Lagerfeld und Carrell in einer Person

Stimmenimitator Jörg Knör begeistert Zuschauer in Rotenburger

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Jörg Knör imitierte und nahm Modedesigner Karl Lagerfeld aufs Korn.

Rotenburg - Was für ein Mann! Sie denken jetzt an breite Schultern und schmale Hüften? Dabei heißt es doch immer: Auf die inneren Werte kommt es an. Und die bewies Komiker Jörg Knör am Sonntagabend im Wachtelhof in Rotenburg.

Denn Knör begegnet seinem Publikum mit einer entwaffnenden Freundlichkeit. Sie ist gebend. So will er sein. Aus Erfahrung weiß der Hamburger Entertainer, wie viel er dafür zurückbekommt. Bissig kann Knör als Komiker natürlich auch – und anzüglich. Und beides nicht zu knapp.

Kein Abdriften unter die Gürtellinie

Aber unter die Gürtellinie driftet er niemals ab. Scheinbar mühelos gestaltet der 58-jährige „Filou“ mit Charme, Witz, Stil und Niveau sein dreistündiges Bühnenprogramm, wirft lässig mit knackigen Pointen um sich und integriert spielerisch spontane Improvisationen. Die ergeben sich durch Fragen ans Publikum und durch seinen Aufenthaltsort. Immer wieder taucht der Wachtelhof in seinen Späßen auf.

Ans Herz geht deshalb gleich seine erste Hommage des Abends: „Das ist ein ungewöhnlicher Ort für mich. Nicht die Bühne, sondern der Ort, an dem sie ist.“ Der Empfang im Wachtelhof habe eher privat gewirkt und der Eierlikör als Einstiegsdroge verwöhnt. Der Satz „Eigentlich bin ich hier nicht mehr nötig, zum Verwöhnen. Aber ich fühle mich geehrt, hier die Sommerpause beenden zu dürfen“ klingt wie Understatement inmitten des opulenten und gleichzeitig schlichten Bühnenbildes vom Montmartre in Paris, dem Platz der Künstler. Dort habe er als Kind stundenlang gesessen und den Zeichnern über die Schulter geschaut. Nicht verwunderlich also, dass er wie „Oskar“, der Schnellzeichner aus der Fernsehshow „Dalli Dalli“ aus dem Handgelenk mit wenigen Strichen karikaturistisch Stimmzettel, Angela Merkel und Rudi Carrell auf den Flipchart zeichnet. Und eine Liebeserklärung an seine Frau. Offensiv und unverhohlen begegnet Knör seinem Publikum, dass ihm Respekt und Anerkennung durch Entgegenkommen, viel Beifall und Lacher zollt.

Liebevolle Imitation von Loki und Helmut Schmidt

Ein toller Auftakt auch noch für ihn an einem goldenen Oktobertag, nach einem grauen Septemberende. „Grauenvoll war auch der Wahlkampf“, sagt Knör, der ihn politisch langweilig fand. „Da haben wir schon ganz andere Kaliber erlebt“, sagt der Wahlhamburger und es wirkt, als würde er es wirklich sehr bedauern. Merkel und Schulz spielen in seiner Parodie nur eine Nebenrolle. Bei ihrer Erstwahl zur Bundeskanzlerin hat auch Knör zwar ein Kreuz für Merkel gemacht, aber nur weil „Ich wusste, die hat sich nicht hoch geschlafen.“

Liebevoll parodiert er Loki und „den großartigen“ Helmut Schmidt („den wirklich letzten ernst zu nehmenden Kanzlerkandidaten“) in unglaublich gekonnter mimischer und stimmlicher Art. Für diesen Akt darf der Entertainer sogar eine Zigarette auf der Bühne anzünden. Loki: „Helmut, sag mal, weshalb wolltest Du eigentlich keine Seebestattung? – Vielleicht aus Rücksichtnahme auf Dich. – Rücksichtnahme? – Ja, selbstverständlich; du mochtest schon zu Lebzeiten nicht, wenn überall meine Asche verstreut war“. Loki: „Was ist eigentlich aus dem Treffen mit Gott geworden? – Das ist abgesagt. – Ach, das ist ja schade. Schon das zweite Mal, das ist ja peinlich. – Werde ich ihm wohl einen zweiten Termin geben müssen.“ Das Publikum johlt, Knör holt zum Endspurt des Dialogs aus: „Mich juckt was, Loki. Kannst Du mich mal kratzen? Tiefer, da, wo die Federn anfangen.“ Loki: „Das ist ja witzig, wie früher, da hattest Du auch immer Probleme mit dem linken Flügel.“ Schmidt: „Das stimmt. Aber das juckt mich jetzt nicht mehr.“

Spott für Mario Barth

Kreativ, wie Knör nun einmal ist, entspringt auf einmal das Gesicht Lagerfelds aus einer Einkaufstüte. Wie kein zweiter parodiert er den Modedesigner. Zum Wegwerfen. In Personalunion rockt Knör als Udo Lindenberg, Xavier Naidoo und Helge Schneider, lässt Rudi Carrell und Victor von Bülow sowie viele Gesangsgrößen wie Sammy Davis Junior, Gilbert Becaud, Jopie Heesters und Frank Sinatra noch einmal auf die Bühne treten. Liebevoll imitiert er Reiner Calmund und verspottet – allerdings ernst gemeint – Mario Barth. „Der kann nur keckern und laufen“, sagt Knör.

„Alle elf Minuten verliebt sich ein Künstler in sein Publikum“, hatte der 58-Jährige zu Beginn seiner Show gesagt. Im Wachtelhof verliebte sich das Publikum alle elf Minuten in Knör – oder sogar häufiger.

bd

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