Stapeler Autorin Claudia Koppert veröffentlicht ihren zweiten Roman

Martha zwischen Enttäuschung und Hoffnung

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Claudia Koppert will mit „Sisterhood“ an den Gemeinsinn appellieren.

Von Bettina Diercks. Während Hauptdarstellerin Martha sich immer wieder im Konflikt mit ihrer heranwachsenden Tochter befindet, kommen auf einmal vermehrt Erinnerungen aus den 1980er Jahren hoch, damals die Zeit aktivster Frauen- und Lesbenbewegung. Martha denkt an ihre frühere Liebste, an heftige Auseinandersetzungen ihres politisch geprägten Alltags im Frauenzentrum. Und wie sich alles verändert hat. Martha wirkt mal erstaunt, mal enttäuscht. Und auch das ist ein Thema des Buches. Ein Aufarbeiten von Enttäuschungen, Hoffnungen, Erwartungen. „Der Weg, sich von übergroßen Hoffnungen, Ansprüchen und Enttäuschungen zu befreien, wird wunderbar literarisch nachgezeichnet. Dies entspannt das Verhältnis zu ihrer Tochter“, zitiert Koppert eine Zeile der Buchhandlung Müller, mit der sie und die Cohn-Scheune gemeinsam eine Lesung veranstaltet.

„Die Frauenbewegung war ja nicht nur die rechtliche Gleichstellung, es ging ja auch darum, Beziehungen zu verändern. In ‚Sisterhood‘ habe ich Sehnsucht dazugesteckt – sprachlich“, sagt Koppert. Und die drängenden Wünsche bezeichnet, die nicht unbedingt erfüllbar sind. Sie habe schon das Gefühl gehabt, Erfahrungen zu erzählen. Personen und Handlung seien allerdings frei erfunden. „Ich habe versucht, Solidarität und Gemeinsinn in einen neuen Bezug zu stellen“, sagt Koppert. „Ich hoffe, dass das Buch auch interessant für junge Frauen ist. Der Roman soll Lust machen, eine Idee davon zu bekommen ,wie es gehen kann'“, sagt Koppert und zielt auf den Gemeinsinn ab.

Die Autorin war damals selbst in der Anti-Atomkraftbewegung aktiv. „Ich fand es zum Teil erfolgreich, sich auch in Gruppen zusammen zu tun und sich gemeinsam mit Dingen auseinanderzusetzen, sich was anzueignen“, sagt Koppert. „Zivilgesellschaftliches Engagement“ nennt sie das. Koppert gehört zweifelsfrei zu diesen Menschen, die sich einsetzen. Ob Cohn-Scheune in Rotenburg oder Kräuterfeld in Stapel: „Ich engagiere mich gerne hier, weil ich hier lebe“, betont Koppert. Und gerade in Stapel ginge das auch sehr gut. „Ich mache gerne etwas mit anderen.“ Daher arbeitete sie auch zur 777-Jahr-Feier vor sieben Jahren mit an der Chronik des Dorfes. Die Geschichte ist in Spaziergängen festgehalten. „Sie ist inzwischen ausverkauft“, sagt Koppert, die das „weit über Stapel hinaus“ begehrte Werk mittlerweile online gestellt hat. 530 Bücher wurden veräußert, Stapel hat 240 Einwohner. Besonders freute sich Koppert über den Anruf einer Chronikensammlerin, die diese Werke eigentlich nur im Regal verstaut. Die Stapeler Chronik sei die erste gewesen, die sie von Anfang bis Ende gelesen habe.

Zum Ausgleich der vielen Bildschirmarbeit genießt die Lektorin ihren Garten am alten Forsthaus in Stapel in dem sie seit mehr als 20 Jahren lebt. Das gut 200-Jahre alte Haus liegt etwas zurück von der Straße und ist umgeben von einem Bauerngarten samt Obstbäumen. Das dort anfallende Obst wird ein einer Mosterei zu Saft verarbeitet. Einen Teil der Äpfel verspeisen allerdings die beiden Heidschnucken-Damen Adda und Edda.

„Ich bin im Freien aufgewachsen. Meine Eltern hatten eine Gärtnerei“, sagt Koppert. Schäferhundmischling Lou entspannt auf dem Rasen und Kater Mo streift durch die Büsche während die Autorin die Seele im Garten baumeln lässt. „Ich empfinde es immer noch als glücklichen Umstand, hierher gekommen zu sein.“

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