Rotenburg zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Steigende Immobilienpreise: Wer soll das bezahlen?

Im hinteren Bereich des Neubaugebiets an der Brockeler Straße in Rotenburg wird weiterhin fleißig gebaut.
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Im hinteren Bereich des Neubaugebiets an der Brockeler Straße in Rotenburg wird weiterhin fleißig gebaut.

Rotenburg – Nach einer Spiegel-Umfrage wollen 84 Prozent der Deutschen ein Eigenheim. Tatsächlich wohnen aber nur gut 50 Prozent in den eigenen vier Wänden, im Landkreis Rotenburg liegt die Quote mit mehr als 60 Prozent wie in vielen ländlichen Gebieten höher. Wunsch und Wirklichkeit klaffen trotzdem auch hier immer weiter auseinander. In Großstädten und Ballungsräumen gibt es kaum noch Grundstücke oder Häuser, die zum Verkauf stehen. Und wenn, dann wird es richtig teuer. Angebote in Millionenhöhe für ein Einfamilienhaus in und um Hamburg sind häufiger als die, die deutlich drunter sind.

In Bremen sieht es zwar etwas besser aus, aber günstig ist auch dort nichts. Wenn es denn überhaupt was im Angebot gibt. Vielleicht aus diesem Grunde, aber auch, weil sich herumgesprochen hat, dass das Wohnen auf dem Lande – nicht nur in Corona-Zeiten – viele Vorteile hat, hat längst der Run auf die Gemeinden der Umgebung eingesetzt. Nur: Da ist der Markt auch wie leer gefegt.

Ganz schlecht in Rotenburg, ziemlich schlecht in Scheeßel. Ebenso in Lauenbrück oder Sottrum. Vor allem ziehen auch dort die Preise massiv an. Grundstücke, die mehr als 300 Euro pro Quadratmeter kosten, sind durchaus im Angebot – und meistens auch gleich weg. Bestehende Häuser in ansprechender Wohnlage, zum Beispiel am Rotenburger Mühlende, sind kaum mal unter 400 000 Euro zu bekommen. Wohnungsmieten liegen selbst in Sottrum teilweise schon über zehn Euro pro Quadratmeter.

„Es ist verrückt“, bemerkt Frank Neumann, Rotenburger Immobilienmakler und Bausachverständiger. Seiner Meinung nach spüre man in der Region längst den „Druck aus Hamburg“. Trotz aller Preissteigerungen lägen Wohnungs- und Hauspreise oft weit unter der Hälfte von dem, was dort verlangt würde. Und eine „Dreiviertelstunde fahren“ müsse man in Großstädten meistens auch, um zur Arbeitsstelle zu gelangen.

Auf die Frage, wieso die Preise so explodieren, meint Tanja Felgenhauer von der Sparkasse Rotenburg-Osterholz, dass „Geld zur Zeit günstig wie nie“ sei. Jedes Angebot – ob großzügige Mietwohnung, Grundstück oder Haus – sei „sehr schnell vom Markt“. Manchmal sei es interessant, was „Leute bereit sind zu zahlen“. Da geht als Abtrag oder Miete bei einem Paar durchaus schon mal ein Nettogehalt drauf, vermutet auch Neumann. Derartige Kosten, so der Makler, rührten auch daher, dass das Bauen selbst immer teurer werde. In der Tat sei zwar das Geld günstig zu bekommen, aber alleine Bauholz sei in den vergangenen zwölf Monaten „zu 100 Prozent teurer geworden, sonstige Baustoffe um 40 Prozent – Wahnsinn!“

Wo derzeit noch ein Acker ist, sollen demnächst auch Häuser stehen. Die Stadt hat eine Fläche am Grafeler Damm im Blick.

Wer in das Neubaugebiet am Brockeler Weg in Rotenburg fährt, staunt, wie viel dort gebaut wird. Clemens Bumann, Chef des städtischen Bauamts, vermutet, dass vieles in Eigenleistung und mit Freunden aufgebaut wird. Sonst könnten sich nur wenige einen Neubau leisten. Eine junge Familie musste dann auch feststellen, dass ihr ursprünglich geplanter Preis, mit dem sie vor Jahren mal ein Grundstück beantragt hatte, nur noch Makulatur ist. Im August soll ihr neues Haus fertig sein. Darüber sind sie erst einmal froh. Oft genug mussten sie erleben, dass der Bauunternehmer Probleme hatte, das nötige Material zu bekommen. Der Preis aber für das neue Zuhause ist ordentlich gestiegen.

Das nächste Neubaugebiet ist bereits in Planung. Bumann sieht derzeit ein größeres Interesse, eher am Mühlenende als am Brockeler Weg nochmals zu erweitern, obwohl die Erschließung dort günstiger wäre. Noch in diesem Jahr sollen daher etwa 50 neue Bauplätze am Grafeler Damm vergeben werden. Sein Kollege Flemming Worthmann hat dafür aktuell 598 Interessenten. Darunter auch Antragsteller aus den benachbarten Großstädten. Etliche werden mit Sicherheit wieder abspringen, aber die Zahl der Bauwilligen übersteige die der von der Stadt angebotenen Grundstücke bei Weitem.

Die Quadratmeterpreise werden zwar deutlich teurer als noch vor Jahren am Stockforthsweg, voraussichtlich aber, so Bumann, noch unter 200 Euro liegen. Kein Vergleich zu den Ballungsräumen der Großstädte. Trotzdem, so der Bauamtschef, „eine halbe Million Euro für ein Haus ist heutzutage nichts“.

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