Stadt will Ex-Diakonie-Einrichtung in Unterstedt sanieren

Ende November ziehen erste Flüchtlinge in Lungenklinik

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Die ehemalige Lungenklinik in Unterstedt bietet Platz für etwa 150 Flüchtlinge.

Rotenburg - Von Elisabeth Stockinger. 140 Neuankömmlinge bis Ende November – statt wie bisher geplant bis Ende Januar. Und dann noch einmal 280 bis Mai 2016.

Die Stadt Rotenburg wird laut Aussage von Bürgermeister Andreas Weber (SPD) derzeit von den Ereignissen der Flüchtlingsproblematik überholt. Deshalb habe man die Strategie geändert, so der Verwaltungschef. Und die sieht vor, die ehemalige Lungenklinik in Unterstedt zur Unterkunft umzurüsten.

„Wir haben es bisher geschafft, alle Flüchtlinge dezentral in privaten Wohnungen unterzubringen“, erklärte Weber am Donnerstagvormittag. „Das wird ab jetzt nicht mehr möglich sein.“ Denn die Zahlen änderten sich stetig. 2014 hieß es noch, dass künftig 50 Neuankömmlinge pro Jahr in die Kreisstadt kämen. Jetzt sind es umgerechnet etwa 20 pro Woche. Weber schätzt, dass die Gesamtzahl aller Flüchtlinge in der Wümmestadt Ende Mai 2016 zwischen 600 und 650 liegen wird, inklusive derer, die bereits seit längerer Zeit hier wohnen. Arbeitsintensive Wochen kämen nun auf Landkreis und die Kommunen zu. Doch die Stadt Rotenburg ist dafür gerüstet, betonte Weber.

Die Priorität liege von jetzt an ganz klar auf Unterbringung. Sprachkurse, Arbeitssuche und dergleichen seien erst einmal hinten angestellt. „Wir wollen verhindern, dass in Rotenburg irgendjemand auf der Straße stehen muss.“ Derzeit befindet sich die Stadt in Gesprächen mit dem Diakonieklinikum Rotenburg. Angedacht ist, das ehemalige Gelände der Lungenklinik in Unterstedt für die Unterbringung der Neuankömmlinge zu nutzen. 150 Menschen hätten dort Platz. Zuvor sind allerdings noch Sanierungsarbeiten vonnöten. Denn, so Weber, die Flüchtlinge sollen dort längerfristig untergebracht werden. Wohnräume müssen hergerichtet, undichte Dächer repariert, Möbel und Elektrogeräte angeschafft werden. „Wir sind zuversichtlich, dass wir das gemeinsam realisieren können“, bekräftigt der Bürgermeister.

Dennoch: Die Stadt ist auf personelle Unterstützung angewiesen. In der kommenden Woche will sie neue Stellen ausschreiben, Sozialarbeiter und Menschen mit Hausmeistererfahrung werden dringend gesucht. „Private Eigentümer von Wohnungen und Häusern suchen wir ebenfalls nach wie vor“, so Weber. Denn die 150 Plätze in der Lungenklinik reichen nicht für alle Neuankömmlinge. Zum Glück habe man mit der Rotenburger Jugendherberge einen zuverlässigen Kooperationspartner, der in Notfällen kurzfristig einspringen könnte. Turnhallen als Unterkunft zu nutzen – für Weber weiterhin kein Thema.

Alles in allem, trotz der Dynamik der Ereignisse, zeigte sich der Bürgermeister am Donnerstag entspannt. „Wir haben einen Plan, und der steht erstmal.“ Jetzt müssten alle gemeinsam anpacken. Doch die Stimmung in der Bevölkerung sei gut. „Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß. Zudem haben wir in Rotenburg mit den vorhandenen Einrichtungen eine intakte Struktur.“ Simbav, Deutsches Rotes Kreuz, Karo und Diakonieklinikum: Sie alle tragen laut Weber dazu bei, diese große Herausforderung für den Landkreis zu bewältigen.

Die Idee, die ehemalige Lungenklinik als Unterkunft zu nutzen, kam im Übrigen vom Diakonieklinikum selbst. „Wir sind an den Landkreis und die Stadt herangetreten und haben das Gelände angeboten“, erklärte der Theologische Direktor Matthias Richter. „Als diakonische Einrichtung helfen wir gerne.“ Die Stadt habe das Angebot direkt angenommen.

Die Lungenklinik, die seit rund acht Jahren leersteht, befindet sich laut Richter in einem sehr guten Zustand. Im Prinzip könnte dort morgen eingezogen werden, einige Sanierungsarbeiten und Anschaffungen vorausgesetzt. Ein großes Plus: Die Jugendherberge plane derzeit, neue Betten anzuschaffen. Die ausrangierten Schlafstätten werden nicht weggeworfen, sondern künftig in der neuen Unterkunft genutzt. Angedacht ist, dass Ende November die ersten Flüchtlinge einziehen Ein Zeitplan, der laut Richter durchaus realistisch ist. „Es gibt noch einiges zu tun, aber es wird uns schon gut gelingen.“

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