Lesung mit dem Titel „Aus dem Gepäck der Kriegskinder”

Stille Nachdenklichkeit in der Cohn-Scheune

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Ortrud Staude, Mathias Groll, Inge Buck, Hartwig Struckmeyer, Siegfried Marquardt und Claudia Koppert vor der Cohn-Scheune in Rotenburg.

„Wir fangen an, sonst werden es noch mehr“, sagte Claudia Koppert, Mitglied des Beirats der Stiftung Cohn-Scheune und Initiatorin der Lesung „Aus dem Gepäck der Kriegskinder”. Das kleine jüdische Museum am Kirchhof war am Dienstag voll besetzt. So groß war das Interesse an der Lesung der vier Autoren aus Bremen: Inge Buck, Hartwig Struckmeyer, Mathias Groll und Siegfried Marquardt. Zeitzeugen eines der dunkelsten Abschnitte deutscher Geschichte – die Nazi-Diktatur von 1933 bis 1945. Wenige Jahre vor beziehungsweise während des Zweiten Weltkriegs waren diese „Kriegskinder” zur Welt gekommen. Die Vergangenheit ist bei ihnen bis heute lebendig geblieben, hat sich eingeprägt.

Rotenburg - Aus der Sammlung „Aus dem Gepäck der Kriegskinder” trugen die 78- bis 82-jährigen Autoren von ihnen zu Papier gebrachte Texte vor. Ereignisse, die sie als Kinder erlebt und erlitten hatten. Vier weitere an der Anthologie beteiligte Autoren leben nicht mehr. Die Bremer Redakteurin und Kulturwissenschaftlerin Inge Buck, die das Buch herausgegeben hat, am Dienstag dazu: „Die Toten sind dabei, in ihren Texten.”

Obwohl Jahrzehnte zwischen den Vorkriegsjahren, dem Zweiten Weltkrieg und den ersten „Gehversuchen” der Demokratie liegen, wurde in den Geschichten des Autorenquartetts immer wieder deutlich, wie tief die Spuren sind, die diese relativ wenigen Jahre hinterlassen haben.

Neben Inge Buck beschrieben der Mediziner Mathias Groll, der Theologe Siegfried Marquardt und der Lehrer und Verlagslektor Hartwig Struckmeyer in ihren Beiträgen Erlebtes aus dem eigenen Leben, der Kindheit und der Jugendzeit. Die vielen Facetten der Menschen, angefangen bei elterlicher Liebe, der Verführung junger Menschen durch ein raffiniert kalkulierendes Regime, die Grausamkeit des Kriegs, der Hass auf alles andere und schließlich die versöhnliche Freundschaft und Liebe.

Die anderthalbstündige Lesung in der Cohn-Scheune, musikalisch mit Akkordeon von Ortrud Staude begleitet, löste sehr viel stille Nachdenklichkeit bei den Besuchern aus. Eigene Schuldgefühle und Traumata wurden wach. Eine 82-Jährige: „Ich weine noch heute, weil ich mich als Kind schuldig fühlte, dass mein Vater in den Krieg ziehen musste.”

Ein Besucher, ehemaliger Schüler des Lehrers und Autors Hartwig Struckmeyer meinte, nie habe Struckmeyer vor seinen Schülern über eigene Erlebnisse während des Kriegs gesprochen. Dankbar sei er seinem Lehrer, was dieser ihm für das eigene Leben mitgegeben habe.

„Bis heute kann ich nicht begreifen, warum sich Menschen gegenseitig umbringen und nicht Frieden bewahren können“, sagte ein anderer Besucher. Dazu Struckmeyer, nach der eigenen Meinung gefragt: „Ungeheure Resignation.”

Claudia Koppert und Inge Hansen-Schaberg, die Vorsitzende des Rotenburger Fördervereins Cohn-Scheune, bedankten sich am Ende bei den Gästen aus dem benachbarten Bremen.

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