Stephan Vopel stellt Bertelsmann-Studie zur Beziehung Deutschland-Israel vor

Ein freundliches Händeschütteln reicht nicht

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Israel-Experte Stephan Vopel sprach zur Bertelsmann-Studie, die das Miteinander der beiden Länder Deutschland und Israel beleuchtet.

Rotenburg - Von Wieland Bonath. 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz und angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Holocaust-Überlebenden inzwischen sehr gering geworden ist, war es ein Versuch, die von viel Leid und Grausamkeit geprägte Geschichte bis in die Gegenwart auszuloten: Stephan Vopel, Direktor der Bertelsmann-Stiftung und Israel-Experte, sprach am Dienstagabend im Ratssaal auf Einladung des Fördervereins Cohn-Scheune zu der von der Stiftung abgeschlossenen Studie „Deutschland und Israel heute. Verbindende Vergangenheit – trennende Gegenwart“.

50 Jahre nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland ist die Studie eine umfassende Befragung eines repräsentativen Bevölkerungsschnitts der Bundesrepublik, verglichen mit der jüdischen Israels. Wie sehen sich Vertreter unterschiedlicher Generationen im heutigen Miteinander, was denken sie über das Morgen, wie beurteilen sie die Wunden der Vergangenheit? In der Bertelsmann-Studie, aus der Vopel zitierte, heißt es: „Seit Aufnahme diplomatischer Beziehungen haben sich Israel und Deutschland einander in erstaunlicher Weise angenähert. Allerdings sehen Deutsche Israel deutlich kritischer als umgekehrt. Und gerade bei der jüngeren Generation in beiden Ländern gibt es einen Trend zur Entfremdung.“

36 Prozent der Deutschen haben eine gute Meinung, 48 Prozent hingegen eine schlechte Meinung über Israel. Unter den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 54 Prozent. Hingegen ist die Haltung zur israelischen Regierung deutlich ablehnender: 62 Prozent der Deutschen bewerten sie negativ. Fazit: „Damit ist die Haltung der Deutschen zu Israel ablehnender als die Haltung jüdischer Israelis gegenüber Deutschland.“

Vopel, der in Israel studiert und lange gelebt hat, stellte grundsätzlich fest: „Telefonische Befragungen haben ihre Grenzen.“ Schon die Form der Fragestellung könne das Ergebnis beeinflussen. Der Referent, der die Besucher mit einem Wust von Daten informierte, stellte Inhalte der Bertelsmann-Studie, ob Geschichte, Politik oder Kultur, in ihrer ganzen Bandbreite vor. Je jünger die deutschen Befragten gewesen seien, umso stärker sei ihre Bereitschaft gewesen, einen Schlussstrich unter die schreckliche Vergangenheit zu ziehen. Stephan Vopel: „Es gibt ein großes Bedürfnis nach Normalität.“ Wir müssten, so der Referent, mehr Gelegenheiten schaffen für direkte Begegnungen zwischen den Jugendlichen beider Länder.

Im Zusammenhang mit dem Antisemitismus kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass klassische antisemitische Einstellungen schwächer werden: „23 Prozent der Deutschen meinen, Juden hätten auf der Welt zu viel Einfluss. Zu Beginn der 90er Jahre sagten das noch 36 Prozent. Anlass zur Sorge bereiten hingegen Äußerungen eines israelbezogenen Antisemitismus.“ Und weiter: „35 Prozent der Bundesbürger setzen die israelische Politik gegenüber den Palästinensern mit dem Nationalsozialismus gleich.“ Grundsätzlich gelte: „Je niedriger der Bildungsstand, desto größer die Vorurteile.“ Vopel zu den Beziehungen zwischen Israel und Deutschland: „Wir brauchen auch in Zukunft das Gespräch, freundliches Händeschütteln reicht nicht.“

Eine längere Diskussion zwischen den Besuchern und dem Referenten schloss sich an. Eine Fülle von Fragen, bezogen auf die Vergangenheit, auf das Heute und die Zukunft, die Vopel „zutiefst pessimistisch“ sieht, schloss sich an. Er sehe für die Israelis diesen Auftrag: „Die Vergangenheit darf sich nicht wiederholen.“ Michael Schwekendiek, Vorsitzender des Rotenburger Fördervereins Cohn-Scheune zu Vopels Vortrag: „Das war eine sehr fundierte und sachliche Darstellung.“

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