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Stimmen aus Afghanistan: Fotos und Lesung im Rotenburger VHS-Foyer

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Von: Guido Menker

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Der Fotograf Sulaiman Edrissy macht die Burka zu seinem Thema. © Edrissy

„Stimmen aus Afghanistan“ heißt die Fotoausstellung des gebürtigen Afghanen Sulaiman Edrissy im Rotenburger Kantor-Helmke-Haus, die mit einer Lesung gepaart ist.

Rotenburg – Es wirkt fast so, als musste es so sein, dass sich diese drei Frauen irgendwann einmal zusammenfinden, um gemeinsam Projekte auf die Beine zu stellen. Inzwischen ist es die dritte Veranstaltung, die Martina Hoffstedt als Ehrenamtskoordinatorin des Diakonissen-Mutterhauses, Buchhändlerin Cornelia Mansfeld sowie Kerstin Blome als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Rotenburg möglich machen.

Die Anliegen dieser drei Frauen liegen sehr nah beieinander – eine gute Konstellation also. Und eben die nutzen sie, um Themen ganz gezielt in den Fokus zu rücken, die ihnen wichtig sind.

Unter der Überschrift „Stimmen aus Afghanistan“ laden sie für Dienstag, 21. Juni, um 18 Uhr zu einer Vernissage in das Kantor-Helmke-Haus ein. Der in Bremen lebende, gebürtige Afghane Sulaiman Edrissy stellt dort bis Ende Juli zwölf seiner Fotografien aus der Reihe „Geschichte hinter der Burka“ aus. Eine Stunde später beginnt passend dazu eine Lesung der Autorin Nahid Shahalimi. „Wir sind noch da!“ lautet der Titel ihres Buches über mutige Frauen aus Afghanistan.

Für ihr Buch ist die seit 2000 mit ihren Töchtern in München lebende Shahalimi nach Afghanistan gereist und hat dort Frauen und Mädchen getroffen, um mit ihnen über ihre Träume, über Mut, und Trauer, aber auch über Lebensfreude zu sprechen. Entstanden ist ein aufrüttelndes Buch mit 13 Geschichten von hochkarätigen und couragierten Frauen, verbunden mit dem Appell, afghanische Mädchen und Frauen nicht zu vergessen. „Diese Frauen sind keine Opfer. Sie brauchen kein Mitleid, sondern Leute, die ihnen zuhören. Wir brauchen Räume, Plattformen“, sagt die Autorin selbst. Und das alles, damit sie nicht vergessen werden.

Doch genau das geschieht, seitdem die amerikanischen Soldaten und mit ihnen am Ende unter anderem auch die aus Deutschland das Land verlassen haben. „Uns beschäftigt, dass die Lage in Afghanistan nahezu komplett von der Bildfläche verschwunden ist“, erklärt Martina Hoffstedt. Cornelia Mansfeld glaubt nicht zuletzt angesichts des Buches von Nahid Shahalimi, „dass Kunst eine gute Möglichkeit ist, die dortigen Lebensbedingungen für Frauen und Mädchen aushalten zu können“.

Kerstin Blome (v.l.), Cornelia Mansfeld und Martina Hoffstedt laden zu einer Vernissage und anschließender Lesung in das Kantor-Helmke-Haus ein.
Kerstin Blome (v.l.), Cornelia Mansfeld und Martina Hoffstedt laden zu einer Vernissage und anschließender Lesung in das Kantor-Helmke-Haus ein. © Menker

Doch diese Möglichkeit haben eben nicht alle Frauen, und die Situation werde zunehmend schlimmer, weiß auch Kerstin Blome: „Es geht um die Verbannung der Frauen aus dem öffentlichen Leben.“ Und das treffe alle, also auch die, die anders aufgewachsen und zur Schule gegangen seien, gearbeitet haben und ein halbwegs gutes Leben hatten. Damit ist nun Schluss nach der Machtübernahme der Taliban.

Ziel sei es, mit dieser Veranstaltung „die stereotype Wahrnehmung zu durchbrechen“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte. Martina Hoffstedt wiederum kennt den Fotografen Sulaiman Edrissy schon seit längerer aus der gemeinsamen Arbeit für die Arbeiterwohlfahrt in Bremen persönlich. Edrissy lebt und arbeitet dort seit 2014. „Edrissy zeigt, dass die Frauen unter der Burka nicht nur unsichtbar sind, sondern dass die Welt damit für sie praktisch nur begrenzt sichtbar ist“, betont Hoffstedt. Der Fotograf selbst schildert vorab: „Es ist schwer, über Afghanistan zu sprechen, ohne an die Burka zu denken.“ In seinen neuesten Arbeiten habe er versucht, das Leben afghanischer Frauen und all die Härten zu reflektieren, die sie ertragen. „Verkleidungen wie die Burka haben sie isolierter gemacht und sind praktisch die Ursache ihrer Marginalisierung.“ Diese Art der Verschleierung von Frauen schränke nicht nur ihre Identität sein, sondern sie schränke auch ihre Präsenz in sozialen, wirtschaftlichen, pädagogischen und künstlerischen Bereichen ein, unterstreicht der Fotograf. Er wolle schlechte Traditionen kritisieren, die zu einem Brauch und einer Kultur geworden seien. Edrissy: „Meine visuellen Kunstwerke handeln von der Situation in Afghanistan und einer Art, meine eigene Identität und Rolle in der Gesellschaft zu hinterfragen.“ Inzwischen ist er selbst deutscher Staatsbürger.

Die drei Initiatorinnen dieser Veranstaltung im Foyer des Kantor-Helmke-Hauses am Kirchhof freuen sich auf möglichst viele interessierte Besucher. Eintrittskarten für fünf Euro sind in der Buchhandlung Müller an der Goethestraße und auch an der Abendkasse – dann für acht Euro – zu haben.

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