Stadtkantorei und Ballett-Ensemble führen Requiem in der Stadtkirche auf

Totenmesse in getanzten Bildern

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13 schlicht in Weiß gekleidete Tänzerinnen setzten Musik und Text pantomimisch und grazil um.

Rotenburg - Von Heidi Stahl. Drei Totenmessen in getanzten Bildern: Dieses Gesamtkunstwerk beeindruckte am Samstag, dem Vorabend des Totensonntags, das Publikum in der Rotenburger Stadtkirche. Karl-Heinz Voßmeier brachte mit der Stadtkantorei die Werke zweier zeitgenössischer Musiker – „Lux Aeterna“ von Morten Lauridsen (*1943) und das „Requiem“ von John Rutter (*1945) – sowie Henry Purcells (1659-1695) barocke „Funeral Music“, geschrieben für die Beisetzung von Königin Mary in Jahre 1695, zur Aufführung.

Doch nicht nur die Musik war das Besondere an diesem Abend. Voßmeier hatte sich wieder einmal die Ballettmeisterin Ines Güttel mit ihren Eleven zur Vervollständigung eines Gesamtkunstwerkes für alle Sinne in die Kirche geholt. Im schlichten Altarraum boten nur zwei weiße Kreuze den Hintergrund für die getanzten Bilder, die die verschiedenen Ausdrucksformen von Trauer erlebbar machten. 13 barfüßige Tänzerinnen in schlichten weißen Kleiden setzten Musik und Text pantomimisch und grazil um.

Mit behutsam geführten Lichteffekten erstrahlte der Hintergrund des Altarraumes in fluoreszierenden grünen, blauen und violetten Farbtönen. Chor und Orchester erklangen von der Empore und die volltönende Orgel unterstrich die getragene Musik der Totenmessen. Zu dumpfen Trommel- und Bläserklängen wurde eine aufgebahrte Tänzerin auf den Schultern von sechs anderen durch das Kirchenschiff getragen und im Altarraum abgelegt, wo die getanzten Bilder des Leides zu Purcells Trauermarsch Gestalt annahmen. In lang gehaltenen Posen zeigten die Tänzerinnen exakte Körperbeherrschung und beeindruckten durch Ausdruck und Interpretation. Mit erstaunlichem Ernst und einfühlsamer Reife verkörperten auch die beiden ganz jungen Balletteleven, Maxi Kahlbrecht und Otis Jung, Trauer und Schmerz.

Die beiden Kinder sind von Ines Güttel in den drei Monate dauernden Proben behutsam auf die Inhalte der getanzten Szenen vorbereitet worden und fügten sich stimmig und harmonisch in den Chor der Tänzerinnen ein.

Das Solo aus John Rutters Requiem, „Pie Jesu Domine“ („Milder Herr Jesus, schenke ihnen die ewige Ruhe“), trug die ebenfalls weiß gekleidete Sopranistin Marlen Korf auf der Bühne im Altarraum vor. Sie wurde von einem klassischen Pas de deux zweier Tänzerinnen auf Spitzenschuhen begleitet, während die Apsis der Kirche in violetten Farben leuchtete.

Dieses beeindruckende und in seiner Getragenheit zu Herzen gehende Gesamtkunstwerk, das auch schon im Vorfeld dieses Abends mit der Ausstellung der Bilder von Jeanette Clasen im Kreuzgang ergänzt wurde, verdiente am Ende voll und ganz den langanhaltenden Beifall der ergriffenen Zuhörer in der voll besetzten Kirche.

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