Die Stimmung der Basis

CDU-Kreisverband: Mehrheit favorisiert Kramp-Karrenbauer als Bundesparteivorsitzende

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Kreisvorsitzender Marco Mohrmann (l.) und Bezirksvorsitzender Enak Ferlemann bei der CDU-Mitgliederversammlung in Mulmshorn.

Mulmshorn - Fifty-fifty, sagt die Strichliste von Marco Mohrmann (Rhadereistedt). Annegret Kramp-Karrenbauer oder Friedrich Merz? Für wen sollen die CDU-Delegierten bei der Wahl zum Bundesparteivorsitz im Rahmen der Regionalkonferenz am 29. November stimmen? Darum ging es am Sonnabend bei der Mitgliederversammlung des CDU-Kreisverbands in Mulmshorn.

Die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Mohrmann und Eike Holsten wollten für ihren Meinungsbildungsprozess die Stimmung an der Basis einholen. „Wir wollen ein Signal mit zur Regionalkonferenz nehmen, wohin die Reise geht“, sagte Kreisvorsitzender Mohrmann. Neben Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, auch AKK genannt, und Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz steht der als konservativ geltende Gesundheitsminister Jens Spahn. Das scheinen die drei Favoriten und namhaftesten Kandidaten der gut zwölf Bewerber. Der CDU-Landesverband Nordrhein-Westfalen hält sich bedeckt und hat auf eine Wahlempfehlung für den 7. Dezember verzichtet. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet äußerte vor wenigen Tagen in den Medien, dass Spahn sich unter den drei Kandidaten nicht durchsetzen wird. Auf Rotenburger Kreisebene wird das offenbar ähnlichgesehen: Der Name fiel in der Diskussion nicht ein einziges Mal.

Bevor Mohrmann seine Frage „Wie ist die Stimmungslage vor Ort?“ beantwortet bekam, lieferte Bezirksvorsitzender Enak Ferlemann ein Impulsreferat. Er ist parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Der Ton im Bundestag sei rauer geworden, befeuert durch die „vielen Rechten“, die zum Teil „echte Hetzparolen“ rausließen. Unterstützung bekommen die laut Ferlemann zum Teil noch von den Linken. „Manchmal stellen die sich gemeinsam gegen die anderen. Da ist die ,Weimarer Republik’ in klein wieder zu sehen.“ Die Bürger seien unzufrieden mit der Bundespolitik und damit, dass mehr untereinander, übereinander geredet werde. Schaden habe die Partei außerdem durch das „unerträgliche Verhalten Horst Seehofers“ genommen. Dafür bekam Ferlemann großen Zuspruch aus der Runde. „Wir müssen wieder besser miteinander umgehen. Und den Blick schärfen.

Marco Prietz für kürzere Amtszeiten

In der Runde in Mulmshorn kaum vorstellbar: Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel bis Ende der Legislaturperiode 2021 im Amt bleiben wird. Vor allem, wenn Merz gewählt werden sollte. Marco Prietz, stellvertretender Kreisvorsitzender: „Mit Merz wird es sehr schwer, drei Jahre nebenher zu regieren.“ Prietz sprach sich außerdem dafür aus, Amtszeiten stärker zu begrenzen. „18 Jahre sind einfach zu lang.“ Die Fähigkeit, Impulse zu liefern, würde in so einer langen Zeit nachlassen.

Klaus Rinck (Rotenburg) sprach sich für den Sauerländer aus: „Merz hat gezeigt, dass er eine breite Klaviatur spielen kann.“ Er sei der Mann, der die Stimmen von der AfD zurückholen könne. Eine klare Absage zu Merz kam aus den Reihen der Jüngeren. „Unsere Generation kennt Merz gar nicht“, sagte Marsha Weseloh (30, Scheeßel) stellvertretende Kreisvorsitzende und bekam von Madita Baden (Bartelsdorf), Schriftführerin bei der Jungen Union, Unterstützung: „Unsere Generation wird Merz nicht wählen.“

Dunja Zimmermann (Zeven) und Elke Twesten (Scheeßel) sprachen sich für AKK aus. „Sie kann regieren. Sie ist eine starke Frau. Ihr traue ich kontinuierliche Arbeit zu und sie deckt ein breites Spektrum ab und hat jetzt noch gar nicht alle Facetten gezeigt“, sagte Zimmermann. „Merkel und Merz wird nicht reibungslos vonstattengehen.“ Diese Ansicht vertraten einige in der etwa 30-köpfigen Runde. So auch Hans-Hermann Beneke aus Heeslingen, der zudem Stimmen auf dem Land eingefangen hat, die sich für AKK ausgesprochen haben sollen.

„Eine spannende Stimmungslage. Wir wollen nicht verheimlichen: Auf anderen Veranstaltungen ging es viel deutlicher in Richtung Merz. Er ist nicht der Konservative, er ist wirtschaftlich-liberal. AKK ist eine ausgesprochene konservative Frau. Das waren aufschlussreiche Reden, ein guter Austausch. Ich nehme das mit und denke darüber nach“, so Mohrmann. Beneke lieferte nach Mohrmann und Holsten das Schlusswort: „Wenn da oben mal in Frieden regiert werden soll, passen Angela und Merz nicht zusammen.“

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