Corona bremst die kirchliche Jugendarbeit in Rotenburg aus

Start mit Hindernissen

Noch ist das Gemeindehaus zu, Kevin Hisgen hofft auf eine baldige Öffnung. Foto: Beims

Rotenburg – Ins Gemeindehaus gegenüber der Rotenburger Stadtkirche geht es noch nicht, kein Zutritt außer für Mitarbeiter. Also setzt sich Kevin Hisgen wieder in die Stadtkirche, auf eine der Bänke im hinteren Teil – eine von denen, die nicht mit einem roten Band gesperrt ist. Vor knapp drei Monaten saß er an derselben Stelle, freute sich auf seine neue Aufgabe als Jugenddiakon in Rotenburg. Motiviert und voller Tatendrang, die Jugendlichen kennenzulernen und mit ihnen spannende Projekte zu starten. Nach den ersten beiden Eingewöhnungswochen kam aber das Coronavirus und mit ihm die Einschränkungen. Das Gemeindehaus musste schließen, damit auch der Jugendtreff. Viele Jugendliche hat Hisgen noch nicht kennenlernen können. Die Motivation ist immer noch spürbar, aber mit Schattenseiten. „Die Gesamtsituation ärgert mich, dass man so ausgebremst wird“, sagt er – allerdings gibt es positive Neuigkeiten.

In den ersten Wochen nach Maßnahmenbeginn hieß es erst mal sortieren – was ist möglich, wie kann man die Kinder und Jugendlichen am besten erreichen? Das ist gar nicht so einfach, meint Hisgen. Von den rund 70 Mitgliedern der evangelischen Jugend habe er etwa zehn vor Ausbruch der Pandemie kennenlernen können, darunter die fünf Mitglieder des Jugendkonventsvorstands. Erschwerend sei hinzugekommen, dass die Jugendarbeit während der Vakanz der Stelle zuvor zwar bestmöglich von Kirchenkreisjugenddiakon Werner Burfeind mit gefüllt worden ist, die jungen Leute aber viel in Eigenregie gemacht hätten – keiner habe sich „ganzheitlich gekümmert“.

Schnell war klar, dass Projekte längerfristig gedacht werden müssen: „Das wird ein Marathon, kein Sprint“, so Hisgen. Da die Videoandachten der Kirchen gut ankommen, denkt er das Prinzip weiter. Vorstellungsvideos einzelner Personen zum Beispiel. Das erste Video geht in dieser Woche auf dem Youtube-Kanal der evangelischen Jugend Rotenburg online. Eine Jam-Session und eine Art Talkshow sind geplant, sobald Treffen mit mehreren Personen zulässig sind. Auch hier gelte: Die Kirche müsse digital weiter voranschreiten. „Die Jugendlichen haben da Interesse dran.“

Sein Job sei vorher schon viel mit Büroarbeit verbunden gewesen, doch sei nachmittags Zeit für die Kinder und Jugendlichen gewesen. Das sei von heute auf morgen weggefallen. „Viele Jugendliche kennen mich noch nicht, das macht es nicht einfacher, sie jetzt zu erreichen“, merkt Hisgen an. Rückmeldungen über soziale Netzwerke wie Instagram erhalte er kaum. „Sehen sie nur die Fotos? Lesen sie den Text dazu? Das weiß ich nicht.“ Kinder und Jugendliche seien in dieser Pandemie aber auch oft vergessen worden. „In einer Studie stand, dass Jugendliche sich in der Gesellschaft aktuell nur als Schüler betrachtet sehen, nicht als Person. Ich nehme das auch so wahr, aus dem, was ich sehe und mitbekomme“, meint er. Aus diesem Grund hätten er und andere Kollegen sich bereits an den Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis gewandt, ihre Sicht dargelegt. „Bildungsangebote dürfen stattfinden, warum also keine Gruppenangebote bei uns, wenn die Regeln eingehalten werden?“, fragt er.

