Stadt soll Handlungskonzept für Landwirte und Mitarbeiter entwickeln

Mehr Rücksicht auf die Wegeseitenränder

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Wegeseitenränder sollen Lebensraum bleiben – zum Beispiel für den Fasan.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Das Thema ist nicht neu, aber „es muss endlich mal in trockene Tücher“. Das beteuerte Manfred Radtke (Grüne) als Vorsitzender des Umweltausschusses der Stadt während der jüngsten Sitzung im Rotenburger Rathaus. Öffentliche Wegenseitenränder sollen besser geschützt werden – und so mehr Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten.

Den Anstoß zur erneuten Debatte hatten die Grünen gegeben, die per Eilantrag für die vergangene Ratssitzung gefordert hatten, eine Mahd vor dem 15. Juli während der Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit zu unterlassen. Auch der Landkreis hatte in einem Schreiben vom 2. Juli die Kommunen darum gebeten, mehr Rücksicht auf Flora und Fauna zu nehmen. Leider sei es nämlich „nach wie vor gängige Praxis, während der Brut- und Setzzeit Wegeseitenränder, auch an Gemeindewegen, die vornehmlich dem landwirtschaftlichen Verkehr dienen, zu mähen oder zu mulchen“, so Naturschutzamt-Leiter Jürgen Cassier in einem Brief an die Gemeinden und Städte im Landkreis. Es möge dafür zwar in Einzelfällen aufgrund von Verkehrssicherungspflichten gute Gründe geben, „aber nicht selten geschieht dies auch zur Aufrechterhaltung einer überkommenen Tradition“, so die Kritik aus dem Kreishaus. Das Mähen oder Mulchen zu dieser Jahreszeit mache zwar einen gepflegten Eindruck, zerstöre aber erhaltenswerte Vegetationsbestände und damit Lebensraum. Als Vorbild für alle anderen Gemeinden könne Kirchwalsede dienen, wo schon seit zwei Jahren per Ratsbeschluss auf „Naturschutz durch Unterlassen“ gesetzt werde – ein früheres Mähen also verboten ist.

Diesem Beispiel will auch die Stadt Rotenburg folgen. Das Handlungskonzept soll die rechtliche Vorgaben berücksichtigen und Schnittzeitpunkt, Schnittbreite sowie Schnitthäufigkeit unter Berücksichtigung der Nutzungsintensität der Wege praxistauglich festlegen. Zudem gelte es, technische Möglichkeiten bei der Mahd zu optimieren. Unterstedts Ortsbürgermeister und Umweltausschuss-Mitglied Uwe Lüttjohann (SPD) gab allerdings zu bedenken, dass auch die städtischen Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert werden müssen: „Wir müssen bei dem Personal, das die Maschinen bedient, ansetzen.“ Es seien eben nicht immer nur die Landwirte, die sich am Saumrand bedienen.

Grundlage des Handlungskonzepts ist auch die sogenannte Agrarzahlungen-Verpflichtungenverordnung des Bundes, die in Paragraf 8 besagt: „Landschaftselemente dürfen nicht beseitigt werden.“ Und zu diesen zählen unter Ziffer 6: „Feldraine: überwiegend mit gras- und krautartigen Pflanzen bewachsene, schmale, lang gestreckte Flächen mit einer Gesamtbreite von mehr als zwei Metern, die innerhalb von oder zwischen landwirtschaftlichen Nutzflächen liegen oder an diese angrenzen und auf denen keine landwirtschaftliche Erzeugung stattfindet.“

Der Stadtrat wird sich mit der Empfehlung, dieses Konzept auszuarbeiten, im Oktober beschäftigen.

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