Stadt Rotenburg will Realschul-Gebäude für höhere Jahrgänge ausbauen

IGS-Kompromiss für weitere 6,5 Millionen Euro

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Der Platz reicht nicht aus. Der An- und Umbau an der Rotenburger Theodor-Heuss-Schule für die Integrierte Gesamtschule (IGS) ist mit diesem Schuljahr bezogen, doch dort kommen nur die fünften und sechsten Klassen unter.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Es sei der „Kompromiss, mit dem wir leben müssen“, sagt der Schulleiter. „Keine exklusive Lösung, sondern das unbedingt Notwendige“, schließt sich der Bürgermeister an. Soeben haben Rotenburgs Rathauschef Andreas Weber (SPD) und Sven Thiemer, Rektor der Integrierten Gesamtschule (IGS), verkündet, wie es mit dem Ausbau der Schule weitergehen soll. 6,5 Millionen Euro sollen investiert werden, um den notwendigen Platz an zwei Standorten zu schaffen.

Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass die Stadt parteiübergreifend für rund 40000 Euro eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben hat, um die Entwicklungsmodelle der IGS durchzuspielen. „Als ich das Amt übernommen habe, musste ich leider erfahren, dass viele Fragen offen gelassen wurden“, so Weber am Donnerstagmittag. Zwar haben die Klassenstufen fünf und sechs im An- und Umbau an der Theodor-Heuss-Schule (THS) an der Gerberstraße ihren Platz gefunden, aber wie es mit den Stufen sieben bis zehn weiter geht, war noch offen. Vom gänzlichen Neubau für rund 15 Millionen Euro zum Beispiel am Standort der Pestalozzischule, die im Zuge der Inklusion ausläuft, bis zur Sparversion auf CDU-Vorschlag nur mit leichten Umbauten an der Realschule für drei Millionen Euro standen insgesamt sieben Varianten zur Diskussion. Die Verwaltung schlägt der Politik nun eine Aus- und Umbauvariante an der THS und Realschule vor. Die Entscheidung, ob tatsächlich so gebaut werden soll, könnte schon im Oktober im Stadtrat getroffen werden.

„Es ist das wirtschaftslichste Modell unter weitgehender Beibehaltung des pädagogischen Konzepts“, betont Bürgermeister Weber. Nach diesem wird ein Trakt der THS für den siebten Jahrgang abgerissen und neu konzipiert. Kostenpunkt: rund zwei Millionen Euro. Die höheren Jahrgänge acht bis zehn, die an der IGS ab dem Schuljahr 2017/2018 beschult werden, sollen in die Realschule ziehen. Dort wird nach dem Verwaltungsvorschlag eine Mensa neu gebaut, dazu der bisher hinter der Aula liegende Bereich mit Bio-Räumen abgerissen. Dort entstehen dann auf zwei Ebenen Klassenräume für zwei Jahrgangsstufen, die dritte Stufe findet über drei Etagen im bestehenden Gebäudebereich hinter den Verwaltungsräumen Platz. Dafür werden je zwei bisherige Klassenräume zu einem, statt der geplanten Größen von 90 Quadratmetern ergäben sich sogar Raumgrößen von 120 Quadratmetern. Ein Aufzug für die Barrierefreiheit ist ebenfalls notwendig. Insgesamt ein Kostenvolumen von rund vier Millionen Euro.

Sowohl Thiemer als auch Weber betonen, dass durch Streichungen aus dem ursprünglichen Konzept 1,6 Millionen Euro eingespart werden – die Aulen der THS und der Realschule werden als Mehrzweckräume (Foren) mitgenutzt, Fach- und Verwaltungsräume nicht saniert, an der Ausstattung wird gespart. Für Schulleiter Thiemer ist das „natürlich nicht das, was auf unserer Wunschliste steht und dem Konzept entspricht“, aber eben doch ein tragbarer Kompromiss – mit dem großen Wehmutstropfen, künftig eine Schule an zwei Standorten mit den entsprechenden Nachteilen betreiben zu müssen.

Wann nach einem politischen Beschluss die Bagger anrollen, ist offen. Weber rechnet mit einem Baubeginn im Sommer 2016. Wenn der erste Abschnitt an der THS in Angriff genommen wird, müsste der neue fünfte IGS-Jahrgang auf die Realschule ausweichen. Und für die letzten drei Jahrgänge der THS-Hauptschule arbeitet die Stadt an einer „Übergangslösung“, so Weber. Sie ziehen, wenn die Pläne umgesetzt werden, mit fünf Klassen in die Pestalozzischule.

Doch wie tief ist das Loch, das die Entwicklung der IGS noch in die Stadtkasse reißen wird? Bürgermeister Andreas Weber (SPD) hofft politisch auf „Vernunft auf beiden Seiten“, bei seinen unterstützenden Parteien und der Opposition. 6,5 Millionen Euro Bau- und Materialkosten, so der Vorschlag der Verwaltung, sollen auf die Jahre 2016 bis 2019 „nach Möglichkeit gleichmäßig verteilt werden“. Für die größte Fraktion im Stadtrat, die CDU, ist das untragbar. „Ich habe Bedenken, dass die Stadt diese Investition schultern kann“, sagt nach Bekanntwerden der Verwaltungspläne CDU-Fraktionschef Klaus Rinck. Insgesamt 14 Millionen Euro hätte die Stadt dann über die Jahre in die IGS und die neue Turnhalle investiert. „Zehn Millionen Euro sind genug“, formuliert Rinck. Deswegen sei die CDU auch mit einem eigenen Konzept an den Start gegangen, das die Nutzung der Realschule für die IGS unter weitgehender Beibehaltung der bisherigen Raumstrukturen vorsah. Kostenpunkt dieser Variante mit THS-Umbau und Realschul-Anpassungen: 2,5 bis drei Millionen Euro.

Bürgermeister Weber meint, er könne noch nicht sagen, wie sich die IGS-Pläne mit den Haushaltsaufstellungen vertragen. Es müsse bei geplanten anderen Projekten „Anpassungen an unsere laufenden Kosten“ geben, auch „Steueranpassungen“ würden intensiv diskutiert. Intern ist man diesbezüglich im Rathaus bereits konkreter. In einem ersten Haushaltsplan-Ansatz heißt es nach Recherchen der Kreiszeitung, dass der Fehlbetrag 2016 bereits ohne die Planungen für die IGS-Stufen acht bis zehn bei rund zwei Millionen Euro liegen würde. Bis zum Jahr 2019 könnten die Schulden der Stadt von derzeit 23 auf 30 Millionen Euro steigen. Eine Anhebung von Grund- und Gewerbesteuer um je 30 Prozentpunkte sei denkbar – und brächte rund 1,8 Millionen Euro Mehreinnahmen jährlich. Weber kommentierte die Zahlen gestern nicht. Nur so viel: „Wir müssen uns die IGS leisten können.“

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