Stadt will Massenunterkünfte für Flüchtlinge vermeiden/Container im Gespräch

Turnhallen als letzte Möglichkeit

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Viele Städte bringen Flüchtlinge in Sporthallen unter. Vorteil: Viel Platz und sanitäre Anlagen sind vorhanden.

Rotenburg - Von Elisabeth Stockinger. 216 Flüchtlinge leben derzeit in der Stadt Rotenburg und ihren Ortschaften, weitere 300 Neuankömmlinge werden in den kommenden sechs Monaten erwartet. Die Verwaltung sucht nun händeringend nach Wohnraum. Auf die Unterbringung in Massenunterkünften, wie etwa Turnhallen, wolle man nach Möglichkeit aber verzichten, betont Bürgermeister Andreas Weber (SPD).

Beispiel Bremen: In der benachbarten Hansestadt ist ein erheblicher Anteil der vorhandenen Sportstätten mit Flüchtlingen belegt. Vereine und andere Nutzer haben das Nachsehen, sie sind gezwungen, sich nach alternativen Trainingsorten umzusehen.

Eine solche Anfrage habe es kürzlich gegeben, erzählt Reinhard Lüdemann vom Haupt-, Schul- und Personalamt der Stadt Rotenburg. Der Tanzverein Grün-Gold-Club Bremen hatte sich – neben anderen Kommunen – an ihn gewandt und um Hallennutzung zwecks Training gebeten. „Unsere Turnhallen sind allerdings vollständig belegt“, erklärt Lüdemann. 41 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine nutzen derzeit kostenlos die acht Hallen im Stadtgebiet – drei landkreiseigene und fünf städtisch betriebene, allesamt an Schulen angeschlossen.

„Die Gebäude werden bis in den Nachmittag hinein für den Schulsport genutzt“, sagt Lüdemann. Erst ab etwa 16 Uhr sind sie frei für außerschulische Vereine, und dann durchgehend bis 22 Uhr belegt. Von daher habe man das Gesuch des Tanzclubs ablehnen müssen. Anfragen nach Trainingszeiten in der Wümmestadt von Vereinen aus der Umgebung gebe es immer mal wieder, sagt Lüdemann. Diese sei aber die erste gewesen, die aufgrund der Flüchtlingsthematik gestellt worden sei.

Turnhallen als Unterkunft für Flüchtlinge: Für die Stadt Rotenburg stellt dies zwar eine Möglichkeit dar, die allerdings vermieden werden sollte. „Für das Sozialleben und die Integration ist Schul- und Vereinssport von großer Wichtigkeit“, betont Weber. Deshalb würden die Hallen vorerst nicht in die Planungen einbezogen. „Es geht dabei auch um den Persönlichkeitsschutz“, so der Verwaltungschef. 50 bis 100 Asylbewerber, die dicht an dicht in Massenunterkünften leben, die sanitären Anlagen nicht für Frauen und Männer getrennt: Allzuviel Privatsphäre herrsche dort oftmals nicht. „Davor wollen wir die Betroffenen schützen.“

Als Alternative ist die Stadt nun auf der Suche nach größeren Flächen, um dort Wohncontainer aufzustellen. Weber nannte eine Fläche in Nähe des Diakonieklinikums als Beispiel. Für Freitag ist zudem eine Besprechung mit den Bürgermeistern der hiesigen Kommunen angesetzt. „Wir wollen noch einmal über die zahlreichen Fragen sprechen, die sich derzeit stellen. Denn auf Stadt, Landkreis und die Kommunen kommt in nächster Zeit sehr viel Arbeit zu.“

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