig, wunderbar melodiös wie „Picture of You“ mit Radiopotenzial oder das Liebeslied „Lay with Me“ und mitunter tiefsinning oder politisch. Das können die wenigen feststellen, die an diesem Abend auf die Texte achten. In „Can of Worms“ prangert er die Gleichgültigkeit der Gesellschaft an, das Weggucken bei Tabus.

Larry Matthews-Konzert im Strandhouse

Doch an diesem Abend im Strandhouse überwiegt die Psychologie der guten Laune. Die Symbiose aus Grünkohl und „Irish Songs“ findet sich gen Ende im irischen „Wild Rover“ zum deutschen Schunkler („Rottenburg, can you schunkel?“), bei dem die Zuschauer im Refrain „An der Nordseeküste“ parieren. Und wenn er kurz vor Ende singt: „No, nay, never, will I play the Wild Rover no more“, dann ist das gelogen: Die irischen Seelenöffner wird Mathews noch spielen, solange er eine Gitarre halten kann.

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