Die Statistik überrascht

Stadtbibliothek: Digitale Angebote im Trend, aber mehr Gäste

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Wer einen Lese-Tipp benötigt, ist bei Christine Braun an der richtigen Adresse.

Rotenburg - Christine Braun bringt ihre Begeisterung mit nur einem Wort auf den Punkt: „Sensationell!“ Damit meint die Leiterin der Rotenburger Stadtbibliothek die bisherige Resonanz auf das erst seit September angebotene Filmportal „Filmfriend“. Bis Ende des Jahres haben 155 Inhaber des Leseausweises die Möglichkeit genutzt, sich über das Portal kostenlos 468 Filme anzusehen. „Da hatte ich wohl den richtigen Riecher“, sagt Christine Braun und dokumentiert damit einen Trend, der sich nicht mehr aufhalten lässt. Die digitalen Angebote werden von den Rotenburgern sehr gut angenommen.

Immer dann, wenn die Leiterin der Stadtbibliothek ihre Jahresstatistik vorstellt, darf man auf die eine oder andere Überraschung gespannt sein. Auch diesmal gibt es an einer Stelle eine Entwicklung, die in dieser Form nicht zu erwarten war: Im vergangenen Jahr haben 70 000 Besucher die Eingangstür der Einrichtung im Kantor-Helmke-Haus passiert. Und das, obwohl alle Inhaber des Leseausweises sich zunehmend auch von zu Hause oder von unterwegs aus bedienen können – mit Lesestoff, mit Hörbüchern, mit Musik und auch mit Filmen. Wenn es also einen Beleg für die hohe Aufenthaltsqualität der Rotenburger Stadtbibliothek bedarf: Christine Braun kann ihn liefern, denn im Jahr zuvor hatte sie 7 000 Besucher weniger gezählt. „Die steigende Zahl der Besucher freut mich sehr“, sagt die Leiterin. Und auch sie ist überrascht: Denn im vergangenen Sommer war es erneut über lange Zeit sehr heiß – und eine Klimaanlage ist in der Stadtbibliothek nicht installiert. „Die Leute fühlen sich bei uns ganz offensichtlich sehr wohl. Und sie sitzen auch nicht nur im Lesecafé, sondern sind auch im Maker Space zu finden oder setzen sich an einen der Tische, um ein Spiel zu spielen.“ Es läuft also.

Gestiegen ist auch die Zahl der Ausleihen – von 3 544 auf 3 562. Und die haben sich insgesamt 151 497 Medien aushändigen lassen. Diese Zahl liegt leicht über dem Niveau des Vorjahres. Das gilt auch für die Zahl der Medien im Bestand der Stadtbibliothek: Sie sank nur leicht auf 26 455. Dennoch ging die Zahl der ausgeliehenen Printmedien nach oben – von gut 90 000 auf zuletzt fast 93 000. Zahlen, die Christine Braun und ihre Kollegen begeistern. Das gedruckte Buch ist also nach wie vor gefragt – allen voran eine Buchreihe von Lucinda Riley. „Die sieben Schwestern“ lautet der Titel – ihn in der Stadtbibliothek zu ergattern, ist allerdings fast unmöglich. So groß ist die Nachfrage. „Das ist der absolute Renner.“

434 und damit mehr als jeder zehnte Nutzer der Rotenburger Stadtbibliothek greift übrigens inzwischen auf die digitale Angebotsvielfalt der NBib24 zurück. Eine Entwicklung, die weiter nach oben geht. 15 117 Titel haben sie im vergangenen Jahr heruntergeladen und damit digital gelesen. Nicht nur für diesen Teil der Statistik gilt damit das Fazit von Christine Braun beim Blick auf die Zahl des vergangenen Jahres: „Es ist gut gelaufen im Großen und Ganzen. Wir haben viele Projekte umgesetzt – auch im digitalen Bereich.“ Und damit meint sie zum Beispiel den Einstieg in das Filmportal im vergangenen September.

Aber Christine Braun verschweigt auch nicht jene Stellen, an denen sich die Veränderungen der Gewohnheiten in unserer Gesellschaft ablesen lassen: „Bei den Musik-CDs hatten wir wirklich einen Einbruch.“ In früheren Jahren waren sie die Renner – inzwischen nutzen gerade die Jugendlichen kommerzielle Streamingdienste und nehmen dabei sogar die Werbung im kostenlosen Tarif in Kauf. Ein Wechsel auf „Freegal“ – ein Musik-Portal, das sich mit dem Leseausweis kostenlos nutzen lässt – kommt bei ihnen nicht so gut an, wie es sich Christine Braun erhofft hatte. Gerade einmal 72 Rotenburger Nutzer wurden im vergangenen Jahr registriert – und die brachten es auf gerade einmal 2 035 gestreamte Songs beziehungsweise 202 Downloads, teil die Bibliotheksleiterin mit.

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