Rat stimmt 4,5-Millionen-Euro-Projekt zu: Stufen 8 bis 10 in der Realschule

IGS wird eine Schule an zwei Standorten

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Die höheren Jahrgänge der IGS werden in der umgebauten Realschule unterrichtet.

Rotenburg - Von Michael Krüger. „Das ist ein harter Abend“, sagt Bürgermeister Andreas Weber (SPD) kurz vor Tagesordnungspunkt 13, die Stadtratssitzung am Donnerstagabend neigt sich schon Richtung Nacht. Grund- und Gewerbesteuern werden erhöht, der RSV erhält 72000 Euro für die Umkleidekabinen – zwei dicke Brocken sind bereits abgearbeitet. Letztlich muss sich der Verwaltungschef auch um das Thema „Entscheidung über die bauliche Entwicklung der IGS Rotenburg“ keine Sorgen machen. Der Verwaltungsvorschlag erhält die Mehrheit – ist aber weiter höchst umstritten.

Im Grunde sind sich alle einig. Politik, Verwaltung, Eltern, Schülerschaft: Alle wollen eine Schule an einem Standort. Doch dafür fehlt das Geld. Selbst mit den zusätzlichen Einnahmen aus den Steuererhöhungen 2016 kann sich Rotenburg im Grunde nichts leisten. Das hat Kämmerer Hans-Joachim Bruns zuletzt immer wieder verdeutlicht. Die Stadtkasse steckt tief im Minus, Besserung nicht in Sicht. Doch die neue Integrierte Gesamtschule (IGS), braucht Platz. Die Klassenstufen fünf und sechs haben den An- und Umbau an der Theodor-Heuss-Schule an der Gerberstraße bezogen, die siebten Klassen sollen künftig gleich nebenan einen Umbau beziehen. Nur wo es mit den Stufen acht bis zehn hingeht, war bis Donnerstagabend fraglich. Nun ist es amtlich: Sie werden in der Realschule in der Ahe unterrichtet. 4,5 Millionen Euro will sich die Stadt den entsprechenden Umbau für das pädagogische Konzept kosten lassen. Zur Finanzierung greift die Stadt auch verstärkt auf die Gewinne der Stadtwerke zurück. Von „300000 bis 400000 Euro“ spricht Bürgermeister Weber.

„Ihnen fehlt jedweder Realitätssinn“, donnert CDU-Fraktionschef Klaus Rinck in der emotional geführten Stadtratsdebatte in Richtung der Ratsmehrheit aus SPD und Grünen. „Wir können uns die 4,5 Millionen nicht leisten.“ Die CDU will wie die SPD grundsätzlich nur einen Standort, doch während die Sozialdemokraten ihrem Bürgermeister folgen, fordert die größte Ratsfraktion eine „Atempause“. Erst wenn die Stadtfinanzen wieder in geregelten Bahnen laufen, soll gebaut werden – an der Gerberstraße. Doch daraus wird nichts: „Glückwunsch zu diesem Erfolg, Sie haben die Machtprobe bestanden“, sagt CDU-Ortsverbandschef Eike Holsten in Richtung Weber. Nur unter „größter Drohkulisse“ zum Ende des Jahres habe der Bürgermeister seine Leute auf seinen Kurs bringen können. Und tatsächlich: Noch im Verwaltungsausschuss am Montag war der Beschlussvorschlag durchgefallen.

Nun aber gilt er. Und es heißt darin: „Die Klassenräume werden gemäß dem pädagogischen Konzept auf 90 Quadratmeter umgebaut. Alle anderen Räumlichkeiten werden kostenoptimiert umgesetzt beziehungsweise bestehende Räume werden für die IGS weiter genutzt.“ Auch eine Mensa wird gebaut. Für IGS-Schulleiter Sven Thiemer ist dieser „Kompromiss“ eine „solide Lösung“. Man müsse auch finanziell vernünftig denken. Schüler, Eltern und Lehrer hätten nun eine Perspektive, wie es mit der Schule in den kommenden Jahren weiter gehe. Bis die ersten Um- und Neubauten abgeschlossen sind, wird es aber noch einige Zeit dauern. Der nächste fünfte IGS-Jahrgang im Sommer wird in die Realschule ziehen.

SPD-Ratsfrau Marje Grafe ist anders als ihre Parteikollegen davon wenig begeistert. Die Schulausschuss- und Stadtelternratsvorsitzende stimmte als einzige ihrer Fraktion gegen die Vorlage. Sie befürchtet, die Entscheidung werde die Schule „für immer zerreißen“. Nur aus Angst vor Stillstand hätten viele Kollegen für Webers Vorschlag gestimmt – wo sie doch eigentlich auch die Ein-Standort-Variante bevorzugten. Nun sei die Chance, den Kindern das Bestmögliche zu geben, vertan: „Darunter werden alle nachfolgenden Generationen leiden.“

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