Planungsausschuss der Stadt empfiehlt Bebauung ohne Geschossbauten

Stockforthsweg II ist auf dem Weg

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Noch liegt die Fläche brach, auf der im kommenden Jahr das Neubaugebiet „An der Rodau“ entstehen soll. Nachdem nun der Streit um die bauliche Gestaltung beigelegt ist, könnten im kommenden Jahr die Bagger rollen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Kuh ist vom Eis. Oder, um in diesem Fall genauer zu sein: Die Geschossbauten sind raus. Der lange Streit um die Gestaltung der zweiten Ausbaustufe des Rotenburger Neubaugebiets am Stockforthsweg ist am späten Montagnachmittag mit der Empfehlung des Ausschusses für Planung und Hochbau zu Ende gegangen. Und das überraschend geräuschlos – nicht einmal die politische Debatte, wem dieser Erfolg zuzuschreiben ist, flammte neu auf.

„Man muss so etwas so gestalten, dass sich niemand als Verlierer fühlt.“ Die versöhnenden Worte des Ausschussvorsitzenden Oliver Credo (CDU) klangen angesichts des Wahlkampfes, der sich auch in der Debatte um das Gebiet „An der Rodau“ hochgeschaukelt hatte, überraschend zahm. Aber tatsächlich: Selbst Vertreter der „wilden“ Kleingärtner, von denen die massivste Kritik an großen Geschossbauten im neuen Wohngebiet geäußert worden war, klangen halbwegs zufrieden: „Demokratie heißt, Kompromisse einzugehen.“

So sieht der Kompromiss aus

Bürgermeister Andreas Weber (SPD) oblag es, diesen Kompromiss vorzustellen. Er basiere auf drei Säulen: Erstens Beibehaltung des Prinzips der Durchmischung unterschiedlicher Wohnformen, Einfamilienhäuser soll es ebenso geben wie Mietwohnungen. Also kleine und große Einkommen zusammen, entsprechend unterschiedliche gesellschaftlichen Schichten, Jung und Alt. Dafür werde aber zweitens auf Geschossbauten verzichtet, stattdessen soll das Ziel mit Reihenhäusern erreicht werden. Und schließlich werde die Zahl der Wohneinheiten insgesamt reduziert, sodass der Verkehr entsprechend nicht so stark steige, wie von den Anwohnern des ersten Bauabschnitts befürchtet. Mit einer Unterschriftenliste und zahlreichen Wortmeldungen bei einer Bürgerversammlung in der vergangenen Woche hatten sie ihren Befürchtungen Ausdruck verliehen, dass ihre Grundstücke an Wert verlieren, die Privatsphäre durch hohe Nachbarhäuser leide und der Verkehr stark steige. Weber lobte die „sachliche Diskussion“, die letztlich die meisten Ratsmitglieder, Parteien und die Verwaltung bewogen habe, für die neue Gestaltung des Gebiets zu plädieren.

Was das im Detail für Stockforthsweg II bedeutet, stellte Stadtplaner Clemens Bumann vor. Vorgesehen sind nun Baufelder für 48 Einfamilien- oder Doppelhäuser und zwei Parzellen mit einer Breite von 30 Metern für Reihenhäuser. Jeweils fünf, maximal sechs Wohneinheiten ließen sich dort schaffen, hieß es. Gibt es dafür allerdings keine Nachfrage und entsprechende Anträge von Investoren, könnten weitere Einfamilienhäuser entstehen. Sechs wären möglich, sagte Bumann, oder ebenso viele Doppelhäuser. Zudem wird eine Fläche für eine Wohngruppe der Rotenburger Werke reserviert.

Zweite Zufahrt wohl nicht möglich

Die Häuser dürfen wie im ersten Bauabschnitt maximal 8,50 Meter hoch gebaut werden. Die Grundflächenzahl wurde auf 0,3 gesenkt, sodass „nicht ganz so dicht gebaut“ werde. Auch die Erschließung über eine Straße im zentralen nördlichen Bereich, ein Spielplatz im südlichen Bereich und ein Rad- und Fußweg am Kleingartenverein vorbei direkt zur Bundesstraße 440 sind im Plan. Nicht verwirklichen lasse sich vermutlich eine zweite Zufahrt zum Wohngebiet, bremste Stadtplaner Bumann entsprechende Hoffnungen. Dazu sei die Landesbehörde aktuell wohl nicht bereit – auch wenn die Stadt diese oder zumindest eine Erweiterung der 70er-Zone grundsätzlich für sinnvoll halte.

Einzig die Grünen enthielten sich am Ende der Abstimmung. Sie kritisieren „vorgeschobene Argumente“, die dazu geführt hätten, die Geschossbauten fallen zu lassen. Ekkehard von Hoyningen-Huene: „Interessenten von Mietwohnungen haben keine Lobby.“ Ob die Pläne in dieser Art nun in die nächste Phase der öffentlichen Auslegung gehen, entscheidet morgen der Verwaltungsausschuss der Stadt.

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