1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg
  4. Rotenburg (Wümme)

Standfest? Stadt Rotenburg lässt Grabsteine kontrollieren

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ann-Christin Beims

Kommentare

Dirk Rosinski zieht einen losen Grabstein an sich heran.
Auf dem Rotenburger Waldfriedhof haben Dirk Rosinski und sein Kollege ein paar Steine mit einem markanten grünen Aufkleber versehen – sie stehen nicht mehr fest auf dem Fundament oder Sockel und stellen damit eine Unfallgefahr dar. © Beims

Alle stehenden Grabsteine auf den städtischen Friedhöfen werden einmal im Jahr einer Prüfung unterzogen. Ist ihre Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet, muss gehandelt werden.

Rotenburg – Passt, wackelt und hat Luft? Auf den städtischen Friedhöfen sollte das bestenfalls nicht sein. Denn wenn Grabsteine nicht mehr sicher mit ihrem Fundament oder dem Sockel verbunden sind, können sie zu einer Gefahrenquelle werden. Daher beauftragt die Stadt einmal jährlich einen Sachverständigen, der diese auf ihre Sicherheit hin untersucht. Es ist ruhig an diesem Vormittag auf dem Rotenburger Waldfriedhof. Weiter hinten sind Mitarbeiter mit der Grünpflege beschäftigt, hier und da ist Vogelzwitschern zu hören oder Wind, der durch die Bäume rauscht. Und dazwischen: alle paar Sekunden ein feiner Piepton. Das ist gut, sagt es Dirk Rosinski und seinem Mitarbeiter Kevin Peters doch: Alles in Ordnung, der Stein hat sich nicht bewegt.

Zur Prüfung verwenden sie lange Stangen, die wie selber zusammengebaut aussehen. Mit den Kraftmessgeräten üben sie langsam Druck auf den Grabstein aus – genauer gesagt 300 Newton, also etwa 30 Kilogramm. Etwa einen Tag werden sie hier beschäftigt sein, schätzt der gelernte Ingenieur. Anschließend sind die weiteren Rotenburger Friedhöfe an der Reihe.

Dirk Rosinski (l.) und Kevin Peters prüfen alle stehenden Grabsteine der Reihe nach.
Gibt es Wackelkandidaten? Dirk Rosinski (l.) und Kevin Peters prüfen alle stehenden Grabsteine der Reihe nach. © Beims

Ist der Stein lose, gibt es keinen Gegendruck. Zwei davon haben sie bereits gefunden. An einem roten Grabstein klebt daher ein markanter grüner Zettel. Wäre es zu gefährlich, müssten die beiden diesen sofort stärker sichern. Rosinski zieht leicht daran, der Stein kippt ihm sofort entgegen. Doch aus Erfahrung heraus ist der Waldfriedhof gut in Schuss. „Ich hatte schon einen Friedhof, da war jeder vierte Stein lose“, erinnert sich Rosinski.

Das kann unterschiedliche Gründe haben. Zum einen können Wasser und Frost schaden oder eine nicht fachmännische Herstellung. „Früher waren es viel mehr große Steine, da wurde weniger gespart. Doch je dünner der Stein, dann wird auch am Fundament gespart, da kann eher was passieren“, weiß er. Auch die Erdversackung spielt eine Rolle.

Mit einem grünen Aufkleber wird zunächst auf die Gefahr aufmerksam gemacht.
Mit einem grünen Aufkleber wird zunächst auf die Gefahr aufmerksam gemacht. © Beims

Bei ihrer Arbeit müssen die Experten gewisse Vorgaben beachten. So prüfen sie mit dem Gerät nur ab einer Höhe von 50 Zentimetern, kleinere Steine noch wie früher per Hand. Einmal gegendrücken: Bewegt sich nichts, ist auch hier alles in Ordnung. Außerdem dürfen neu aufgestellte Steine in den ersten 28 Tagen nicht geprüft werden. Dazu sollte der Steinmetz im besten Fall einen Warnhinweis aufstellen. „Aber wir arbeiten auch mit Augenmaß und gesundem Menschenverstand“, meint der Sachverständige zwinkernd.

Fehler müssen sofort dokumentiert werden. Die beiden machen Fotos, die sie dem Prüfbericht für die Friedhofsverwaltung hinzufügen. Außerdem wird der genaue Standort eingetragen. Während der Plan des Waldfriedhofs gut weiterhilft, hat Rosinski da schon anderes erlebt. Gerade bei sehr alten Plänen sei es mitunter nicht einfach, die richtige Grabreihe zu bestimmen. Das ist aber wichtig, damit die Verwaltung den Nutzungsberechtigten informieren kann. Der ist innerhalb einer Frist von sechs bis acht Wochen für eine Instandsetzung verantwortlich – außer, der Grabstein ist jünger als fünf Jahre. Dann muss gegebenenfalls der Steinmetz ran.

Dirk Rosinski hält das Prüfgerät an einen Stein.
Piept es einmal? Dann ist alles ok und der nächste Stein kann unter die Lupe genommen werden. © Beims

Ob die Sicherheit gewährleistet ist, wird auch dann wichtig, wenn Unfälle passieren. Dann haken Krankenversicherer nach, wo genau dieser passiert ist – und wurde nicht ordnungsgemäß geprüft, können Regressansprüche geltend gemacht werden.

Rosinski ist seit gut 20 Jahren auf Friedhöfen unterwegs. „Man sieht das Land, lernt es und die Leute vor Ort kennen. Mit vielen kommt man ins Gespräch“, so der Experte. Er selber denke dennoch nicht groß über seinen eigenen Tod nach. Dafür bemerkt er Unterschiede im Friedhofsaufbau. „Es sind weniger Grabsteine über die Jahre geworden, das nimmt langsam ab. Da passiert viel, weg von der traditionellen Zweier-Belegung. Und die Kommunen gehen darauf ein.“ Müssen sie auch, denn die Ansprüche und Wünsche ändern sich. Auch Kunst landet hier und da zwischen Grabsteinen – wenn Lücken nicht mehr belegt werden können, aber nicht leer bleiben sollen.

Auch interessant

Kommentare