Station in Rotenburg: „Cruise for Cash“ sammelt Geld für Flüchtlingsinitiative

„Blut, Schweiß, Tränen für eure Kohle“

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Auf dem Weg nach Hamburg haben Cornelius Kaup und Nicole Tzanakis einen Zwischenstopp in der Jugendherberge Rotenburg eingelegt und wurden von Bürgermeister Andreas Weber empfangen.

Rotenburg - Von Inken Quebe. 444 Kilometer auf dem Longboard von Düsseldorf nach Hamburg: Fünf Etappen mit Blut, Schweiß und Tränen, die Cornelius Kaup und Nicole Tzanakis noch am Freitagabend für den guten Zweck hinter sich bringen wollen. Vorher haben die zwei Düsseldorfer aber noch ihr Nachtlager in der Rotenburger Jugendherberge aufgeschlagen.

Gut haben die beiden geschlafen, erzählen sie beim Pressetermin am Morgen im Frühstücksraum. Cornelius Kaup schaut schon nervös auf die Uhr, es soll schnell weitergehen. Noch im Hellen will das Longboard-Duo, das sich „Cruise for Cash“ getauft hat, in der Hansestadt ankommen. Ein Ausflug, der nicht allein dem Selbstzweck dient. Tzanakis und Kaup wollten von Anfang an Spenden für ein gemeinnütziges Projekt sammeln. „Sozusagen Blut, Schweiß, Tränen für eure Kohle“, sagt der 39-jährige Fotoproducer. Dass es nun die Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative „Stay!“ geworden ist, die mit dem Geld unterstützt wird, liegt an der Situation in der Rheinstadt. „In Düsseldorf gibt es Ärger mit dem Pegida-Ableger Dügida“, erklärt Nicole Tzanakis. Die beiden, die in der alternativen Szene aktiv sind, wollen sich davon distanzieren. „Stay!“ ist eine gemeinnützige Organisation, die sich um die Belange von Menschen mit einer Migrationsgeschichte kümmert.

Nachdem also der Zweck der Aktion feststand, konnte es eigentlich losgehen. Aber: „Ein paar Tage bevor es losgehen sollte, sind wir nervös geworden: Wir brauchten noch Unterkünfte“, so die 38-jährige Vertriebscontrollerin. Dafür habe sich dann schnell Susanne Berger gefunden, eine Freundin der beiden, die mit ihrer PR-Agentur im Hintergrund die Fäden zieht. Sie habe dann den Kontakt zur Stadt Rotenburg gesucht.

„Wir haben am Donnerstag die E-Mail erhalten, dass die beiden eine Unterkunft suchen“, berichtet Bürgermeister Andreas Weber. Von der Stadt gab’s also ein Zimmer in der Jugendherberge Rotenburg – kostenlos. „Auch Leiterin Rita Toll hat sofort gesagt, dass sich die Jugendherberge mit der Hälfte der Kosten beteiligt“, so der Bürgermeister. Weitere Stationen haben „Cruise for Cash“ in Haltern am See, Ibbenbüren und Barnstorf eingelegt.

Schnell hatten Tzanakis und Kaup sogar Sponsoren mit an Bord, die für jeden Kilometer zwei Euro spenden. „Daran haben wir vorher überhaupt nicht gedacht. In unserer Heimat sind wir gut vernetzt, wir wollten also bei unseren Freunden Geld sammeln“, so Kaup. Mit dieser Resonanz hätten sie nicht gerechnet, sagen beide.

Doch sie stehen, seit es Montag losging, nicht nur auf den Brettern: Über eine eigene Homepage berichten täglich von ihren Etappen – zusätzliche Aufmerksamkeit. Diese Beiträge verlinken Kaup und Tzanakis außerdem bei Facebook, dort posten sie auch Fotos und Videos. Der Clou: Für jeden geteilten Beitrag fließt ein Euro in die Spendenkasse. „Jedes Mal, wenn das passiert, klingelt das Smartphone. Das ist ein zusätzlicher Motivator bei stärkstem Gegenwind.“ Das ist auch nötig: Longboard fahren die zwei Düsseldorfer zwar schon seit vier Jahren, diesmal ist es aber eine besondere Herausforderung „sich jeden Tag auf’s Neue aufzuraffen“, so Kaup. Pro Tag waren es 85 bis 95 Kilometern, die sie mit maximal 27 km/h zurück gelegt haben. „Das ist eine starke körperliche und psychische Leistung“, lobt Andreas Weber.

Auch über die Homepage ist es möglich zu spenden. Und die Strapazen haben sich wohl auch gelohnt: „Die 3000-Euro-Marke haben wir schon lange geknackt.“

www.cruiseforcash.de

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