Warten auf die große Lösung

Landkreis setzt auf elektronische Kontakttagebücher

Die Luca-App zur Kontaktdatenverfolgung
+
Nutzer der Luca-App müssen zunächst ihre Daten eingeben, die für die Kontaktnachverfolgung benötigt werden.

Rotenburg – In Bremen soll die Nutzung der Luca-App möglich sein, auch in den Landkreisen Osterholz und Cuxhaven. In der öffentlichen Diskussion erscheint sie derzeit als das Nonplusultra aller auf dem Markt befindlichen Lösungen zur elektronischen Kontaktnachverfolgung. Die Luca-App soll insbesondere für die Gastronomie der Königsweg heraus aus dem Lockdown sein:

Wer ein Restaurant oder eine Gaststätte betritt, scannt sich per Smartphone ein. Beim Verlassen erfolgt ein zweiter Scan. Jetzt sind alle notwendigen Kontaktdaten gespeichert. Mit der bisherigen Zettelwirtschaft ist Schluss.

Elektronische Kontaktnachverfolgung ist nach Angaben von Sprecherin Christine Huchzermeier auch für den Landkreis Rotenburg wichtig. Doch dem Hype insbesondere um die Luca-App möchten sich die Rotenburger nicht anschließen. „Weder Luca noch ähnliche Apps“ kommen demnach für das Gesundheitsamt infrage. Die Behörde setzt laut Huchzermeier auf „elektronische Kontakttagebücher“.

Sie betont darüber hinaus, dass der Landkreis beziehungsweise das Gesundheitsamt sowieso keine Kontaktnachverfolgungsapp einführen können. „Dazu müsste festgelegt werden, dass die Bürger elektronische Kontakttagebücher zu führen haben und diese dann im Bedarfsfall dem Gesundheitsamt zur Verfügung stellen müssen“, erklärt Huchzermeier.

Was in Asien möglich ist, nämlich die Daten eines jeden Covid-Patienten und seiner Kontaktpersonen zu erfassen, würde in Deutschland wohl als zu großer Einschnitt in die Grundrechte gewertet werden und spätestens vor dem Bundesverfassungsgericht scheitern.

Wenn aber doch Apps wie Luca verwendet werden, sieht Landrat Hermann Luttmann (CDU) darin grundsätzlich „eine Chance in der Kontaktpersonenverfolgung“. Dies teilt er den Grünen auf ihre Anfrage zu einer möglich Einführung der Luca-App mit: „Grundvoraussetzung ist, dass möglichst viele Menschen die App bei vielen Gelegenheiten (...) nutzen. Wichtig wäre daher zunächst ein breiter Konsens zur Nutzung der App in der Region unter den beteiligten Akteuren vor Ort.“

Und auch wenn es den Konsens geben sollte, so fehlt laut Landkreis eine wesentliche Voraussetzung: die notwendige Schnittstelle zu den App-Anbietern. Sie macht es erst möglich, dass das Gesundheitsamt im Falle einer Covid-19-Infektion anhand gespeicherter Daten die Kontakte der jeweils Betroffenen zurückverfolgen kann. Dies geschieht im Landkreis Rotenburg laut Huchzermeier mit dem vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und dem Robert Koch-Institut (RKI) im Auftrag es Bundes entwickelten Programms Sormas.

Gerade bei der Luca-App erscheint die fehlende Schnittstele erstaunlich, denn sie ist speziell auf Sormas hin gebaut worden. So preisen es die Macher an. Dahinter stehen laut Internetseite die Firma „neXenio“, eine „Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts“, die „Culture4Life“ aus Berlin sowie einige Kulturschaffende, zu denen auch die Fantastischen Vier gehören.

Sänger Smudo hatte in seinen Statements bei der Vorstellung der App stets mit der einfachen Einbindung in Sormas geworben. Warum es keine Schnittstelle gibt, ist nicht zu erfahren. Eine Anfrage per Email bleibt unbeantwortet und ein Telefonanruf scheitert an einer vollen Sprachbox.

Antwort auf diese und andere Fragen erwarten Experten gegen Ende des Monats. Dann soll der Quellcode der Luca-App veröffentlicht werden. Dazu sahen sich die Anbieter laut Medienberichten gezwungen, nachdem unter anderem Datenschützer und Netzaktivisten zum Teil massive Kritik am Umgang mit den Nutzerdaten geübt hatten. Vielleicht ist die Veröffentlichung des Quellcodes für den Landkreis die „größere/zentrale“ Lösung, auf die er wartet. „Es wäre relativ unökonomisch, wenn jedes Gesundheitsamt seine eigene Schnittstelle programmieren würde“, sagt Huchzermeier.

Die Luca-App ist nicht die einzige App zur Kontaktnachverfolgung. Suchmaschinen spucken ganz oben im Ranking drei weitere Angebote aus: „Vida“, „Shapefruit“ und „darfichrein“. Letztere ist bei einem sogenannten Hackaton der Bundesregierung im vergangenen Jahr entstanden.

Alle Apps arbeiten nach dem gleichen Prinzip: Die Kunden scannen sich per QR-Code ein. Ihre Daten werden verschlüsselt gespeichert. Zugriff auf die Daten haben nur die zuständigen Gesundheitsämter. Damit soll es ihnen möglich sein, die Kontakte von Betroffenen mit einer Covid-19-Infektion zu identifizieren und natürlich zu benachrichtigen.

Doch die Apps allein sind laut Landkreis nicht das sprichwörtlich Gelbe vom Ei. Die übermittelten Daten reichten längst nicht aus. Wer sich mit Covid-19 infiziert hat, müsse telefonisch, per E-Mail „oder als Datenexport aus einer App“ seine Kontaktpersonen übermitteln, so Huchzermeier: Die Kontaktpersonen werden von uns angerufen und befragt (...).“

Und: „Diese Befragung wird durch ein elektronisches Kontakttagebuch nicht ersetzt. Im schlimmsten Fall werden Unmengen von Daten elektronisch übermittelt, und wir haben ein Vielfaches der Arbeit, um über telefonische Befragung die relevanten Kontakte herauszufiltern.“

Auch die Corona-Warnapp ist inzwischen um die Möglichkeit zum Führen eines Kontakttagebuchs ergänzt worden. Diese Daten werden auf dem Smartphone gespeichert und müssen durch den jeweiligen Nutzer freigegeben werden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Meistgelesene Artikel

Diako-Pflegepersonal hat die Nase voll – und zieht Konsequenzen aus der Personalnot

Diako-Pflegepersonal hat die Nase voll – und zieht Konsequenzen aus der Personalnot

Diako-Pflegepersonal hat die Nase voll – und zieht Konsequenzen aus der Personalnot
Wahl in Sottrum: CDU nominiert Wolf Linne, doch der schmeißt hin

Wahl in Sottrum: CDU nominiert Wolf Linne, doch der schmeißt hin

Wahl in Sottrum: CDU nominiert Wolf Linne, doch der schmeißt hin

Kommentare