Hisgen ist aktuell die meiste Zeit im Homeoffice, hält Videokonferenzen ab, nutzt die Zeit für Konzeptarbeit und plant die nächsten Monate – so gut es geht. „Es ist ein wenig Alltag und trotzdem anders“, beschreibt er. Ideen seien einige da, was letztlich umsetzbar ist, weiß er nicht. Die Freizeiten sind abgesagt, auch die Konfirmandenfreizeit zum Auftakt des neuen Unterrichtsjahres, das im September beginnen soll. „Ein Nachholtermin ist für Januar geplant, wir sind vorsichtig optimistisch. Da wird es vielleicht ein Problem, ein Haus zu finden – durch die Krise wird es viele Herbergen nächstes Jahr vielleicht nicht mehr geben“, sagt Hisgen. Auch das Zeltlager in Offendorf fällt damit aus. „Das ist sehr schade, jedes Lager hat seinen eigenen Charme. Viele Jugendliche sind seit Jahren dabei. Für sie ist das hart.“ Dabei seien diese Freizeiten wichtig: „Das ist ein ganz anderes Zusammensein, eine andere Arbeit mit den Jugendlichen.“ Tagesangebote könnten als kleiner Ausgleich möglich sein. „Unser Wunsch ist, dass was stattfindet, aber wir gehen noch nicht in konkrete Planungen, weil wir nichts wissen. Die Lockerungen sind richtig, das kann aber auch nach hinten losgehen“, sagt er mit Verweis auf diejenigen, die unvorsichtig werden.

Durch die neu besetzten Pastorenstellen in Rotenburg und ihn als neuen Jugenddiakon sieht er aber auch „spannende neue Aufgaben“ für alle: „Die Zeit jetzt gibt uns die Möglichkeit, das Konfirmandenunterrichtskonzept neu zu denken, und man kann Dinge tun, die sonst liegen bleiben.“ Denn auch andere Aufgaben hat die Coronazeit für ihn mitgebracht: Hisgen dreht und schneidet die Andachten in den Rotenburger Kirchen, die sonntags hochgeladen werden. Das Konzept soll beibehalten werden. „Wir erreichen die Leute weiter trotz der Kirchenöffnung, auch Weggezogene, die sich weiterhin mit der Gemeinde verbunden fühlen.“

Und Erleichterung ist in Sicht: Das Land Niedersachsen gestattet Gruppenangebote unter bestimmten Auflagen. So hat Hisgen für die Jugendarbeit bereits ein Hygienekonzept erarbeitet. Gruppen bis maximal zehn Personen sind erlaubt, dann müssen zwei pädagogische Fachkräfte dabei sein. Mehrere Gruppen dürfen sich in einem Gebäude aufhalten, wenn diese räumlich getrennt sind. Bewegungsspiele im Freien sind kontaktfrei möglich – der Abstand muss sowohl drinnen als auch draußen gewahrt werden. „Risikopersonen sollten nicht teilnehmen“, erklärt Hisgen. Auch in Rotenburg könnte es bald wieder losgehen, denn die Landeskirche hat ebenfalls grünes Licht gegeben. „In diesem Rahmen ist eine Jugendarbeit möglich“, so Hisgen. Dazu muss nur noch das Gemeindehaus geöffnet werden und geklärt, wann welche Angebote – nicht nur für die Jugend – starten können. Die Entscheidung dazu werde voraussichtlich am 8. Juni getroffen, denn dann trifft sich der Kirchenvorstand der Stadtkirche. „Wir warten jetzt nur noch auf die Öffnung“, meint Hisgen.

Schnitzeljagd durch Rotenburg

Gemeinsam mit Kirchenkreisjugenddiakon Werner Burfeind hat Jugenddiakon Kevin Hisgen eine Schnitzeljagd entwickelt, die durch die Wümmestadt führt. „Wer mag, könnte das am Pfingstwochenende starten“, sagt Hisgen. Insgesamt sind es sechs Stationen, die sich an Psalm 23 orientieren, verrät er. Die letzte Station enthält die Lösung, welche die Suchenden dann an Hisgen schicken können. Das Anfangsrätsel finden Interessierte unter www.evjugend-row.de.

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